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    Mudersbach

    Casino-Überfall: Räuber feuert plötzlich mit Pistole

    Er war 21 Jahre alt und wollte ein Räuber sein. Eine Spielhalle ausrauben und einen Tresor plündern. Aber: Die überfallene Kassiererin (56) nahm ihn nicht ernst.

    Der Tatort in Niederschelderhütte: Die Räuber wollten im „Casino Big Cash“ das große Geld machen – jetzt müssen sie jahrelang ins Gefängnis.
    Der Tatort in Niederschelderhütte: Die Räuber wollten im „Casino Big Cash“ das große Geld machen – jetzt müssen sie jahrelang ins Gefängnis.
    Foto: Markus Döring

    Er drohte ihr mit seiner Schreckschusspistole, sie rief: „Mach dich nicht unglücklich!“ Er warf ihr eine Tüte hin für das Geld, sie warf sie zurück. Da wurde er zornig – und schoss.

    Zum Überfall auf die Spielhalle „Big Cash“ am Rewe-Markt in Mudersbach-Niederschelderhütte kam es im April 2013. Jetzt hat das Landgericht Koblenz den 21-Jährigen wegen besonders schweren Raubes zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

    Sein Komplize (20), der bei der Tat mit einem Schraubendreher drohte, muss drei Jahre und drei Monate in Haft. Der dritte Täter (21), der das Fluchtauto fuhr, kommt drei Jahre hinter Gitter. Das Gericht wandte Jugendstrafrecht an.

    Die drei Siegerländer glaubten, echte Männer zu sein – und wurden zu Verbrechern. Der 20-Jährige schilderte im Prozess, wie ihn die anderen zur Tat überredeten. „Lass uns Geld machen!“, hätten sie gesagt. „Sei kein Weichei! Geld braucht man immer!“ Dann knickte er ein. Warum? „Ich fühlte mich in meiner Männlichkeit gekränkt.“ Er wollte „Eier zeigen“. Die Tat besprachen sie später über den Kurznachrichtendienst WhatsApp.

    24. April, gegen 23 Uhr: Die drei Männer fahren mit einem Golf zur Spielhalle. Der Fahrer parkt in einer Seitenstraße und bleibt sitzen. Die anderen steigen aus. Der Haupttäter, der später bei der Polizei sagen wird: „Ich fühlte mich wie ein Killer!“, steckt sich seine Pistole hinten in die Hose. Sein Komplize nimmt sich einen Schraubendreher mit. Dann laufen beide zur Spielhalle – und köpfen unterwegs noch eine Flasche Champagner. Sie ziehen Handschuhe an, maskieren sich mit Sturmhauben. Dann öffnen sie die Tür zur Spielhalle, schreiten direkt auf die Kassiererin zu.

    Die sagt in fast prophetischen Worten: „Verbaut euch nicht die Zukunft! Ihr bekommt bestimmt vier Jahre!“ Der 21-Jährige schießt, schleudert die Frau zur Seite und greift sich das Geld aus der Kasse: 456 Euro. Er sucht einen Tresor, durchwühlt alle Schränke, guckt sogar in den Kühlschrank. Nach dreieinhalb Minuten flüchten die Räuber.

    Die leicht verletzte Kassiererin ging nicht zum Therapeuten, sondern arbeitete einfach weiter. Im Prozess brach sie in Tränen aus. Sie blickte den Räubern ins Gesicht und schluchzte: „Ich weiß nicht, ob ich das je vergessen kann.“ Und: „Das Leben besteht nur noch aus Angst. Das läuft einem hinterher.“

    „Geldgier“, sagte die Vorsitzende Richterin Helga Diedenhofen, „das war die treibende Kraft bei allen drei Tätern.“ Sie hätten den Überfall in allen Einzelheiten geplant, seien mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen.

    Der Prozess zeigte: Die Männer waren vor der Tat mehrfach zur Spielhalle gefahren, um diese auszukundschaften. Sie wurden von Überwachungskameras gefilmt. Einem Anwohner fiel zudem ihr Auto auf. Zwei Monate nach der Tat wurden sie festgenommen, sitzen seither in Untersuchungshaft.

    Im Prozess entschuldigten sie sich. „Ich wünsche der Frau, dass sie in Zukunft verkraften kann, was sie erlebt hat“, stammelte der Haupttäter. Sein Komplize, der mit dem Schraubendreher, sagte: „Liebes Gericht, es tut mir leid. Ich schäme mich für die Tat.“
    Der Haupttäter träumte von einer Bundeswehrkarriere, sein Komplize von einer Ausbildung in einer Anwaltskanzlei, der dritte Mann wollte heiraten. Doch aus alldem wird erst einmal nichts. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Männer können Revision einlegen. Hartmut Wagner

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