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Bad Kreuznach

Freie Rede vor der CDU-Basis: Beigeordneten-Kandidat Markus Schlosser punktet

Andreas Henschel spitzte die Ohren: Beim Neujahrempfang der rund 450 Mitglieder starken Stadt-CDU am Samstag im Fürstenhof hörte der Sozialdemokrat – flankiert von Mitgenosse Günter Meurer – ganz genau hin, was sein Kontrahent ums städtische Beigeordnetenamt, Markus Schlosser, zu sagen hatte.

Kurz-Präsentation des Beigeordneten-Kandidaten: Kreiskämmerer Markus Schlosser (48) stellte sich beim Neujahrsempfang der Stadt-CDU im Fürstenhof der Parteibasis vor. Unter den Zuhörern auch Andreas Henschel (Sitzreihe entlang der Fenster, 5. von rechts), sein Kontrahent von der SPD.  Fotos: Stefan Munzlinger
Kurz-Präsentation des Beigeordneten-Kandidaten: Kreiskämmerer Markus Schlosser (48) stellte sich beim Neujahrsempfang der Stadt-CDU im Fürstenhof der Parteibasis vor. Unter den Zuhörern auch Andreas Henschel (Sitzreihe entlang der Fenster, 5. von rechts), sein Kontrahent von der SPD. Fotos: Stefan Munzlinger
Foto: Stefan Munzlinge

Der Christdemokrat machte es vor 120 Zuhörern, darunter auch Grüne und FDP, kurz und bündig. Er suche das Gespräch mit den Fraktionen, setze auf Gemeinsamkeiten und wisse, dass es für alle Bewerber keine einfache Situation sei. Er schloss seine fünfminütige Präsentation locker lächelnd mit einem selbstbewussten „Ich bin gut drauf.“ Danach freute er, der passionierte Jogger, sich über die Laufschuhe, die ihm Werner Klopfer überreichte. Die roten Boxhandschuhe für Angriff und Abwehr politischer Attacken der Gegenseite dagegen lehnte Schlosser freundlich, aber bestimmt ab: „Wir schlagen uns doch nicht.“

Auf Nachfrage des „Oeffentlichen“ nannte Schlosser einige seiner Schwerpunkte: bezahlbarer Baugrund und Wohnraum für Familien, Lückenschluss durch Leerstandsbeseitigung, Investitionsförderung für die Neustadt, gut getakteter ÖPNV in den Rhein-Main-Raum, verbessertes Radwegenetz auch in die Stadtteile und eine effizientere touristische Vermarktung der gesamten Naheregion. Das dürfte schwierig werden, sollte sich die Bad Kreuznacher GuT tatsächlich aus der Naheland-Touristik verabschieden und rasch in eine stärkere Kooperation mit Bingen einsteigen.

Erika Breckheimer, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, begrüßte die vornehmlich mittelalte bis ältere Mitgliedschaft, aber auch Dirk Alsentzer von Pro City und Andreas Schnorrenberger von „Meine Stadt Bad Kreuznach“ und bat Landrätin Bettina Dickes ums Wort. Es falle ihr nicht leicht, Markus Schlosser – im Falle seine Wahl – abzugeben. Zu gut sei die Zusammenarbeit mit ihrem Kämmerer. Sie erinnerte an den Moment, als sie und er, sich beide um die Landratskandidatur bewerbend, vor der Tür der CDU-Entscheider saßen und sich auch in dieser konkurrierenden Situation empathisch ausgetauscht hätten. Ein sie verbindendes Element habe sie aus seiner Präsentation herausgehört: „Markus brennt für seine Heimat – wie ich.“ Und noch einer brennt – für seine Themen: Werner Klopfer, Chef der 15-köpfigen Stadtratsfraktion („Vor zwei Jahren waren es noch 13, schon das ein Erfolg.“) Noch 15 Monate bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2019. Zeit für Klopfer, einige Themen zu streifen, neben den Schulinvestitionen, der Sauberkeit in der Stadt und Gewerbeflächen:

Haushalt: Erstmals ausgeglichen (auch ein Verdienst von Kämmerer Wolfgang Heinrich, CDU, den Klopfer nur kurz erwähnte und der auch an diesem Empfang nicht teilnahm)! Bad Kreuznach habe einen Lauf, stehe gut da. Neben Sozialem sind es vor allem die 37 Millionen Euro für die Personalkosten, die drückten. 1000 Menschen arbeiten für die Stadtverwaltung, ferner 500 in den Tochter-GmbHs. Auf diese Zahlen will Klopfer ein Auge haben. Eine Welle wie 2015/16, als 50 neue Leute auch wegen der neuen Kindertagesstätten eingestellt wurden, könne, dürfe es nicht mehr geben.

Einwohnerzahl: Steigt! Derzeit bei 51.000. „Einige träumen von 60.000.“ Zwar habe die Stadt binnen eines Jahres 85 Deutsche verloren, aber 1000 Neubürger ohne deutschen Pass hinzugewonnen. Ja, Bad Kreuznach sei aus Army-Zeiten Fremde gewöhnt, aber mancher Senior erschrecke schon, wenn er heutzutage durch die Stadt gehe. Klopfer: „Es ist schön bei uns, aber wir müssen die Problemgebiete in der Hand behalten.“

Wirtschaft: Boomt! Gewerbesteuer fließe in hohem Maße; wenn es dabei bleibe, müsse man an eine Senkung von Gewerbe- und Grundsteuer denken, riet Klopfer. Täglich pendelten 18.000 Arbeitnehmer nach Bad Kreuznach. Man müsse ein gutes Verhältnis zu den Landgemeinden und die, wie Markus Lüttger (VG Rüdesheim) sage, „kommunale Familie“ pflegen: „Die geben ihr Geld bei uns aus, und wir verkaufen ihnen unseren Strom“, nannte Klopfer einen Aspekt der Wirtschaftsbeziehung.

Stadt-Kreis-Synergien: Ob bei Jugend-/Sozialamt oder den Kfz-Zulassungsstellen. Klopfer wünscht sich Geld sparende Synergien statt unnötige Doppelstrukturen. Sein Appell: „Weiter ausloten.“

Stadtrat: Auch wenn es Kontroversen mit OB Heike Kaster-Meurer (SPD) gebe: Sie habe einen knallharten Job „und schleppt das Geld aus Mainz an“, anerkannte Klopfer. Für die Kommunalwahl 2019 wünscht er sich, dass aus sieben Gruppen im 44-köpfigen Rat nur noch drei oder vier werden. „Das vereinfacht die Kooperation.“ Der Großen Koalition weint der Fraktionschef keine Träne nach: „Jetzt müssen wir unsere Mehrheiten suchen, genau wie die SPD.“

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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