40.000
Aus unserem Archiv
Brachbach

Erinnerung an Box-Legende Peter Hussing: "Er hatte ein Leben, das ihm gefallen hat"

Claudia Geimer

70 Jahre wäre Peter Hussing in diesem Jahr geworden. Seine Heimatgemeinde Brachbach hält für ihr Sportidol posthum eine besondere Ehrung bereit: In einer Feierstunde wird am Samstag, 15. September, ab 18 Uhr, die Mehrzweckhalle des Ortes in Peter-Hussing-Halle umbenannt. „Er hätte sich zwar nicht für diese Ehrung aufgedrängt, aber ich denke, dass er sich sehr, sehr freuen würde“, sagt Christel Hussing. Über 40 Jahre lang war sie mit dem erfolgreichen Boxer verheiratet. Am 8. September 2012 verstarb ihr Mann im Alter von nur 64 Jahren an Krebs.

Boxchampion, Ehemann und Vater: Christel Hussing erinnert sich an Sportidol Peter Hussing. Die Brachbacher ehren den Medaillengewinner von Olympia und mehrfachen Deutschen Meister am Samstag. Dann wird die Mehrzweckhalle in Peter-Hussing-Halle umbenannt.  Foto: Claudia Geimer
Boxchampion, Ehemann und Vater: Christel Hussing erinnert sich an Sportidol Peter Hussing. Die Brachbacher ehren den Medaillengewinner von Olympia und mehrfachen Deutschen Meister am Samstag. Dann wird die Mehrzweckhalle in Peter-Hussing-Halle umbenannt.
Foto: Claudia Geimer

„Er war ein toller Mann, meine große Liebe“, sagt die 69-Jährige und beginnt, bei herrlichem Spätsommerwetter auf der Terrasse sitzend, zu erzählen. Sie waren zusammen im Kindergarten, besuchten zusammen die Volksschule. Er spielte zunächst Fußball beim SC 09, sie turnte und betrieb Leichtathletik. Später hat Christel Hussing ihren Mann auf Trainingsläufen im Höh- und im Giebelwald begleitet: „Wir hätten uns beinahe verlaufen, doch Peter wusste dann doch den Weg.“ Ihr Mann sei zeitlebens der ruhende Pol in der Familie gewesen, für Sohn Michael Peter (44) und die Töchter Christine (41) und Maria Katharina (40). Er sei aber auch für jeden Blödsinn zu haben gewesen: „Er hatte den Schalck im Nacken.“

Hussing bekam den Spitznamen der „Bär von Brachbach“ verpasst: „Das hat er akzeptiert.“ Starallüren waren dem mehrfachen Deutschen Meister und Medaillengewinner bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen in München 1972 fremd. „Er wollte immer einer von den anderen sein, ein normaler Brachbacher.“ Noch heute würden vor allen Dingen ältere Menschen die Gemeinde Brachbach gleich mit Peter Hussing in Verbindung bringen. Seine Popularität ist ungebrochen. Das freut seine Witwe.

Sie hat sich drangegeben, das Büro aufzuräumen, Unterlagen zu sichten: 20 Jahre Boxen und das ehrenamtliche Engagement für die „Tour der Hoffnung“, Radfahren für krebskranke Kinder: „Bei jedem Zipfelchen kommen Erinnerungen hoch.“ Christel Hussing hat mit dem Verlust zu leben gelernt und blickt nach vorne. Da sind Familie und Enkel und die beiden Vierbeiner Bruno und Janosch, Straßenhunde aus Spanien und Russland, die in Brachbach ein liebevolles Zuhause gefunden haben.

Peter Hussing war immer unterwegs: Zum Training, zu Lehrgängen mit der Nationalstaffel oder zu Meisterschaften. „Ich hatte nie Probleme damit“, sagt Christel Hussing. Ja, sie habe auch Boxkämpfe ihres Mannes im Ring gesehen. „Aber ich habe immer Bammel gehabt“, sagt sie. Sie könne sich erinnern, dass sie es bei Deutschen Meisterschaften nicht ausgehalten und die Halle verlassen habe. Bei ihrer Rückkehr sei sie in der Fanecke des Gegners gelandet: „Das waren Berliner, die haben natürlich jedes Mal gejohlt, wenn ihr Kämpfer getroffen hat.“ Christel Hussing kann sich nicht zurückhalten und feuert ihrerseits ihren Mann an: „Da hat mich irgendwann jemand freundlich hinausbegleitet.“ Hussing war ein erfolgreicher Ama-teurboxer. Profi ist er nie geworden, Angebote hatte er. Doch ihr Mann sei lieber in Brachbach geblieben, bei der Familie und seiner Kartenrunde jeden Donnerstag: „Die war ihm heilig“. Die Witwe hält Kontakte zu ehemaligen Boxkameraden. Einige wollen zur Feierstunde am Samstag kommen. „Ich will keinen K. o. hauen“, habe ihr Mann immer betont. Er habe stets einen „guten Kampf“ zeigen wollen.

Seinen Bekanntheitsgrad hat Peter Hussing dazu genutzt, gemeinsam mit seinem Freund, Radsportidol Klaus-Peter Thaler, die „Tour der Hoffnung“ ins Leben zu rufen. „Sie saßen hier zu Hause, bei uns am Tisch.“ Radfahren und dabei Spenden sammeln für krebskranke Kinder: „Er war selbst zu Besuch in den Kliniken. Das hat ihn als Mensch geprägt“, sagt Christel Hussing. Sie hofft, dass es ihrem Mann „wie auf Erden, so im Himmel geht“. So lautet der Titel eines Buches, das ihnen beiden Kraft während der schweren Krankheit gegeben habe, erzählt sie. Gespräche über den verstorbenen Ehemann und Vater halten die Erinnerungen wach: „Ich denke, er hatte ein Leben, das ihm gefallen hat.“

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Geimer
Altenkirchen Betzdorf
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Samstag

-3°C - 10°C
Sonntag

1°C - 8°C
Montag

-1°C - 6°C
Dienstag

-1°C - 4°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach