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    Ein ganz normaler Prozess: November ist auch für viele im Kreis Altenkirchen die Zeit zur Trauer

    Wer einen Angehörigen verloren hat, fühlt sich von seinen Gefühlen überwältigt, der Trauer hilflos ausgeliefert. Wie gut, wenn es jemanden gibt, der ein offenes Ohr hat und zuhören kann. „Es ist immens wichtig, trauern zu dürfen, einen Ort und die Zeit dafür zu haben“, sagt Erika Gierich vom Hospizverein Altenkirchen.

    Erika Gierich (links) und Schwester Barbara vom Hospizverein in Altenkirchen stehen trauernden Menschen zur Seite. Foto: Beate Christ​
    Erika Gierich (links) und Schwester Barbara vom Hospizverein in Altenkirchen stehen trauernden Menschen zur Seite.
    Foto: Beate Christ​

    Sie und Schwester Barbara sind ausgebildete Trauerbegleiterinnen, fangen Menschen in ihrer akuten Trauer auf und helfen ihnen, mit der Trauer leben zu lernen. Dieses Hilfsangebot wird mehr und mehr in Anspruch genommen, vielen Männern und Frauen fehlt es an Ansprechpartnern. „Leider fehlt es in unserer komplexen und komplizierten Welt immer mehr auch an Verständnis. Dabei brauchen Menschen einen Ort, an dem sie ihre Trauer zur Sprache bringen können, an dem die Tränen fließen dürfen und sie ihre Trauer leben können mit allem, was dazugehört“, sagt Schwester Barbara.

    Denn: „Trauer ist keine Krankheit, sondern ein ganz normaler Lebensprozess, der irgendwann einmal auf jeden von uns zukommt.“ Dort, wo Trauernde nicht von ihrer Familie aufgefangen werden können, helfen Schwester Barbara und Erika Gierich. „Wir können begleiten und beraten und ein Stück des Trauerweges mit den Menschen gehen“, sagt Schwester Barbara. Sie bedauert, dass viele Trauer- und Abschiedsrituale, wie beispielsweise der Abschied am Grab oder das gemeinsame Kaffeetrinken nach der Beerdigung in der heutigen Zeit verloren gegangen sind. „Es wird sehr viel verdrängt“, weiß sie aus ihrer Erfahrung zu berichten.

    Gleichsam spüre sie auch eine Hilflosigkeit der Menschen. „Aus Angst vor der eigenen Trauer ziehen sich leider auch Bekannte oder Nachbarn zurück, obwohl sie dem Trauernden helfen könnten. Die Trauer ist anonymer geworden.“ Hier möchte Erika Gierich die Menschen auffordern, wieder mehr auf ihr Bauchgefühl zu hören. „Warum sollen wir nicht die Nachbarin, deren Mann verstorben ist, danach fragen, wie es ihr geht oder sie in den Arm nehmen?“

    Aber auch Mut wollen Schwester Barbara und Erika Gierich den trauernden Menschen machen. Der November sei eine Möglichkeit, sich mit der Trauer auseinanderzusetzen. Es sei die Gelegenheit, in dem tristen Grau Licht zum Leuchten zu bringen, um sich der Dunkelheit positiv zu nähern. „Es ist genau die richtige Zeit für Erinnerungsfeiern“, meint Schwester Barbara.

    Denn Erinnerungen müssten nicht immer schmerzhaft sein. „Es bleiben ja doch meist die guten Erinnerungen an einen Menschen in unserem Gedächtnis.“ So könnten Trauernde beispielsweise etwas zur Erinnerung zum Grab des Verstorbenen bringen. Ob es nun Blumen seien oder ein Stein mit einer schönen Aufschrift. So wie das Leben sich jetzt im Herbst verabschiedet, da ist sich Schwester Barbara sicher, so könne man die Hoffnung haben, dass es im Frühjahr wiederkommt.

    „Irgendwas bleibt immer. Ich muss den Verstorbenen nicht vergessen. Ich kann ihn immer in meinen Erinnerungen bei mir behalten“, sagt sie. Und gebe es noch Unausgesprochenes, was man zu Lebzeiten nicht mehr sagen konnte, so macht sie Mut, dies einfach in einen Brief zu schreiben. Natürlich hätten viele Trauernde gerade jetzt auch vor dem bevorstehenden Weihnachtsfest Angst. „Das sind Tage, die herausfordernd sind.“ Doch auch hier könne die Erinnerung trösten. Gerade jetzt könne man eine Antwort auf die Frage „Wie kann ich mit dem Verstorbenen verbunden sein?“ suchen.

    Ist es der Grabschmuck, der Schutzengel in der Hosentasche, eine Kerze oder das Lieblingsessen, das gekocht wird? „Jeder Mensch hat seine ganz eigenen Rituale, die ihm in Zeiten der Trauer helfen können“, ist sich Erika Gierich sicher. Man müsse der Trauer nur Zeit geben.

    Ein Buchtipp zum Thema von der Autorin Chris Paul: Ich lebe mit meiner Trauer, erschienen im Gütersloher Verlagshaus.

    Wie eine Floristin zur Trauerbewältigung beitragen kann, lesen Sie auf Seite 13

    Von unserer Reporterin Beate Christ

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