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Bad Kreuznach

Auch wenn viele der D-Mark nachtrauern: "Der Euro bleibt", sagt Professor Norbert Walter beim Wirtschaftsforum in Bad Kreuznach

„Der Euro bleibt. Stellen Sie sich darauf ein. Und er wird neue Mitglieder bekommen.“ Mit dieser Kernthese zog der Wirtschaftsprofessor Norbert Walter seinen Schlussstrich unter die Diskussion, ob die D-Mark nicht doch wieder eingeführt werden könne.

Bad Kreuznach – „Der Euro bleibt. Stellen Sie sich darauf ein. Und er wird neue Mitglieder bekommen.“ Mit dieser Kernthese zog der Wirtschaftsprofessor Norbert Walter seinen Schlussstrich unter die Diskussion, ob die D-Mark nicht doch wieder eingeführt werden könne.


Der Ökonom sprach auf Einladung der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz beim Wirtschaftsforum im großen Saal des Bad Kreuznacher Kurhauses. Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank plauderte auch aus dem Nähkästchen, wie es einst zur Einführung des Euro kam. Es sei eine „politische Kopfgeburt“, wesentlich initiiert von Staatschef Francois Mitterrand und Kanzler Helmut Kohl, gewesen. Er selbst, so Walter weiter, habe damals bei der ökonomischen Elite zusammen mit dem „schwarzen Riesen“ für den Euro geworben. Aus der Negativerfahrung von zwei Währungsreformen heraus hätten die Deutschen ein besonderes Verhältnis zu Geld.
Lange hätte man sich daher auch mit der D-Mark identifiziert. Walter ließ keinen Zweifel daran, dass der Euro Bestand haben wird. Demnächst kämen neue Länder wie Polen, die baltischen Staaten und auch Russland hinzu. Außerdem gewinne der Euro als Parallelwährung in Ländern an Bedeutung, die den Euro nicht eingeführt haben wie England und Dänemark. Auf den Beitritt Englands könne man noch viele Jahrzehnte warten, denn in den englischen Schulbüchern spiele immer noch der Commonwealth, nicht aber Europa die dominante Rolle. Der Euro bleibe neben dem Dollar die zweitwichtigste Weltwährung. Anleihen würden schon jetzt zu 50 Prozent in Euro angeboten. Lediglich im Aktiengeschäft sei der Dollar noch dominant. Wesentliche Währungsreserven würden ebenfalls noch in Dollar angelegt: China 2,5 Billionen, Japan 1,0 Billionen, Golfstaaten 1,5 Billionen.
Dank gut verfasster Europäischen Zentralbank, so Walter, werde der Euro-Raum stabil bleiben. Die Inflationsrate seit 2000 lag im Schnitt bei 1,9 Prozent europaweit und bei nur 1,5 Prozent in der Bundesrepublik. Es gebe keine Anzeichen für eine beschleunigende Inflation, beruhigte Walter. Aufgrund schwacher Wachstumspotenziale müssten Irland, Spanien, Italien und Osteuropa Kostendisziplin zeigen und für Produktionssteigerungen sorgen.
Die Griechen nahm Walter in Schutz. Sie hätten Reformbereitschaft signalisiert. Sie dürfe man nicht mit hohen Zinsen auf die Staatsschulden „belohnen“. Als Vergleich nannte Walter Japan mit einer Schuldenquote von 230 Prozent und die USA mit bald 100 Prozent. Norbert Walters Fazit: „Der Euro wird für den Dollar das werden, was der Airbus für Boeing war.“ (mge)

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