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    Wie Mr. „Loch-in-der-Wand“ die Welt verändert hat

    Kaum einer kennt ihre Namen, dabei haben zwei britische Löcher-Experten Weltgeschichte geschrieben. Der Forscher John Mitchell kam 1784 als erster auf die Idee von einem „dunklen Stern“, dem kein Licht entweichen kann – diese Objekte sind heute als „schwarze Löcher“ bekannt. 181 Jahre später erfand der Ingenieur John Shepherd-Barron das „Loch in der Wand“ (englisch: Hole in the Wall), das rund um die Uhr Geldscheine ausspucken kann. Der „Vater“ aller 1,8 Millionen moderner Geldautomaten, der unseren Umgang mit dem Geld revolutioniert hat, hielt es nicht für nötig, seinen Einfall zu patentieren und selbst ein Vermögen zu machen...

    London - Kaum einer kennt ihre Namen, dabei haben zwei britische Löcher-Experten Weltgeschichte geschrieben. Der Forscher John Mitchell kam 1784 als erster auf die Idee von einem „dunklen Stern“, dem kein Licht entweichen kann – diese Objekte sind heute als „schwarze Löcher“ bekannt. 181 Jahre später erfand der Ingenieur John Shepherd-Barron das „Loch in der Wand“ (englisch: Hole in the Wall), das rund um die Uhr Geldscheine ausspucken kann.

    Der „Vater“ aller 1,8 Millionen moderner Geldautomaten, der unseren Umgang mit dem Geld revolutioniert hat, hielt es nicht für nötig, seinen Einfall zu patentieren und selbst ein Vermögen zu machen. Er starb am vergangenen Wochenende im Alter von 84 Jahren. Darauf würdigte der Londoner „Daily Telegraph“ in einem Beitrag den bescheidenen Schotten als den „letzten großen Innovator der Finanzwelt“.

    Diese Geschichte fängt an einem Wochenende im Jahr 1965 an. John Shepherd-Barron, in Indien geboren, Sohn einer Wimbledon-Doppelsiegerin, Ex-Fallschirmjäger im Krieg und Mitarbeiter der Banknoten-Druckerei De La Rue, geht wie jeden Samstag zur seiner Bankfiliale, um Geld zu holen. Doch der Schotte kommt eine Minute zu spät und findet die Türen verschlossen. Später, in einer Badewanne liegend, fragt sich Shepherd-Barron, warum man überall auf der Welt Schokoriegel aus einem Automaten kriegen kann, aber kein Geld. Eine geniale Idee ist geboren. Er fängt den Direktor der Barclays Bank in der Mittagspause ab und bittet ihn um 90 Sekunden Zeit, um seine Erfindung einer „Geldmaschine“ erklären zu dürfen. Beide Männer trinken Pink-Gin-Cocktails, dann sagt der Direktor: „Kommen sie am Montag vorbei“.

    Zwei Jahre später installiert Shepherd-Barron für Barclays den ersten Geldautomaten. Er gibt jedem Kunden nur zehn Pfund aus, was allerdings nach Meinung des Erfinders „für ein wildes Wochenende in London völlig ausreicht“. Plastikkarten mit Magnetstreifen wurden 1967 noch nicht erfunden, deshalb muss man das „Loch in der Wand“ mit einem Check bedienen, der mit einer schwach radioaktiven Lösung besprüht wurde. Die Maschine liest die chemische Signatur aus und vergleicht sie mit dem PIN, damit ist man als Kontoinhaber identifiziert. Dass die Geheimnummern so kurz sind, verdanken wir übrigens Caroline Shepherd-Barron, die ihrem Mann als Testperson gedient hat. „Ich wollte erst eine sechsstellige Zahl haben wie in der Armee“, erzählte der Brite später. „Aber meine Frau sagte mir, dass sie sich nur vier Ziffern merken kann“.

    John Shepherd-Barron kam anderen Entwicklern der Automatic Telling Machines (englisch für Geldautomat) kurz zuvor. Allerdings verzichtete er auf die Patentierung, „um nicht den Kriminellen die Code-Technologie zu verraten“. Der genügsame Brite musste 40 Jahre warten, um von der Queen für seine Verdienste vor dem Königreich mit dem „Order of the British Empire“ geehrt zu werden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Vater von drei Kindern auf seinem Bauernhof in den Highlands mit dem Züchten von Schnecken. Shepherd-Barron erfand nach der „Geldmaschine“ noch ein Gerät zur Abschreckung von Seehunden, die die schottischen Lachsfarmen geplündert haben. Es war jedoch kein Erfolg: Statt die Tiere zu vertreiben, lockte der Walgesang auf Tonband noch mehr Seehunde an.

    Von Alexei Makartsev

     

     

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