40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Analyse: Gemeinsamkeit statt Grabenkämpfe auf der Loreley gefragt
  • Aus unserem Archiv

    Analyse: Gemeinsamkeit statt Grabenkämpfe auf der Loreley gefragt

    Von Michael Stoll

    Nach dem Planerwettbewerb entscheidet sich nun die Zukunft der Loreley.
    Nach dem Planerwettbewerb entscheidet sich nun die Zukunft der Loreley.
    Foto: Andreas Jöckel

    Die Loreley ist wunderschön. Ich liebe diesen Flecken Erde. Und ihr Mythos, ihre Ausstrahlung hat ja nicht nur mich ergriffen ...

    Für Gäste aber, die mit hohen Erwartungen hierherkommen, wird die ganze Trostlosigkeit auf dem Loreley-Plateau auf wenigen Quadratmetern im Kiosk hinter dem Berghotel offenbar: Der Zauber des Mittelrheins, hier wird er als billiger Kitsch und Nippes verscherbelt. Mythen auf Tüten, T-Shirts und Massenware. Der Inbegriff deutscher Romantik als Ramsch.

    Wer's noch einmal sehen will, sollte sich beeilen. In Kürze soll im Kiosk auf ein hochwertigeres Angebot gesetzt werden. Ein weiteres, kleines Zeichen, dass sich auf dem Loreley-Plateau etwas bewegt. Der Mythos, die Sirenen, Circen, Feen und Nixen, schaffen es noch immer, Menschen anzulocken und zu verführen. Jüngstes Beispiel ist der internationale Ideenwettbewerb, dessen Ergebnisse zurzeit in Bornich ausgestellt werden. Wie Kreative heute das Märchen aus uralten Zeiten interpretieren, zeigen die Siegerentwürfe. Ein von Menschenhand geformter Kulturpark soll hier an der Felsspitze entstehen, nicht unähnlich der über Jahrhunderte hinweg geschaffenen Kulturlandschaft am gesamten Mittelrhein. Besucher erleben Überraschungen, inszenierte Natur, also ein Naturschauspiel, ein Rauschen, ein Echo, ergo einen zauberhaften Ort, der gefangen nimmt. So die Ideen und Visionen.

    Der Mythos Loreley, der noch immer ein Publikum aus aller Welt anlockt, entsprang der Dichtung und Musik. Also der Kunst. Nicht anders wie König Ludwigs Neuschwanstein, die Inkarnation des Märchenschlosses, zu einer Zeit entstand, als Märchen und Schlösser eigentlich längst der Vergangenheit angehörten. Es sind künstlerische, künstliche Welten, Gegenentwürfe zur seelenlosen Moderne, die das romantische Gefühl, das Sentiment, die Sehnsüchte vieler Menschen ansprechen - bis heute. So langlebig und stark der Mythos ist, so enttäuscht sind viele Besucher, wenn sie auf dem weltberühmten Felsen stehen. Ein toller Blick ins Rheintal - das war's. Kein weiteres Erlebnis, kein Ereignis, keine dramaturgische Inszenierung der Natur, kein Raum für Gefühle. Da kommen bei manchen Fluchtgedanken auf ...

    Hier setzt der Wettbewerb an. Die Dichtung der Brentanos und Heines, die Wirkungsgeschichte der Rheinromantiker, die Einzigartigkeit der pittoresken Natur in eine neue, zeitgemäße Inszenierung der Landschaft zu übersetzen. Dabei sanfte Reize schaffen. Empathie. Und zugleich entschleunigen. Die Seelen der Gäste baumeln lassen. Wir sprechen hier vom Außergewöhnlichen, vom Einmaligen, das Menschen nicht nur für den kurzen Blick anlockt, sie vielmehr zum Verweilen und Genießen einlädt - um dafür ganz profan auch zu zahlen. Ideen sind da, die Voraussetzungen günstig, denn das Areal steht bereit, und offenbar sind alle Beteiligten guten Mutes und echten Willens.

    Aber die Umsetzung wird Geld kosten. Viel Geld. Allen berechtigten Sparanstrengungen der öffentlichen Hand zum Trotz: Wer an dieser entscheidenden Stelle knapsen will, der lässt die Chancen für die gesamte Region sausen. Es wäre fatal, denn das Mittelrheintal braucht dringend wirtschaftliche Impulse, wie sie von einer runderneuerten Loreley ausstrahlen können, für den Tourismus und darüber hinaus. Es geht um Arbeit für die Menschen, Perspektiven für die Jungen, neue Möglichkeiten für Macher.

    Schon in den nächsten Monaten wird sich zeigen, was die Loreley und das Tal den Verantwortlichen wert sind. Egal, wer bei der Umsetzung der Plateau-Pläne den Hut aufhaben wird: Es wird ein Werkteam von Experten benötigt, das man sich - ähnlich wie bei der Bundesgartenschau in Koblenz - einkaufen kann. Ein attraktives Plateau braucht funktionstüchtige Zufahrten und entsprechenden Parkraum. Schon bei Planungsbeginn muss zwangsläufig auch über die spätere Pflege des Kulturparks nachgedacht und entschieden werden. Schließlich sollte die Freilichtbühne parallel dazu nach jahrelangem Hickhack endlich attraktiver werden. Auch hier sind die Voraussetzungen geschaffen.

    Die Politik aber, die sich gern strategische Vorteile verschafft, muss Grabenkämpfe aller Art unterlassen. Gerade auch im nahenden Landtagswahlkampf. Die jüngsten Kindereien etwa, die Streitigkeiten über Politikerbesuche auf dem Felsen, haben weder der einen noch der anderen Seite etwas gebracht - sie nerven nur. Die Loreley, die gesamte Region, braucht jetzt kein kleinkariertes Taktieren, sondern einen gemeinsamen Wurf. Mit Betonung auf gemeinsam.

    Livecam auf der Loreley-BaustellePlanung der Kristalle auf dem Loreley-Plateau: Wird der Park auch funkeln?Ganzjährige Anlaufstelle auf dem Plateau: Loreley-Touristik will sich neu ausrichtenFotos: Der neue Park auf der Loreley kommt voranArbeiten und Budget im Plan: Loreley sucht Investor für Park und Gastronomieweitere Links
    Bad Ems Lahnstein
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Regio-Reporterin
    Sabrina Rödder

    Regio-Reporterin

    Sabrina Rödder

    Mail | 0170/6137957

    Anzeige
    Regionalwetter
    Donnerstag

    10°C - 17°C
    Freitag

    7°C - 15°C
    Samstag

    3°C - 10°C
    Sonntag

    3°C - 7°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige