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Schweppenhausen

Nachwuchs im Wingert: Thorben Bosse macht Biowein aus den Steillagen des Steyerbergs

Christine Jäckel

Der Steyerberg bei Schweppenhausen hat eine weit zurückreichende Weinbaugeschichte. Der Aussiedlerhof Steyert des Weingutes Fuchs-Jacobus ist dagegen eine Jungpflanze. Dass passt gut zur aktuellen Generationenfolge in dem Betrieb, der nach den Grundsätzen des biologisch-dynamischen Weinbaus betrieben wird. Das Winzerehepaar Marlene und Wilfried Jacobus hat mit Thorben Bosse (27) einen Betriebsnachfolger gefunden. Der junge Mann, der aus dem Harz stammt, hat an der Hochschule Geisenheim 2015 den Studiengang Weinbau und Oenologie mit dem Bachelor abgeschlossen.

Vom Harz an die Nahe – Thorben Bosse hat im Weingut Fuchs-Jacobus auf dem Steyerberg bei Schweppenhausen den idealen Ort gefunden, um seine Vorstellungen vom biodynamischen Weinbau in der Steillage zu verwirklichen.  Foto: Weingut Fuchs-Jacobus
Vom Harz an die Nahe – Thorben Bosse hat im Weingut Fuchs-Jacobus auf dem Steyerberg bei Schweppenhausen den idealen Ort gefunden, um seine Vorstellungen vom biodynamischen Weinbau in der Steillage zu verwirklichen.
Foto: Weingut Fuchs-Jacobus

Seit Januar 2017 arbeitet er in dem Betrieb in Schweppenhausen, inzwischen hat er seinen ersten Weinjahrgang ausgebaut und aus dem Stand dafür beim Internationalen Bioweinpreis abgeräumt. Von elf angestellten Weinen wurden elf prämiert, davon eine Auszeichnung „Großes Gold.“ Thorben Bosse ist zwar nicht mit dem Wein groß geworden, aber in einer Familie mit lange zurückreichender landwirtschaftlicher Tradition. Seine Eltern führen einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb und auch für seine Berufswahl kam nur etwas in Frage, was mit Natur zu tun hat. „Der Weinbau ist ideal, ich möchte als Selbstständiger arbeiten und die Winzer gehören zu den letzten Branchen, die noch alles selber machen“, nennt Bosse die Punkte, die für ihn ausschlaggebend waren. Während seines Studiums hat er am Bodensee und an der Saar praktische Erfahrungen gesammelt und zum Abschluss auf dem fünften Kontinent. Von Australien aus bewarb er sich um die Stelle in Schweppenhausen im Weingut Fuchs-Jacobus und war gleich beim Vorstellungsgespräch vom Hof Steyert angetan. Der Großteil der Reben wächst am Steilhang mit einer Neigung von 33 bis 45 Grad. „Ich habe schon im Studium mit der Steillage geliebäugelt, da steckt Potenzial drin“, unterstreicht Bosse, der Herausforderungen nicht scheut.

SERIE Nachwuchs im Wingert

Dass Marlene und Wilfried Jacobus ihre Rebstöcke biologisch-dynamisch bewirtschaften, war eine weitere Übereinstimmung, die ihn an die Nahe lockte. Der Steyerberg, der zudem die optimale Kombination von Steillage und Grünschieferboden aufweist, wäre ohne die unternehmerische Initiative des Ehepaars Jacobus zur Brache geworden. 1979 entschlossen sie sich zu dem Schritt einer Zusammenlegung von Weinbergsflächen aus drei Gemarkungen, aus der ihr Betriebsgelände am Steyerberg in seiner heutigen Ausdehnung entstand. Seinen Namen hat er von einer wüst gefallenen Siedlung, dem Dorf Steyert, das sich früher hier befand. Der Flurname Steyerkirch erinnert daran. Von dem 1331 urkundlich erwähnten Ort ist ein Gerichtssiegel überliefert, dessen Zentrum eine Weintraube beherrscht. Zur Betriebsfläche gehören 15 Hektar mit Reben bestockte Fläche und weitere 15 Hektar Streuobstwiesen und andere Brachflächen, die mit ihrer Artenvielfalt für ökologisches Gleichgewicht sorgen. In der Tallage ist zudem ein Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Der relativ kühle Standort der Reben an den Hängen ist ein klarer Vorteil, der eine lange Reifephase ermöglicht. Eine weitere Besonderheit ist die Umkehrerziehung der Reben.

„Das funktioniert gut, weil wir wenig Niederschlag und eher karge Böden haben“, erklärt Winzer Bosse. Aktuell ist allerdings unklar, ob der übliche Erntetermin für den Riesling Mitte Oktober auch für den Jahrgang 2018 zu halten ist.Steillage bedeutet aufwendiges Arbeiten von Hand, so werden der Rebschnitt, Laubarbeiten und die Ernte im Steyerberg erledigt. Aber auch wenn man differenziert arbeitet, ist Effektivität gefragt. Familie Jacobus setzte schon einen italienischen Spezialschlepper ein, mit dem die Steilhänge im Direktzug gefahren werden können. Zu 65 Prozent werden weiße Rebsorten wie Riesling und Weißer sowie Grauer Burgunder, Cabernet blanc und Gewürztraminer angebaut. Regent, Pinot Noir, Spät- und Frühburgunder gehören zum Rotweinsortiment. Der Betrieb arbeitet nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes.

Das Ehepaar Jacobus wird auch weiterhin mit im Betrieb arbeiten, das ist Bestandteil der vertraglichen Regelung zur noch anstehenden Übergabe. Thorben Bosses Ehefrau Alice ist hauptberuflich in einem Pharmaunternehmen tätig und packt in ihrer Freizeit mit an. Außerdem könnte sich der junge Winzer vorstellen, dass man die Rebflächen am Steyerberg auch zusammen mit einer zweiten Winzerfamilie bewirtschaftet.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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