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    Hargesheim/Roxheim

    Neue Straße erinnert jetzt an Arthur Rauner

    Gleich zwei Ereignisse, die bei den Bürgern auf großes Interesse stießen, gab es in Hargesheim zu feiern: zunächst die Fertigstellung der Bürgersteige im Kreuzungsbereich zwischen Roxheim und Hargesheim, ein gemeinsames Projekt beider Kommunen.

    Arwin und Tamir Rauner (4. und 5. von links) enthüllen mit Ortsbürgermeister Werner Schwan das Straßenschild mit dem Namen ihres Großvaters.
    Arwin und Tamir Rauner (4. und 5. von links) enthüllen mit Ortsbürgermeister Werner Schwan das Straßenschild mit dem Namen ihres Großvaters.
    Foto: Wilhelm Leyendec

    Von unserem Mitarbeiter Wilhelm Leyendecker

    Mit dem Durchschneiden des Bandes wurde die Arthur-Rauner-Straße jetzt offiziell eingeweiht. Geschlossen hatte sich der Hargesheimer Gemeinderat für diese Namensgebung zu Ehren des bedeutenden Bürgers ausgesprochen.  Fotos: Wilhelm Leyendecker
    Mit dem Durchschneiden des Bandes wurde die Arthur-Rauner-Straße jetzt offiziell eingeweiht. Geschlossen hatte sich der Hargesheimer Gemeinderat für diese Namensgebung zu Ehren des bedeutenden Bürgers ausgesprochen. Fotos: Wilhelm Leyendecker
    Foto: Wilhelm Leyendec

    Die Kostenaufteilung war den dort verlaufenden Gemeindegrenzen geschuldet und zeugt vom Willen der beiden Kommunen zur Gemeinsamkeit, wie der Hargesheimer Ortsbürgermeister Werner Schwan, sein Roxheimer Amtskollege Reinhold Bott, Bürgermeister Markus Lüttger und Landrat Franz-Josef Diel übereinstimmend feststellten.

    Jetzt können Bürger beider Gemeinden das Einkaufszentrum und das Gesundheitszentrum Forum Valentinum trockenen Fußes erreichen. Allerdings habe sich möglicherweise die Geschäftsgrundlage etwas geändert, so Bott humorvoll, denn bei dem vielerorts schon kolportierten Aldi-Markt auf Roxheimer Seite würde der Überweg wohl künftig vermehrt von Hargesheimer Bürgern genutzt. Lüttger und Diel sehen in der Maßnahme einen wesentlichen Schritt zur Verbesserung der Infrastruktur.

    Offiziell eröffnet wurde an diesem Tag auch die Zufahrt zu den Märkten und dem Gesundheitszentrum, die Arthur-Rauner-Straße. Hierzu konnte Schwan 14 Nachkommen dieses bedeutenden jüdischen Hargesheimer Bürgers aus Israel begrüßen, die teilweise schön des Öfteren den Wohnort ihres Vorfahren besucht haben. Ortsbürgermeister Schwan skizzierte den Lebensweg der Familie Rauner (wir berichteten bereits ausführlich). 1892 in Rheinböllen geboren, zog er mit den Eltern nach Hargesheim um und betrieb später in der Lindenstraße ein vom Vater übernommenes Lebensmittelgeschäft. Der sportbegeisterte Arthur Rauner gehörte am 28. August 1910 zu den Gründungsmitgliedern des Turn- und Sportvereins Hargesheim und wurde schon im Gründungsjahr zum Vorsitzenden gewählt.

    In Theresienstadt ermordet

    Dieses Amt übte er mit mehreren Unterbrechungen bis 1933 aus, dem Jahr der Machtergreifung durch die Nazis. Obwohl erneut zum Vorsitzenden gewählt, durfte Rauner das Amt nicht mehr ausüben. 1938 musste er sein Haus weit unter Wert verkaufen, zwei Jahre zuvor war es ihm noch gelungen, seine vier Kinder über Frankreich nach Israel zu schaffen. Arthur Rauner selbst und seine Ehefrau Augusta wurden 1942 ins Vernichtungslager in Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Schwan entschuldigte sich bei der Familie für das Unrecht, das ihr angetan wurde. Er forderte alle auf, dafür Sorge zu tragen, dass sich solche Vorgängen nicht mehr wiederholen. Die Anwesenheit der Familie Rauner sieht er als Versöhnungsgeste, für die er sich im Namen der Hargesheimer bedankte.

    "Hargesheim ist und bleibt eure Heimat", so Schwan, auch mit Blick darauf, dass die Rauners neben der israelischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Das Band, das später bei der Straßenweinweihung offiziell durchschnitten werden sollte, ist für ihn ein Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft. Zur Erinnerung an diesen Tag übergab Schwan zwei Wappenteller mit Inschrift an die Familie, die sich ebenfalls mit einem Geschenk bedankte.

    Für Pastor Carsten Peil, der die Anwesenden mit "Schalom" begrüßte, steht dieses Wort nicht nur für Frieden, sondern auch für Zusammenführen. Er wies dabei auf viel Verbindendes zwischen Judentum und Christentum hin.

    Emotionale Ansprache

    In seiner sehr emotionalen Ansprache bedankte sich Tamir Rauner im Namen der Familie für die Ehre, dass eine Straße nach seinem Großvater benannt wurde. Er erinnerte daran, dass bei ihnen in Israel viele Geschichten über die alte Heimat mit "bei uns in Hargesheim" beginnen. Dass Arthur Rauner ein beliebter Bürger des Dorfes gewesen sei, habe er aus vielen Äußerungen entnommen, nicht zuletzt, dass man ihn selbst 1933 noch einmal zum Vorsitzenden des TuS gewählt habe.

    Seine Zwiesprache mit seinen Vorfahren geriet zu einer ergreifenden Hommage auf seine Großeltern, die er selbst nie kennenlernte, die den Familien in Israel aber gefehlt hätten. Er dankte ihnen, dass sie ihre Kinder rechtzeitig nach Israel geschickt hätten. Obwohl es kein Grab gäbe, an dem man um sie trauern könne, sei die Familie jetzt nach Hargesheim gekommen, um ihnen bei dieser Straßenbenennung die Ehre zu erweisen. Er wünschte, dass ihre Seelen in der Ewigkeit gut aufgenommen seien. Tamir Rauner sprach mit seiner Familie in jüdischer Sprache das Kaddisch, ein Heiligungsgebet, auch Totengebet genannt. Gemeinsam durchschnitten die Offiziellen mit den Angehörigen der Familie Rauner das Band und enthüllten das Straßenschild mit dem Namen Arthur Rauner

    Bad Kreuznach
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