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Bad Kreuznach

Ermunterte der Therapeut zu Sexkontakten?

In dem Verfahren gegen einen 44 Jahre alten Mann aus dem Kreisgebiet, dem vorgeworfen wird, 2005 einen damals etwa 10 bis 13-jährigen Jungen bei einer Urlaubsreise in Thailand sexuell missbraucht zu haben, hat die Staatsanwaltschaft am zweiten Verhandlungstag die Ladung des thailändischen Zeugen beantragt. Der 44-Jährige gibt an, dass ihn ein Frankfurter Psychologe zu dieser Reise als Therapie für seine pädophilen Neigungen überredet und ihn vor Ort zu sexuellen Kontakten mit Jungen ermuntert haben soll.

Der Prozess läuft zur Zeit am Bad Kreuznacher Landgericht und sorgt für Aufsehen.
Der Prozess läuft zur Zeit am Bad Kreuznacher Landgericht und sorgt für Aufsehen.

Das Verfahren wurde im ersten Anlauf von Mai bis September 2017 vor dem Amtsgericht geführt. Schon damals hatte das Gericht den jungen Mann aus Thailand als Zeuge geladen, er ist inzwischen etwa Anfang bis Mitte 20. Die genaue Feststellung des Lebensalters konnte nicht erfolgen, da der Zeuge nicht in seiner Familie, sondern im Heim groß wurde und das Geburtsdatum nicht amtlich erfasst ist. Die thailändische Verwaltung hatte das damalige Heimkind untersuchen und eine Altersbestimmung durchführen lassen. Laut dem sogenannten Haushaltsbuch, einem thailändischen Meldedokument, wurde sein Geburtsjahr mit 1993 angegeben. Dem Angeklagten soll der Junge bei dessen ersten Urlaubsaufenthalt in Pattaya 2005 von einem Zuhälter als Zehnjähriger vorgestellt worden sein.

Er muss sich außerdem wegen Besitz von kinderpornografischen Fotos und Videos verantworten. So hat er eine Missbrauchshandlung an dem Jungen auf seinem Hotelzimmer gefilmt. Außerdem wurden bei einer Durchsuchung seiner Wohnung erhebliche Mengen kinderpornografischer Darstellungen sichergestellt. Die Ermittler hatten dabei belastendes Material gefunden, das zum Teil bis in die 1990er-Jahre zurückreicht.

Über 4000 kinderpornografische Dateien, fast ausschließlich mit männlichen Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren, fanden sich in seinem Besitz. Der Angeklagte hat auch pädophile Neigungen eingeräumt und nimmt deshalb seit geraumer Zeit an einer Therapie teil. Nach seinen Angaben hat er durch die Behandlung gelernt, Abstand zu Kindern zu halten und seine Triebe zu beherrschen. Andererseits unterhält er seit einigen Jahren eine Fernbeziehung zu einer Frau in Thailand, die einen etwa 10 Jahre alten Jungen hat. Auf Videos sei der 44-Jährige immer mit dem Kind an der Hand zu sehen und die Frau folge in einigem Abstand, erklärte eine Zeugin von der Kriminalpolizei. Im November 2013 betätigte sich der Angeklagte ehrenamtlich bei einem Projekt der Caritas Bingen als Familienpate. Er hatte einen Einsatz in der Familie eines alleinerziehenden Vaters mit vier Kindern und beschwerte sich anschließend darüber, dass er zu keinem Zeitpunkt mit dem Sohn allein sein durfte.

Der Fall sei in seiner Intensität herausragend, so die Beamtin, die auch Kontaktversuche des Angeklagten zu mehreren Jungen in Deutschland ermittelt hat. Staatsanwältin Christine Mossem beantragte weiterhin die Beauftragung eines Gutachtens zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten. Für das Verfahren wurden zwei weitere Termine am 13. Februar und am 7. März festgelegt.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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