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Oberbachheim

Brand in Werkstatt: Jeder Kamerad zählt

Thorsten Stötzer

Eine Schreckensmeldung trifft nach der anderen ein: Zuerst ist durch Schweißarbeiten ein Feuer ausgebrochen in einer Werkstatt, in der verrauchten Halle werden drei Arbeiter vermisst. Dann brennen zusätzlich ein Radlader und abgestellte Gasflaschen, die Flammen drohen auf die Halle überzugreifen. Das sind schon viele Herausforderungen für eine Feuerwehrübung, aber längst nicht alle.

Bei der Spedition Heuser in Oberbachheim haben die Feuerwehreinheiten der VG Nastätten den Ernstfall geprobt: Bei der Übung wurde unter anderem ein Feuer in einer Werkstatt simuliert. In der verrauchten Halle wurden Arbeiter vermisst, die von den Einsatzkräften geborgen wurden.  Fotos: Thorsten Stötzer
Bei der Spedition Heuser in Oberbachheim haben die Feuerwehreinheiten der VG Nastätten den Ernstfall geprobt: Bei der Übung wurde unter anderem ein Feuer in einer Werkstatt simuliert. In der verrauchten Halle wurden Arbeiter vermisst, die von den Einsatzkräften geborgen wurden. Fotos: Thorsten Stötzer
Foto: Thorsten Stötze

„An einem Gefahrgut-Lkw läuft Flüssigkeit aus“, heißt die nächste Meldung. Die Lage wird also immer brisanter auf dem Gelände der Spedition Heuser in Oberbachheim. Das alles hat sich Stephan Allmeroth als stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde Nastätten ausgedacht. Nicht nur wegen des Szenarios ist die Übung außergewöhnlich, denn es sind gleich 32 Feuerwehreinheiten eingebunden.

Dass alle Wehren gemeinsam üben, gab es nach allgemeinem Wissensstand noch nie seit der Gründung der Verbandsgemeinde im Jahr 1972. Anberaumt wurde sie auch, weil die Wehrleitung bald wechselt und die alte Spitze, bestehend aus Stefan Wöll und Michael Schmidt, sich solch einen Tag gewünscht hatte kurz vor ihrem Abschied. Wöll hat nun in seinem Heimatort Oberbachheim die Einsatzleitung inne.

„Die Einsatztaktik steht im Vordergrund, und die verlangt uns einiges ab“, bekennt der Wehrleiter. Schläuche werden gekoppelt, um Löschwasser über lange Wegstrecken aus zwei verschiedenen Richtungen herzupumpen. Direkt daneben rüsten sich Atemschutz-Geräteträger für ihren Einsatz. Weitere Feuerwehrleute schleppen einen Lüfter sowie eine Schleifkorbtrage für die Personenrettung über den Platz. Rauch tritt unter den Sektionaltoren der Halle hervor, Atemschutzträger müssen auf Knien arbeiten. Wieder andere Kameraden stecken mittlerweile in futuristischen Chemikalien-Schutzanzügen, eine Station zur Dekontamination wird aufgebaut. Zusätzlich wird spontan ein Notfall mit einem Atemschutzträger angenommen, weshalb ein Notfalltrupp eingreift. Wer zu retten ist, befindet sich bald in Sicherheit.

Wehrleiter Stefan Wöll (Mitte) und sein Stellvertreter Michael Schmidt (links) bei der Lagebesprechung.
Wehrleiter Stefan Wöll (Mitte) und sein Stellvertreter Michael Schmidt (links) bei der Lagebesprechung.
Foto: Thorsten Stötze

Immer mehr Ortsnamen sind auf den Kollern zu lesen, die die Feuerwehrleute über den Schultern tragen. Als „33. Einheit“ sind übrigens Mitglieder der Feuerwehr aus Westhouse im Elsass vor Ort, die „Sapeurs-Pompiers“ pflegen eine Freundschaft mit den Brandschützern in Bogel. Außerdem beobachten einige Bürger vom gemähten Grünstreifen entlang der Straße aus, was bei der Spedition geschieht.

Rund 20 Fahrzeuge werden zusammengezogen bis hin zur Drehleiter aus Nastätten. Neben der Technik werden zahllose Hände gebraucht, und sei es, um Wasserkästen zu holen oder Klappbänke aufzustellen für erschöpfte Einsatzkräfte. Dazu wurde in Gemmerich ein Bereitstellungsraum eingerichtet.

32 Feuerwehreinheiten aus der Verbandsgemeinde Nastätten sowie befreundete Brandschützer aus dem Elsass haben an der Großübung am Wochenende in Oberbachheim teilgenommen. Einsatzort war das Gelände der Spedition Heuser.

In Oberbachheim lässt die Rettungshundestaffel Rhein-Lahn eine Drohne steigen über dem „Unglücksort“. Kommunikation und Koordination sind bei alledem sehr wichtig. Deshalb dokumentiert die Einsatzleitung auch alle Maßnahmen auf Flipcharts und ruft die Abschnittsleiter zu Besprechungen zusammen. Wenngleich das Fachliche dominiert, „zählt die Kameradschaft dazu“, sagt Wöll. Schließlich werden die Wehrleute zusammen ausgebildet, sind danach aber in aller Regel nicht verbandsgemeindeweit gemeinsam im Einsatz. Die große Übung dürfte deswegen für alle eine einmalige Erfahrung darstellen.

Konzentriert arbeiten die ehrenamtlichen Retter sämtliche Aufgaben ab. Trotz der 32 alarmierten und einbezogenen Wehren stellt sich am Ende jedoch heraus, dass die kalkulierte Zahl von 160 Feuerwehrleuten deutlich nicht erreicht wurde.

Es resultiert sich die Folgefrage: „Was wäre, wenn an einem Dienstagvormittag ein solches Unglück einträte?“, das Thema Tagesalarmbereitschaft bleibt aktuell. Für Stefan Wöll steht in seinem Fazit fest, dass in solchem Fall verstärkt auf die Katastrophenschutz-Komponenten des Rhein-Lahn-Kreises zurückgegriffen werden muss.

Von unserem Mitarbeiter Thorsten Stötzer

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