40.000
Aus unserem Archiv
Limburg/Rom

Rom zieht Schlussstrich unter "Causa Limburg": Kein Verfahren gegen Tebartz-van Elst

Franz-Peter Tebartz-van Elst muss für die enormen Mehrkosten beim Bau des 31 Millionen Euro teuren Bischofssitzes keine finanzielle Wiedergutmachung leisten. Der Vatikan hat Schadenersatzforderungen des Bistums Limburg zurückgewiesen.

Franz-Peter Tebartz-van-Elst
Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keine Wiedergutmachung zahlen.
Foto: Uwe Anspach/Archiv – dpa

Von unserem Redakteur Hans Georg Egenolf

Es wird kein kirchenrechtliches Verfahren geben, in dem das Bistum seine Ansprüche gegen den emeritierten Bischof hätte geltend machen können. Das hat Weihbischof Manfred Grothe nach Gesprächen mitgeteilt, die er am Wochenende in Begleitung seines Stellvertreters, Domkapitular Wolfgang Rösch, mit Vertretern des Vatikans in Rom geführt hatte.

Die edlen Gemächer des Franz-Peter Tebartz-van Elst auf dem Domberg – mit Koi-Karpfenteich, edler Kunst und Privatkapelle – haben das Bistum jede Menge Geld, aber noch mehr Ansehen gekostet. Während der öffentliche Druck den Bischof zum Rücktritt drängte und ihn im März 2014 das Amt kostete, hat der Skandal für ihn finanziell keine Folgen. Auch die Staatsanwaltschaft, bei der diverse Anzeigen eingegangen waren, hatte schon zuvor keinen Ansatz für ein Ermittlungsverfahren gesehen und auf das Kirchenrecht verwiesen.

Doch auch dieses greift nicht oder wird zumindest nicht angewandt: Die Kongregation für die Bischöfe hält im Einvernehmen mit dem Staatssekretariat des Vatikans die Prüfung von Schadenersatzleistungen sowie die Eröffnung eines entsprechenden kanonischen Verfahrens für nicht angebracht, heißt es in einer Pressemitteilung, die das Bistum Limburg am Mittwoch veröffentlichte.

Diese Entscheidung hatte der Präfekt der Bischofskongregation, Marc Kardinal Ouellet, dem Apostolischen Administrator für das Bistum Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, zuvor in einem persönlichen Treffen in Rom mitgeteilt. „Der Heilige Stuhl hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Fragen rund um den Bau des Bischofshauses in Limburg befasst. Nun ist die Entscheidung getroffen worden, die auch Klarheit über das weitere Vorgehen der Aufarbeitung gibt“, resümierte der Apostolische Administrator.

Die Diözese war auf der Grundlage ihrer Finanzberichte von einem Schaden in Millionenhöhe ausgegangen, der durch überflüssige Arbeiten und überteuerte Rechnungen entstanden war. Dafür machte das Bistum vor allem seinem ehemaligen Bischof verantwortlich. Es stand eine Summe von mindestens 3,9 Millionen Euro im Raum, die beim Bau des Bischofssitzes außerplanmäßig abgeschrieben werden musste. Seit April war Grothe deshalb mehrfach in Rom vorstellig geworden und hatte eine kirchenrechtliche Aufarbeitung und damit Schadenersatz gefordert.

„Ich bin von der Entscheidung der Bischofskongregation, kein Verfahren zu eröffnen, sehr enttäuscht. Es zeigt, dass wir auf der Ebene der Bistümer leider keine funktionierende Verwaltungsgerichtsbarkeit haben, sondern Entscheidungen nur weit weg in Rom getroffen werden können“, sagt der Diezer Pfarrer Uwe Michler. Mit dieser Entscheidung sei das Prinzip, dass der Verursacher für den verursachten Schaden aufkommen müsse, zumindest in diesem Fall außer Kraft gesetzt. Das sei beispielsweise auch sehr ärgerlich vor dem Hintergrund, dass ehrenamtliche Verwaltungsratsmitglieder mit ihrem Privatvermögen haften, wenn sie ihre Pflichten „aus Nachlässigkeit oder bewusster Missachtung, besonders aber bei vorsätzlichem Fehlverhalten“ verletzen. Michler hofft, „dass unsere Kirche in den nächsten Jahren ihre Rechtskultur und Kontrollfunktionen an allgemeine Standards anpasst“.

Auch Pfarrer Heinz-Walter Barthenheier (Montabaur) bewertet die Entscheidung kritisch: „Da die Entscheidung nicht in Limburg, sondern in Rom getroffen wurde, habe ich nichts anderes erwartet“, sagte der Westerwälder Bezirksdekan.

Die Beratungen und Begegnungen insgesamt bewertet Grothe als konstruktiv und zielführend. „Das gemeinsame Ziel des Heiligen Stuhls und der Bistumsleitung ist es, den Weg so weiterzugehen, dass einem neuen Bischof ein guter und möglichst unbelasteter Start in sein Amt ermöglicht wird“, erklärte Grothe. Dies erfordere eine transparente und verlässliche Weiterarbeit sowie ausreichend Zeit. Deshalb stehe zurzeit noch nicht fest, wann die Diözese einen neuen Bischof bekomme. „Ich hoffe und wir arbeiten darauf hin, dass bis zum Sommer 2016 ein Bischof für Limburg vom Domkapitel gewählt und vom Heiligen Vater ernannt worden ist“, so der Apostolische Administrator.

Bad Ems Lahnstein
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
Anzeige
Regionalwetter
Dienstag

16°C - 26°C
Mittwoch

16°C - 25°C
Donnerstag

16°C - 25°C
Freitag

16°C - 27°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
epaper-startseite
  • Meist gelesen im Rhein-Lahn-Kreis
Anzeige