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Kirner Gotteshaus noch lange gesperrt: Orgel wird renoviert, Dach und Altarraum machen Sorgen

Armin Seibert

Ein bisschen Gottvertrauen gehört schon dazu, auf eine gute und bezahlbare Zukunft der katholischen Kirche in Kirn zu hoffen. Derzeit ist das Gotteshaus gesperrt, weil im Altarraum und über Triumphbögen tiefe Risse klaffen und von dort womöglich Teile herabstürzen könnten. Da seien die bisher für Reparatur- und Gerüstbauarbeiten veranschlagten 70.000 Euro im Hinblick auf eine grundlegend nötige Renovierung nicht mehr als nur Peanuts, meint Dechant Günther Hardt scherzhaft.

Dabei ist beim Gespräch zum aktuellen Stand niemand zum Scherzen zumute, denn eigentlich hatte man nur die Orgel renovieren wollen. Dafür hatte der Orgelbauverein um den Vorsitzenden Klaus Käthler über Jahre 175.000 Euro angespart. Als man mit den Bad Kreuznacher Orgelbauspezialisten Raab und Plenz zur Tat schreiten wollte, wurde bei der Gelegenheit genauer in der Kirche nachgeschaut. Dabei wurden massive Schäden vor allem im Dach entdeckt.

Dort ist inzwischen Zimmermeister Ferdinand Schwaighofer (Hottenbach) zugange und hat im Bereich zwischen Turm und Kirchenschiff mit Sicherungsarbeiten begonnen. „Nichts Dramatisches“, sagt er scheinbar leichthin. Probleme sind anders, merkt er an. Schwaighofer stammt aus Mondsee im Salzkammergut, hat dort in der Marktkirche schon ganz andere Probleme gemeistert. Doch ist die Finanzierung kein Problem, sagt er. Bautechnisch sei der Dachstuhl der Kirner Kirche renovierbar, sagt er und zeigt bei der Ortsbesichtigung, was bisher gemacht wurde. Durch ein Dachfenster wurden mit einem Autokran zwei 500-Kilo-doppel-T-Stahlträger in den Dachstuhl geschoben und mit Rundhölzern übers gesamte Schiff bis an den Turm gerollt. Die neun Meter langen Träger überbrücken zwei Balkenfelder. Mit mächtigen Hölzern und einer Hydraulikpresse hat Schwaighofer die Dachträger wieder um rund sechs Zentimeter gehoben. Dort, wo das Dachgewicht am Turm „abgefangen“ war, mussten wegen massiver Wasserschäden Teile der alten Balken abgesägt werden. Sie werden zum Teil erneuert, und das Provisorium wird dann zurückgebaut. Vermutlich wird das erst nach dem Winter geschehen. Wenn die Träger schon mal auf dem Dachboden sind, könnten sie vielleicht noch über dem Altarraum zum Einsatz kommen und über dem Triumphbogen.

Auch dort haben sich Balken teils aus den Schuhen gelöst und scheinen frei zu schweben. Von diesen Balken über der Decke muss man jetzt Lücke schaffen, dann eine hölzerne Plattform zimmern, um vier Meter tiefer an die eingerissene Decke zu kommen. Das gehört zu den Vorarbeiten, die für Statiker Schmitz nötig sind, um händisch, also sozusagen hautnah, an die problematischen Bauteile heranzukommen.

Auch im Innern der Kirche müssen dazu Gerüste gestellt werden. In einer ersten Bestandsaufnahme hatte der Experte vermutet, dass die massiven Verschiebungen womöglich auf höhere Gewalt also beispielsweise Auswirkungen von Bombentreffern, zurückzuführen sind. Ein Problem auf dem Dachboden war auch der massive Eintrag von Taubenkot. Teils lagen die Exkremente einen halben Meter hoch. Das verhinderte das Austrocknen.

Das gesamte Kirchendach wird im Zuge der Renovierung natürlich auch inspiziert und wo nötig abgedichtet. Man versuche bei allem so wenig wie möglich zu zerstören, sondern zu reparieren, betont der Zimmerer. Balken werden so „scheibchenweise“ abgesägt, um kein gesundes Holz zu verschwenden. „Rechts ist das Geländer, links ist Gottvertrauen“, scherzt Schwaighofer, als die kleine Besuchergruppe um die Architekten Klaus Käthler und dessen Tochter Karin Käthler-Kober sowie Orgelvereins-Schatzmeisterin Christa Endres die beiden schmalen Dielen vom Turm zum Kirchendach überquert. Ein bisschen Hoffnung muss man schon haben, damit es nicht tatsächlich „Peanuts“ sind, also die berühmten „Erdnüsse“ oder im Finanzjargon anders ausgedrückt „kleine Fische“. Denn bei großen Renovierungen könnte die Kirchengemeinde mit ihren 2500 Kirner Katholiken ganz schön in Schieflage geraten. Schon jetzt hat man an einem 130.000-Euro-Darlehen zu knabbern. Selbst wenn das Bistum bei notwendigen Arbeiten 60 Prozent bezuschusst, könnten die 40 Prozent leicht noch einmal sechsstellige Summen erreichen.

Unberührt ist übrigens davon die Schatztruhe des Orgelbauvereins. 175.000 Euro sind gespart und werden für die Orgel auch aufgewendet. Die Bad Kreuznacher Orgelbaufirma hat den Spieltisch demontiert und mit der Renovierung begonnen.

Wenn alles gut geht, könnten die Renovierungsarbeiten rund um die Orgel, verbunden mit Maler- und Verputzerarbeiten, sowie Zimmerer- und Dacharbeiten in einem großen Aufwasch abgeschlossen werden. Dann ging's nach Richtung Altarraum. Wenn dort in großem Stil renoviert und das Dach gehoben werden muss, sollte die Orgel fein säuberlich verpackt sein, denn Staub ist Gift für das edle Instrument.

Zunächst aber muss der Statiker noch mal ran. Vor Mitte November dürfte kaum ein belastbarer Bericht vorliegen, was im Klartext heißt: Die Weihnachtsgeschichte müssen sich Kirner wohl in diesem Jahr in Kirn-Sulzbach anhören. Die Kirner Kirche dürfte vorerst also gesperrt bleiben.

Von unserem Redakteur Armin Seibert

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