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    NassauFriseur fürchtet um Geschäft: Bauarbeiten setzen Obertal teils unter Wasser

    René Klein denkt mit Schrecken an den See, der sich bei den jüngsten Unwettern vor seinem Friseursalon im Nassauer Obertal gebildet hat. Kleins Laden befindet sich am tiefsten Punkt der Straße. Vier Mal seit Ende Juni hat sich nach starkem Regen etwa 20 Zentimeter hoch das Wasser dort gesammelt, erzählt der Geschäftsmann.

    Starkregen lässt derzeit einen See vor dem Friseursalon von René Klein im Nassauer Obertal entstehen. Schuld daran sind Sanierungsarbeiten am Kanal.  Foto: Sarah Weinand
    Starkregen lässt derzeit einen See vor dem Friseursalon von René Klein im Nassauer Obertal entstehen. Schuld daran sind Sanierungsarbeiten am Kanal.
    Foto: Sarah Weinand

    „2011 hatten wir hier das erste Hochwasser, wobei ich etliche Waren verloren habe“, sagt Klein und fügt hinzu: „Im Wert von ein paar Tausend Euro.“ Seitdem schützt der Friseur seinen Salon mit Blechen, die er vor die Eingangstüren schiebt, um etwaige Wassermassen zurückzuhalten. Doch er fürchtet eine erneute Überschwemmung in seinem Geschäft. „Jetzt vor drei Wochen ging das los mit Höhen, die von den Blechen kaum noch zu halten sind“, erklärt Klein.

    Am 23. Juni hatte er Wasser im Salon. Eine Überschwemmung war es nicht, so Klein. Aber der Gehsteig sei überflutet gewesen. Hätte er vergessen, seine Schutzbleche vor den Türen anzubringen, „wäre alles abgesoffen, da braucht man die Kunden nicht mehr zu bedienen“, betont Klein. Er hält diesen Zustand für geschäftsschädigend: Denn wer wolle schon über ein 30 Zentimeter hohes Blech steigen, um seinen Salon zu betreten, geschweige denn nassen Fußes dort ankommen, fragt der Friseursaloninhaber.

    Um die Anlieger über den Grund für die neuerlichen Sturzbäche durchs Obertal aufzuklären, hatte Verbandsgemeindebürgermeister Udo Rau am Donnerstagnachmittag zu einer Anliegerversammlung eingeladen. Schuld sei die Baustelle in der Straße: Seit November sind die Verbandsgemeindewerke dabei, die Kanal- und Wasserleitungen im Obertal zu erneuern.

    „Es tut mir sehr leid, dass wir den Anliegern mit der Baustelle solche Unannehmlichkeiten machen“, betonte Rau. „Das hatten wir so nicht erwartet.“ Die Straße sei in Sachen Kanalisation ein sehr kritischer Bereich. „Hier läuft aus allen Bereichen Nassaus Wasser zusammen“, erläuterte der VG-Bürgermeister. Beim einstigen Bau der Kanalisation habe noch niemand an die im Laufe der Zeit dazugekommenen Baugebiete gedacht. „Daher waren wir hier gefordert, einen deutlich größeren Kanal reinzulegen, als wir ihn bisher drin haben“, erläuterte der Bürgermeister.

    Der alte Kanal mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern weicht nun einem neuen mit 70 Zentimeter Durchmesser. Und genau hier liege jetzt noch das Problem, wie Rau gemeinsam mit VG-Werkeleiter Werner Ruckdeschel und Bernd Herold vom beauftragten Ingenieurbüro erläuterte: An der Übergangsphase von Alt nach Neu. Der neue 70-Zentimeter-Kanal werde bereits vom Eingang der Bachgasse bis zur Kreuzung mit der Amts- und der Kaltbachstraße genutzt. Auf der Strecke von dort bis zur Einmündung Windener Straße fließt das Abwasser derzeit noch durch den alten 60-Zentimeter-Kanal; der neue wird parallel dazu verlegt.

    Die Kreuzung mit der Amts- und Kaltbachstraße sei daher gerade der neuralgische Punkt: Denn hier wird Wasser über ein Rohr und eine Pumpe vom alten in den neuen, größeren Kanal geleitet. Und bei Starkregen wie in dieser oder der vergangenen Woche, „pumpen die Pumpen gar nicht so schnell, dass man das Wasser rüberbekommt“, erklärt VG-Bürgermeister Udo Rau. Auch das Abwasser des Kanals aus der Kaltbachstraße wird derzeit auf diese Weise in das neu verlegte Kanalrohr befördert. Wird das Pumpen-Provisorium den Wassermassen nicht mehr Herr, schießt an der Kreuzung eine Fontäne aus dem Gulli. Das Wasser läuft dann bergab, in die Senke vor René Kleins Friseursalon. Und nicht nur dahin, sondern auch weiter in die Bachgasse und die Schlossstraße, wie Anwohner bei der Versammlung am Donnerstag beklagten.

    „Der alte Kanal soll bis Mitte nächster Woche auf den neuen umgebunden sein“, erläuterte Bernd Herold vom Ingenieurbüro Leyendecker. Ein paar Tage später soll auch das Abwasserrohr aus der Kaltbachstraße angebunden werden – und die Wasserfontäne an der Kreuzung passé sein. Sind die Sanierungsarbeiten im Obertal Mitte September abgeschlossen, könne es bei so heftigem Regen wie jüngst „auch passieren, dass eventuell noch mal Wasser hier aus den Kanälen läuft“, sagt Werkeleiter Werner Ruckdeschel. „Aber nicht mehr diese Mengen.“

    Dass der Salon von René Klein 2011 bereits einmal geflutet worden ist, habe daran gelegen, dass an verschiedenen Stellen in der Stadt Wasser aus den Gullideckeln herausgedrückt habe und in der Mühlpforte noch ein kleinerer Kanal verlegt war als heute. René Klein ist indes noch nicht davon überzeugt, dass der neue 70-Zentimeter-Kanal sein Problem lösen wird. Da bleibt nur, was Bürgermeister Udo Rau zum Abschied an die Bürger richtet: „Das war jetzt die Theorie, jetzt wollen wir sehen, wie die Praxis läuft.“

    Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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