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    Zu Gast in Ottos Jodelschule

    Am 6. Oktober tritt Otto Waalkes in Koblenz auf. Auch mit 70 Jahren ist er noch ganz der Alte. Wie ein Blödel-Hurrikan fegt er durch unser Interview – und bringt buchstäblich jeden zum Jodeln.

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

     

    Sie nennen Ihre aktuelle Show „Holdrio again“. Das Jodeln gehört ja schon immer zu Otto dazu – warum liebt ein Friese das Jodeln?

    Ich hab früher immer, wenn ein Gag nicht ankam, so einen Jodler hintendran gehängt.

    Ah.

    So ein Jodi-hähi-hähi.

    Verstehe.

    Läi-läi-läi-läi ...

    Genau. Ah ja. Aber dann ...

    (singt) Drunt im Tal, ja da sitzt das kleine Ottili ... Hollaläido ...

    Mhm, ja. Aber dann ...

    Hollaläidi!

    Aber dann sind ja ganz schön viele Gags nicht angekommen, wenn Sie so viel jodeln mussten!

    Ja, anfangs musste ich die Pointe immer mit einem Jodler unterstützen. „Können Sie mir sagen, wo die andere Straßenseite ist?“ – „Ja, da drüben.“ – „Komisch, die Leute da drüben schicken mich immer hier rüber.“ Läiläiläiläiläi!

    Da gab es keinen friesischen Ruf?

    Nein, den gibt es nicht. Hollaläidi! – Das verbindet man mit Otto. Und ich habe früher auch immer das ganze Publikum jodeln lassen. Hollaläido, Hollaläidi! „Hallo, Echo!“ – „Hallo, Otto!“

    Sie können echt gut jodeln!

    Ja klar! Das kann man üben, diesen Kehlkopfüberschlag. Läää-ii, lää-ii! Mach mal.

    Lää-iii, lää-iii.

    Nein, nein, du musst richtig in die Kopfstimme rein, von der Bruststimme in die Kopfstimme.

    Lää-iii, lää-iii.

    Lää-ii, lää-ii ... Hollaläidi.

    Ottos Jodelschule. Wovon Sie auch im neuen Programm keinen Abschied nehmen können, ist „Hänsel und Gretel“, oder?

    Ah, das liebe ich immer noch. Da kommen ja ständig neue Varianten dazu, zum Beispiel Cro oder Ed Sheeran. Gerade arbeite ich an „Despacito“. Willst du mal hören? Warte mal, ich hole gerade die Gitarre ... (schnallt sich die Gitarre um, zupft los) „Pfef-fer-kuchen – die beiden flippen aus – Pfef-fer-kuchen – sieht so lecker aus, sie woll'n ihn gleich-ver-suchen überall im Haus, und fängt gleich an zu fluchen: Pacito, pacito, macht ihr etwa Graffito? Haut bloß ab, kapito? Das Märchen ist finito.“ Das war Premiere jetzt – das hab ich noch nie frei gesungen!

    Das macht Ihnen Spaß, hm?

    Und wie! Einen Text so über das Original zu legen, dass man das Original noch erkennt.

    Sie haben auch in einem Moment gejodelt, in dem man es gar nicht erwartet hat ...

    Läi-läi ...

    Ganz genau. Und zwar im Disneyfilm „Mulan“! Da haben Sie den Mushu gesprochen, einen kleinen Drachen und Mulans besten Freund.

    Ja, genau (lacht), das war ziemlich schräg. Die Amis saßen da bei der Synchronisation dabei und dachten wahrscheinlich: „What the hell is he doing now?“ – Was zum Geier macht er da? Aber das kam so spontan, dass ich an einen Satz „Hollaläidi“ drangehängt habe, dass sie es riesig lustig fanden. Also blieb es im fertigen Disneyfilm drin. Bei Sid von „Ice Age“ war das zunächst genauso.

    Sie sind der Schrecken aller Synchronstudios.

    Jjjaaaaa! Aber als der erste Film von „Ice Age“ so ein riesiger Erfolg in Deutschland war, haben sie mich beim zweiten Teil eigens nach New York eingeflogen, und dort habe ich den anderen Synchronsprechern beigebracht, wie ich Sid spreche. Die mussten alle dieses Lispeln von mir lernen, damit Sid überall auf der Welt so spricht, wie ich ihn entworfen habe. Thank you, guys. Und obendrein durfte ich zur Belohnung bei der Musik mitmischen – da gibt es ja einige Musiktitel in den Filmen.

    Ein Riesenerfolg.

    Ja, wir haben jetzt fünf Teile gemacht, und das macht schon sehr viel Spaß. Aber es ist nichts im Vergleich zu dem Erlebnis, auf der Bühne zu stehen. Wenn du das Gefühl hast: Es kommt wirklich an! Deine Arbeit macht den Leuten wirklich Spaß.

    Das Publikum setzt sich inzwischen wirklich aus allen Altersstufen zusammen, oder?

    Ja, die Kids kennen mich wegen der „Sieben Zwerge“-Filme und eben wegen „Ice Age“, und die älteren kennen meine früheren Filme und Programme. Letztens baut sich so ein Knirps vor mir auf: „Mein Opa hat eine Platte von dir!“ Und ich: „Eine Platte? Was ist das denn? Weißt du das?“ – „Ja, das ist groß und schwarz und hat ein Loch in der Mitte.“ – „Und was macht man damit?“ – „Weiß ich nicht.“

    Wie viele historische Nummern haben Sie im Programm?

    Ich bringe alles, was die Leute sehen wollen, ich bin ja so käuflich ... „Susi Sorglos sitzt zu Hause“ – „Es wird Nacht, Señorita“ ...

    O Gott, ja. Das können Sie alles noch?

    Aber klar, wenn man das so oft gemacht hat. Die Nummern sind alle in meinem Kopf.

    Ihr Kopf ist randvoll ...

    ... mit Blödsinn, ja. Andere Sachen kann ich mir nicht mehr merken.

    Einkaufszettel?

    Ich gehe gar nicht einkaufen. Bis ich im Laden bin, habe ich vergessen, was ich da wollte.

    Sie sind ja nicht mehr der Jüngste: Wie halten Sie den Tourstress aus?

    Das ist kein Stress. Ich werde gefahren, mein Sohn ist immer mit dabei. Ich bin ja nicht Udo Lindenberg, der mit mehreren Trucks anreist. Ich hab ne kleine Limousine und einen kleinen Lastwagen, der ein paar Sachen für die Bühne aufbaut. Ich komme in der Stadt an, lege mich erst mal im Hotel etwas hin, um 18 Uhr machen sie meinen Käfig auf und sagen, dass ich auf die Bühne muss.

    Sind Sie hinter der Bühne ein Miesepeter?

    Aber nein, gar nicht. Ich bin sehr eingekehrt hinter der Bühne. Ich lege mich noch mal kurz hin, gehe die Show in Gedanken durch – ich habe mir den Ablauf an die Wand geklebt. Ich überlege, ob ich heute etwas variieren kann. Und dann, wenn ich ganz ruhig bin, gehe ich raus auf die Bühne. Ich muss vorher immer ganz für mich allein sein.

    Ruhe vor dem Auftritt – das ist Ihr Ritual?

    Ja. Und ich gehe auf Toilette. Das muss unbedingt sein.

    Sonst halten Sie es nicht bis zur Pause aus, und es heißt nach zehn Minuten: „Lacht mal kurz allein, Otto muss mal flitzen.“

    (lacht) Das hatte ich zum Glück noch nicht.

    Das wird kommen! Wenn Sie mit 80 noch auf der Bühne stehen, verkürzt sich die Netto-Auftrittszeit drastisch.

    Ouh ja. Dann komme ich raus, mache einmal „Hollaläido“ und muss schon wieder flitzen. Aber so etwas Ähnliches ist mir mal in Husum passiert, da habe ich einen Stromschlag auf der Bühne bekommen.

    Owei.

    Da hatten die Techniker Mist gebaut. Als ich die Gitarre in die Hand genommen habe, habe ich einen so heftigen Stromschlag bekommen, dass ich auf den Boden gefallen und mit dem Gesicht nach unten liegen geblieben bin. Ich war starr, konnte mich nicht bewegen. Und alle Leute haben applaudiert, weil sie dachten, dass das zur Show gehört. Ich musste eine Woche ins Krankenhaus danach.

    Man sollte nie Slapstick auf der Bühne machen!

    Ja, das rächt sich irgendwann. Seither gehe ich nur noch in Gummistiefeln auf die Bühne.

    Wann ist bei Ihnen Schluss mit lustig?

    Eigentlich nie. Auch wenn ich zu Beerdigungen meiner Eltern oder meines Bruders gehen musste. Es bringt ja nichts, wenn man lange traurig ist. In Notsituationen habe ich schon Mitgefühl und Trauer, aber das hält nicht lange bei mir an.

    Sie sind wirklich ein fröhlicher Mensch?

    Ja, bin ich. Ich habe auch keinen Grund, nicht fröhlich zu sein. Mir geht es gesundheitlich gut, finanziell auch. Ich habe liebe Menschen um mich herum. Meine Eltern haben mich geliebt, ihr ganzes Leben lang. Mein Bruder auch, wir waren eine tolle Familie. Ich bin nicht nur ein glücklicher Mensch, ich bin ein echtes Glückskind.

    Aber leicht hatten Sie es nicht immer.

    Das stimmt, wir waren früher sozial ganz unten. Aber das war nicht schlimm, wir haben trotzdem viel gelacht. Und es hat mich kreativ werden lassen! Für die Schule war das blöd: Ich war früher Klassenbester, aber als ich anfing, Musik zu machen, hatte ich keinen Kopf mehr für die Schule. Keine Vokabeln mehr gelernt, nichts.

    Sie können kein Latein?

    Ich kann es gut abschreiben, das habe ich gelernt.

     

    Wissenswertes

    Otto Waalkes wurde 1948 in Emden geboren. Sein Vater war Malermeister, und die Familie wuchs im Arbeiterviertel von Emden auf. 1968 bestand Otto die Abiturprüfung. 1970 nahm er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg – nachdem er keinen Studienplatz in Freier Malerei erhalten hatte – ein Kunstpädagogikstudium auf. Um sein Studium zu finanzieren, begann er, öffentlich aufzutreten – und bald wurden die Klubs immer größer. 1972 lernte Otto seinen späteren Manager Hans Otto Mertens kennen und gründete mit ihm das Label „Rüssl Räckords“, weil keine Plattenfirma die Live-Mitschnitte von Otto veröffentlichen wollte. Noch im selben Jahr erschien die LP „Otto“, die sich 500 000-mal verkaufte. Seitdem gehört Otto zu den Größten des deutschen Humors.

    Live zu sehen ist Otto mit seiner Show „Holdrio Again“ am 4. und 5. Oktober in Mannheim und am 6. Oktober in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz. Tickets gibt es im Internet unter www.rhein-zeitung.de/tickets.

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