40.000
Aus unserem Archiv
Fachbach/Dausenau

Tempo 50 für den Schutz der Menschen: Ortschef kämpft seit Jahrzehnten für Geschwindigkeitsreduzierung

Da kann einem Ortschef schon mal der Kragen platzen: Seit gut und gerne 20 Jahren kämpft Dieter Görg, Ortsbürgermeister von Fachbach, um eine Reduzierung des Tempos auf der B 260 in Höhe des Fachbacher Ortsteils Oberau auf 50 km/h. „Dafür habe ich mich schon eingesetzt, als ich noch kein Bürgermeister, sondern nur Ratsmitglied war“, erinnert er sich.

Tempo 70 auf der B 260 in Höhe des Fachbacher Ortsteils Auf der Oberau: Seit Jahrzehnten kämpfen Ortsgemeinde und Anwohner für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h. Neben einer Verringerung des Lärms erhoffen sich die Fachbacher eine Entschärfung an der Ausfahrt und eine sicherere Straßenquerung für Fußgänger.  Foto: Michaela Cetto
Tempo 70 auf der B 260 in Höhe des Fachbacher Ortsteils Auf der Oberau: Seit Jahrzehnten kämpfen Ortsgemeinde und Anwohner für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h. Neben einer Verringerung des Lärms erhoffen sich die Fachbacher eine Entschärfung an der Ausfahrt und eine sicherere Straßenquerung für Fußgänger.
Foto: Michaela Cetto

Täglich kreuzen dort Anwohner die Straße, um auf den Lahntal Rad- und Wanderweg zu gelangen. Vor allem Kinder schieben ihre Fahrräder morgens und nachmittags über die B 260, weil sie über den Radweg nach Fachbach beziehungsweise nach Bad Ems zur Schule fahren. Doch alle Bemühung der Ortsgemeinde sind bislang vergeblich. Begründung des Landesbetriebes Mobilität: Für Autofahrer auf der B 260 sei es nicht ersichtlich, zitiert Görg, warum sie auf diesem Streckenabschnitt plötzlich 50 km/h fahren sollen. Nach wie vor liegt das Tempolimit also bei strammen 70. Gleiche Straße, rund 15 Kilometer weiter südlich, verweigert die gleiche Behörde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h aufzuheben, weil zwischen Dausenau und Nassau Leitplanken fehlen.

Auslöser ist das Veto der unteren Landespflegebehörde. Die befürchtet, dass durch das Rammen der 170 Pfosten in den Boden die Wurzeln der dort stehenden Bäume beschädigt werden. Die Allee mit 28 Bäumen ist nämlich offiziell als Naturdenkmal ausgewiesen. Weil die untere Landespflege die Maßnahme deswegen untersagt, bleibt das Tempolimit von 50 km/h bestehen. Wenn LBM und die Landespflege sich nicht einigen, bleibt das auch dauerhaft so.

Für Dieter Görg stellt sich dabei die naheliegende Frage: „Wie soll bitteschön der von dieser Posse unwissende Verkehrsteilnehmer erkennen, warum er auf der Teilstrecke zwischen Dausenau und Nassau 50 fahren muss?“ Seine Empfehlung: ein Schild mit durchgestrichener Leitplanke und darunter eine beschädigte Wurzel.

Klar, die Temporeduzierung soll die Unfallgefahr einschränken, denn gerade in einer Allee ist das Risiko, gegen einen Baum prallen, wenn man von der Fahrbahn abkommt, hoch. In Bezug auf die Begründung von Tempo 70 an der Oberau aber lässt das für Görg nur „die Schlussfolgerung zu, dass es für einen Kraftfahrer nicht so gefährlich ist, mit einem Menschen zu kollidieren“. Unverständlich für den Ortschef ist ebenso, warum auf der B 261 entlang des Golfhotels auf der Denzerheide schon seit vielen Jahren Tempo 50 angeordnet ist. „Hier vermute ich, dass eine Artverwandtschaft zwischen Golfern und Amphibien besteht. Für diese Spezies wird auch alles getan, dass sie gefahrlos eine Straße queren können“, kommentiert Görg mit gewohnt spitzer Zunge.

Auch wenn der vorangegangene Vergleich ein bisschen garstig ist: Die Prioritäten hängen für den Ortschef gewaltig schief. „Wird irgendwo eine Eidechse entdeckt (wie kürzlich bei uns geschehen), bekommt der Grundstückseigentümer von der Landespflegebehörde unverzüglich die Aufforderung, alles zu unterlassen, was dieses Tier in seinem Lebensraum beeinträchtigen könnte“, moniert Görg. „Wer schützt den Lebensraum von Menschen, die an stark befahrenen Straßen wohnen? Diese haben keinen solch starken Partner und staatlich bezahlten Fürsprecher wie der Alleebaum, die Kröte und die Eidechse.“

Tatsache ist: Am Ortsteil Oberau kommt es fast täglich zu brenzligen Szenen, zahlreiche Unfälle mit teils hohem Sachschaden und Verletzten sind dort in den vergangenen Jahren immer wieder passiert. Denn abgesehen von der Gefahr für Fußgänger beim Überqueren der Straße, birgt allein schon die Ausfahrt aus dem Ortsteil bei Tempo 70 auf der Bundesstraße ein Risiko. „Wie wäre es, hierfür eine untere und obere Menschenschutzbehörde zu schaffen? Dann wäre das Gleichgewicht zwischen Naturschutz, dem Recht auf fließenden Verkehr und den Menschen, die in und mit diesem Umfeld leben müssen, wieder hergestellt“, findet Görg. In Zukunft werden übrigens noch mehr Menschen von dem Missstand betroffen sein, denn Fachbach erstellt derzeit ein neues Baugebiet in dem Ortsteil Oberau. Klare Sache, dass der Ortschef die Mission Tempo 50 noch nicht ad acta gelegt hat. Michaela Cetto

Bad Ems Lahnstein
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
Anzeige
Regionalwetter
Samstag

0°C - 10°C
Sonntag

2°C - 8°C
Montag

0°C - 7°C
Dienstag

0°C - 6°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
epaper-startseite