40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Mainz denkt (nochmal) nach: Runder Tisch dreht sich um Museumszukunft

Gisela Kirschstein

Das Nachdenken über ein neues Gutenberg-Museum hat in Mainz begonnen, und es geht durchaus intensiv dabei zu. Beim ersten Runden Tisch nach dem Bürgerentscheid gingen Vertreter der Stadt sowie der Bürgerinitiative (BI) Gutenberg-Museum aufeinander zu. Man habe in sehr konstruktiver Atmosphäre Ideen und Ansätze ausgetauscht, hieß es danach.

Die Bürgerinitiative will Gutenberg zur Marke für ganz Mainz machen.  Foto: Gisela Kirschstein
Die Bürgerinitiative will Gutenberg zur Marke für ganz Mainz machen.
Foto: Gisela Kirschstein

Mehr noch: Die BI Gutenberg-Museum präsentierte Vorschläge für eine Onlineplattform zur Bürgerbeteiligung in Mainz und schlägt vor, Gutenberg zu einer echten Marke für die ganze Stadt weiterzuentwickeln. Derweil wollen die Freien Wähler auch neue Standorte für ein neues Museum prüfen lassen und stellen einen Antrag dazu im Stadtrat.

Gut einen Monat nach dem für die Stadtspitze verheerenden Bürgerbegehren hatte die Bürgerinitiative Gutenberg-Museum zum Runden Tisch geladen. Es kamen neben Vertretern der BI und der Mainzer CDU – darunter auch Johannes Gerster – unter anderem Oberbürgermeister Michael Ebling sowie Baudezernentin Marianne Grosse (beide SPD). Museumsdirektorin Annette Ludwig musste hingegen wegen eines anderen Termins absagen.

„Es war ein sehr konstruktives, offenes Gespräch, man ist bereit, aufeinander zuzugehen“, sagte danach BI-Gründer Thomas Mann: „Wir haben ein neues Kapitel in der Kommunalpolitik, der Bürgerbeteiligung und des Umgangs miteinander aufgeschlagen.“ Er habe vor zweieinhalb Jahren bereits einen solchen Runden Tisch zum Austausch gefordert, „das haben wir nun erreicht, darauf bin ich stolz.“ Die BI habe „schon den Eindruck, dass die Stadtspitze ihre Lehren aus dem klaren Bürgerentscheid gezogen hat und weiß, dass dabei eine grundlegende Unzufriedenheit mit der Beteiligung der Bürger in der Stadtplanung eine wesentliche Rolle spielte.“

Der Abend diente aber nicht nur zum Austausch, auch über ein Finanzierungskonzept sowie einen Standort für ein neues Museum wurde geredet. Die Stadt habe die Zusage gegeben, dass ein neues Museum nicht mehr auf dem Liebfrauenplatz gebaut werde, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler im Mainzer Stadtrat, Kurt Mehler. „Um alle Möglichkeiten für die Verbesserung der Situation des Gutenberg-Museums auszuloten, ist auch die Option eines Neubaus an einem anderen Standort zu berücksichtigen“, heißt es im FWG-Antrag. Die Strahlkraft des Museums dürfe nicht „durch Engstirnigkeit und Alternativlosigkeit in baulicher Hinsicht beschränkt werden“, ein Neubau biete zudem eine gute Möglichkeit, die Mainzer einzubeziehen.

Abriss und Neubau angedacht

Auch einen Abriss des Schell-Baus – heutiger Sitz des Museums – bringen die Freien Wähler ins Gespräch: Das würde eine „neue Möglichkeit für die Wiederherstellung der historischen Mainzer Altstadt nach dem Vorbild von Frankfurt bedeuten“, finden die Freien Wähler, davon könne der Tourismus in Mainz erheblich profitieren. Er spüre in der Stadt „ein Ringen um eine gute Lösung“, sagte Mehler: „Es ist das erste Mal, dass ich die Hoffnung habe, in einem überschaubaren Zeitraum ein gut funktionierendes Gutenberg-Museum noch zu erleben.“

Die ÖDP pocht unterdessen vor allem auf eine umfassende Bürgerbeteiligung. „Die Bürger wollen sich konstruktiv beteiligen, diese Botschaft ist vorläufig angekommen – ob das nachhaltig ist, wird die Zeit weisen“, sagte ÖDP-Chef Claudius Moseler. Die politische Stadtkultur müsse sich grundsätzlich weiter entwickeln, forderte er: Das betreffe den Umgang mit und die Einbeziehung von Bürgern, aber auch den Umgang mit Minderheitsmeinungen im Stadtrat.

Die BI fordert nun einen „Zeitplan für die weiteren Meilensteine zur Museumszukunft“, dabei müsse auch einbezogen werden, wie lange die provisorischen Brandschutzmaßnahmen für das Museum ausreichten. Es müssten nun „alle Kräfte in Mainz möglichst zeitnah gebündelt werden, um Gutenberg im Museum und auch der Stadt nachhaltig zu bewahren.“ Der Runde Tisch der BI soll eine einmalige Aktion gewesen sein, nun sei die Stadt mit der vom Stadtrat beschlossenen Arbeitswerkstatt am Zuge. Dezernentin Grosse sagte, diese solle noch vor der Sommerpause zusammentreten.

Die Arbeitswerkstatt übernimmt

Es komme nun darauf an, wie genau die Arbeitswerkstatt gestaltet werde, mahnte die BI: Es müsse geklärt werden, inwiefern ihre Leitlinien bindend würden, wie die Arbeitswerkstatt moderierte werde und ob daneben noch Onlinemöglichkeiten der Beteiligung für die restliche Bürgerschaft integriert werden. „All das entscheidet nun darüber, ob wir eine effiziente und befriedende Form der Bürgerbeteiligung in unserer Stadt etablieren können oder ob die Aussagen aus Verwaltung und Stadtrat nur kurzfristiger Art waren“, heißt es von Seiten der BI. Die BI mahnte aber nicht nur – sie legte auch Vorschläge auf den Tisch. So präsentierte sie die Idee einer Onlinebeteiligungsplattform, auf der die Bürger Ideen einbringen könnten, befragt werden und auch Workshops geplant werden könnten. So könnten Probleme an die Verwaltung kommuniziert und Bürger intensiv einbezogen werden. Zudem schlägt die BI vor, Gutenberg als echte Marke für die Stadt zu entwickeln. Beispielhaft sei die Lutherstadt Wittenberg. Die Bürgerinitiative lädt nun für Dienstag, 19. Juni, um 19 Uhr ins Haus am Dom zu einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Motto: „Quo vadis Gutenberg? – Der Bürgerentscheid als Chance für Neues!“ Dort soll über Finanzierungskonzepte und Standorte für ein neues Gutenberg-Museum sowie über Formen der Bürgerbeteiligung in Mainz diskutiert werden. Auch Gutenberg als Marke sowie Kooperationen und Sponsoring sind Themen. Am 20. Juni folgen die Freien Wähler ab 18 Uhr mit der Veranstaltung „Bürgerbeteiligung – aber wie?“ im Mainzer Rathaus.

Von Gisela Kirschstein

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
UMFRAGE
Wer will an der Uhr drehen?

Sommerzeit: Soll es dabei bleiben, dass wir im Frühsommer die Uhren eine Stunde vorstellen?

Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
69%
Nein, eher nicht.
31%
Stimmen gesamt: 109
Anzeige
Regionalwetter
Mittwoch

15°C - 27°C
Donnerstag

17°C - 31°C
Freitag

14°C - 27°C
Samstag

15°C - 27°C
epaper-startseite