40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Altenkirchen/Betzdorf
  • » Verwirrspiel vor Gericht um verletztes Kind
  • Aus unserem Archiv
    Horhausen

    Verwirrspiel vor Gericht um verletztes Kind

    Es hörte sich zuerst einmal nach spektakulären Vorwürfen an:

    Eine 52-jährige Frau aus der VG Flammersfeld soll im vergangenen Jahr ein Kind angefahren haben und sei, ohne sich um das verletzte Mädchen zu kümmern, ihren Einkäufen weiter nachgegangen.

    Die Angeklagte selbst schildert den Morgen des 4. Oktober 2012 hingegen etwas anders. Sie war mit ihrer Tochter im Auto unterwegs zu einem Einkaufsmarkt in der Rheinstraße. Als sie auf den Parkplatz zum Geschäft einbiegen wollte, rief ihre Tochter etwas, um ihre Aufmerksamkeit zu wecken. In letzter Sekunde habe sie dann das Mädchen gesehen, das plötzlich auf dem Gehweg aufgetaucht sei, vor ihrer Motorhaube herlief und dann verschwand. Nach einem kleinen Schrecken seien sie und die Tochter dann einkaufen gegangen.

    Die heute Elfjährige war als Zeugin geladen, widersprach aber ihrer polizeilich aufgenommenen Aussage vom Vorjahr. Hatte sie damals angegeben, die Frau sei über ihren Fuß gefahren, sie habe geschrien, auf die Motorhaube gehauen und sich dann weinend und humpelnd zum nächstliegenden Geschäft begeben, so war ihre Version vor Gericht nun eine andere. „Die Frau ist mir in die Ferse vom linken Fuß gefahren", bekräftigte das Kind, als Beweis befanden sich Bilder eines kaputten Stiefels in der Akte. Dass sie auf die Motorhaube geschlagen und dann weinend und humpelnd zum nächsten Geschäft gegangen sei, bestritt das Mädchen hingegen. „Nein, das war so nicht." Auch war sie plötzlich nicht mehr vom Reifen, sondern von der Stoßstange getroffen worden. Ein Umstand, den Verteidiger Sven Bromba stark anzweifelte. „Wie soll man sich denn bitte die Ferse verletzen, wenn man von der Stoßstange getroffen wird?", wollte er wissen.

    Auch die 39-jährige Zeugin des Vorfalls konnte nicht viel Erhellendes beitragen. Im Gegenteil: Ihre Aussage führte dann zu kompletter Verwirrung. Die der deutschen Sprache nicht mächtige Frau – Mutter einer Schulfreundin des angeblichen Unfallopfers – hatte vor einem Jahr bei der Polizei angegeben, sie habe das Kind vor dem Auto liegen und weinen gesehen. Über einen Dolmetscher gab sie nun an, sie habe den Unfall gar nicht gesehen, sondern nur das Kind schreien gehört. Richterin Alexandra Gödecke versuchte, gemeinsam mit dem Übersetzer herauszufinden, was die Frau überhaupt gesehen hatte und was nicht. „Lag das Kind denn nun vor dem Auto, oder hat es gestanden?", wollte sie wissen. Nach längerem Hin und Her übersetzte der Mann, dass die Frau wohl damals stehen und liegen verwechselt habe. „Sie hat ihre Aussage aber bei der Polizei noch einmal übersetzen lassen und dann unterschrieben", gab Verteidiger Bromba zu bedenken. Entschuldigend machte dann der türkischsprachige Übersetzer darauf aufmerksam, dass die Verständigung mit der Frau schlecht sei. Hieß es zuerst, sie komme aus Rumänien, stammte sie nun plötzlich aus Aserbaidschan.

    „Ich übersetze so einfach wie möglich", gab der Mann an. „Sie sollen aber so genau wie möglich übersetzen", machte Gödecke ihn auf seinen Eid aufmerksam. Nachdem die Frau aus dem Zeugenstand entlassen wurde, bat Bromba, über eine Einstellung des Verfahrens aufgrund der sehr löchrigen Beweislage nachzudenken. Dem wollten aber weder das Gericht noch die Vertreterin der Anklage zustimmen. „Das Kind hat geschrien, und es war an der Ferse verletzt, soviel steht fest, und darum sehe ich hier auch keine Grundlage für eine Einstellung", so die Anklagevertreterin. Das Gericht verzichtete darum auf die Anhörung weiterer Zeugen und vertagte die Verhandlung bis auf Weiteres. Ein Gutachter soll nun klären, ob die Fersenverletzung von einer Stoßstange herrühren kann, zudem soll eruiert werden, welche Sprache die Zeugin denn nun wirklich spricht, damit ein entsprechender Übersetzer gefunden werden kann. Sonja Roos

    Altenkirchen Betzdorf
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Markus Kratzer (kra)
    Redaktionsleiter
    Tel 02681/9543-21
    E-Mail
    Volker Held (vh)
    stv. Redaktionsleiter
    VG Altenkirchen
    Tel 02681/9543-33
    E-Mail
    Elmar Hering (elm)
    Redakteur
    VG Wissen & Hamm
    Tel 02681/9543-13
    E-Mail
    Andreas Neuser (an)
    Redakteur
    VG Betzdorf, Gebhardshain
    Tel 02741/9200-68
    E-Mail
    Daniel Weber (daw)
    Redakteur  
    VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
    Tel 02741/9200-67
    E-Mail
    Peter Seel (sel)
    Redakteur VG Kirchen
    Tel 02741/9200-65
    E-Mail
    Sonja Roos (sr)
    Redakteurin VG Hamm
    Tel 02681/9543-19
    E-Mail
    Beate Christ (bc)
    Reporterin VG Flammersfeld
    Tel 0170/2110166
    E-Mail
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Regio-Reporterin
    Sabrina Rödder

    Regio-Reporterin

    Sabrina Rödder

    Mail | 02681/954 317

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Dienstag

    15°C - 14°C
    Mittwoch

    13°C - 17°C
    Donnerstag

    13°C - 17°C
    Freitag

    10°C - 14°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach