40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Magazin
  • » RZ-Interview der Woche
  • » Unser Weihnachtsinterview: Frohes Fest mit Heino
  • Aus unserem Archiv

    Unser Weihnachtsinterview: Frohes Fest mit Heino

    Im Advent ist ein Besuch bei Heino in Bad Münstereifel 
besonders schön. Nicht nur wegen der Dekoration: Nein, man bekommt köstliche Heino-Torte und leckere Plätzchen serviert. Da darf man nicht den eigentlichen Zweck des 
Besuchs vergessen: ein weihnachtliches Interview.

    Dieses Foto kleben Heino und Hannelore dieses Jahr auf ihre Weihnachtskarten – die beiden schreiben die Karten an die besten Freunde natürlich selbst, wie Heino im Interview mit uns erzählt. Zur Weihnachtszeit hat der wohl beliebteste deutsche Sänger ein neues Weihnachtsalbum herausgebracht.<br />Foto: Büro Heino
    Dieses Foto kleben Heino und Hannelore dieses Jahr auf ihre Weihnachtskarten – die beiden schreiben die Karten an die besten Freunde natürlich selbst, wie Heino im Interview mit uns erzählt. Zur Weihnachtszeit hat der wohl beliebteste deutsche Sänger ein neues Weihnachtsalbum herausgebracht.

    Foto: Büro Heino

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Ihr neues Weihnachtsalbum heißt „Mit weihnachtlichen Grüßen“ und zeigt als Cover eine Weihnachtskarte. Wer bekommt denn aus dem Hause Heino Weihnachtskarten geschickt?

    Das sind etwa 60, 70 enge Freunde. Die machen wir alle mit der Hand. Hannelore und ich haben ein schönes Foto gemacht, das kleben wir auf die Karten und schreiben dann die Grüße alle selbst. Also Hannelore schreibt die Karten, ich unterschreibe nur. (schmunzelt)


    Wie in jeder guten Familie.
    Ja, nicht wahr, die Frauen sind meistens die, die die schöneren Texte für Karten formulieren können.


    Ich mag das auch sehr, die Weihnachtspost am Heiligabend zu lesen.
    Ich lese unsere nicht an Heiligabend, sonst wäre der Tag vorbei. Das sind so viele Briefe, die wir bekommen! Aber ich lese alle Briefe nach und nach. Von Weihnachten bis Silvester fahren wir nach Kitzbühel, da haben wir bestimmt auch genug Muße zum Lesen der Post.


    Sie feiern in Kitzbühel?
    Ja, mit einer befreundeten Familie, die betreut uns auch ein bisschen – die Hannelore kann ja nicht mehr so mit ihrer Hüfte. Wir wohnen da wunderschön! Den Baum haben wir schon bestellt, der steht auf der Terrasse. Wenn wir ankommen, stelle ich den ins Wohnzimmer und schmücke ihn. Das habe ich als Kind schon immer gern gemacht. Wir werden so um den 22. Dezember ankommen und dann noch überlegen müssen, was wir kochen. Wissen Sie: Ich kann nicht kochen, und die Hannelore kann auch nicht kochen. Aber wir haben den Andreas aus unserer Familie, der kocht ganz fantastisch. Und natürlich suche ich die Musik aus, die wir auflegen – ein paar schöne Heino-Platten sind genauso dabei wie Chöre. Und ich bringe Heino-Stollen und Heino-Plätzchen mit, und dann sitzen wir in der ausgebauten Küche, feiern und schauen auf den Hahnenkamm.

    Was schenken Sie Hannelore? Wir verraten es auch nicht.
    Ach, wir haben ja alles. Ich weiß noch nicht, was ich der Hannelore schenke – ich muss fragen, was sie noch möchte. Wir haben ja wirklich alles, da nehme ich lieber das Geld, fahre zur Kirche und spende es bedürftigen Menschen. Ich brauche auch nichts, ich habe doch alles. Wir machen es uns schön und genießen einfach das Zusammensein.


    Sie haben im Dezember auch noch Geburtstag, Sie kommen aus dem Feiern ja gar nicht raus.
    Ich feiere das nicht mehr so extrem, wie ich das früher gemacht habe. Ich feiere einfach mit ein paar Freunden in Bad Münstereifel. Wir wohnen ja auch im Historischen Kurhaus, da bewohnen wir den ganzen zweiten Stock. Im Erdgeschoss haben wir ein Restaurant mit sehr guter Küche, da kann ich feiern und meinen Rotwein trinken, danach gehe ich zum Aufzug und fahre mit einem Spezialschlüssel in unsere Wohnung hoch.

    Die wichtigste Frage haben wir noch gar nicht geklärt: Ihr neues Duett mit Sarah Jane Scott heißt „Tanze mit mir um den Weihnachtsbaum“, also „Rocking around the Christmas Tree“ auf Deutsch. Werden Sie um den Weihnachtsbaum tanzen?
    Ich hab in meinem Leben noch nie getanzt! (grinst) Höchstens früher mal aus der Reihe.


    Ah, darum zieren Sie sich in dem Song auch so.
    (lacht) Genau, ich singe ja: „Fang du schon mal an mit dem Tanzen.“ Das war eine richtig lustige Aufnahme, und die Sarah Jane hat auch richtig gut gesungen. Aber nein, zum Tanzen bin ich nicht geboren. Als ich 1965 anfing – das war die Blütezeit des Beats, und es wurde nichts mehr auf Deutsch im Radio gespielt außer der Nachrichten – und die ersten Auftritte kamen, wollten die Regisseure, dass ich tanze. Und ich sagte immer gleich: „Nein, Kinder, dann müsst ihr euch einen Tänzer holen. Heino tanzt nicht.“ Das muss man ja auch nicht. Ich wollte immer meine Lieder ordentlich vortragen, und Tanzen lenkt ab.


    Das klingt sehr vernünftig.
    Sie tanzen auch nicht gern! (lacht)


    Ich finde auch, dass Tanzen ablenkt. Ich bin da ganz bei Ihnen. Heino, an Weihnachten hören wir oft vom Frieden auf Erden. Glauben Sie, dass wir den mal noch erleben werden?
    In der Bibel steht, dass es auf Erden immer Kriege geben wird, und ich glaube auch, dass die Zeiten immer unruhig waren. Durch die modernen Medien bekommen wir aber viel mehr von den Kriegen der ganzen Welt mit! Frieden werden wir nicht erleben, nein. Solange die Erde besteht, werden sich die Menschen gegeneinander erheben, sich beschimpfen, gegeneinander kämpfen und sich töten.


    Aber Sie haben den Glauben an die Menschheit nie verloren?
    Nein. Ich sehe in jedem Menschen immer zuerst das Gute und nie das Böse. Ich bin sehr christlich erzogen worden und habe von meiner Mutter viel gelernt. Sie hat mich sehr lieb und zurückhaltend erzogen – und ich war auch nie der Draufgängertyp. Ich war Kind in der Nachkriegszeit, und da haben wir von ganz allein Demut gelernt. Man kann es heute niemandem mehr erzählen, dass ich zu Weihnachten vor mir einen Teller stehen hatte, auf dem eine halbe Apfelsine, ein Stück Schokolade, ein Apfel und ein selbst gebackenes Plätzchen lagen. Meine Schwester hatte die andere Hälfte der Apfelsine. Das glaubt heute keiner mehr. Als ich meine Lehre in der Bäckerei angefangen habe, habe ich im ersten Monat 50 Pfennig Lohn bekommen. Im dritten Lehrjahr waren es 1,50 Mark im Monat. Heute hat jeder alles 20-mal und wirft das Geld aus dem Fenster. Das ist manchmal sehr erschreckend. Aber ich möchte die Zeit nicht missen, denn wir haben sehr aufeinander geachtet. Wir haben nach dem Krieg mit 13 Personen auf drei Zimmern in Düsseldorf gelebt, mit einem Waschbecken. Das ging alles! Das ginge nicht, wenn wir aggressiv gewesen wären – und das hat unser Verhalten sehr geprägt.

    Biografie:
    Heino wurde 1938 in Düsseldorf als Heinz Georg Kramm geboren. Sein Vater, der eine Zahnarztpraxis in Köln-Kalk hatte, fiel im Zweiten Weltkrieg. Bis 1945 lebte Heino mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester Hannelore in Pommern. Ab 1952 absolvierte er in Düsseldorf eine Handwerkslehre zum Bäcker und Konditor. 1979 heiratete er seine dritte Ehefrau Hannelore Auersperg. Das Paar lebt seit 2009 im Historischen Kurhaus von Bad Münstereifel und betrieb von 1996 bis 2012 Heinos Rathaus-Café am Marktplatz. Seit 2012 existiert im Historischen Kurhaus ein fremdbetriebenes Café mit dem Namen Heinos Café. 1967 erschien Heinos erste Langspielplatte, bald folgten seine Hits „Blau blüht der Enzian“ und „Schwarzbraun ist die Haselnuss“. Heino sang sich durch viele Genres, zuletzt wurde er zum deutschen Kultrocker. Das Album „Mit weihnachtlichen Grüßen“ ist bei Ariola erschienen. Darauf ist das Duett „Tanze mit mir um den Weihnachtsbaum“ mit Sarah Jane Scott zu hören.


    Wie wichtig ist Ihnen der Glaube?
    Ich kann nicht so vermessen sein und sagen, dass es über uns nichts gibt. Ob ich dieses Etwas Gott nenne oder nicht – das kann jeder selbst entscheiden. Ich bin so erzogen worden, dass es jemanden gibt, der uns erhält und beschützt. Ich bin gerade 78 Jahre alt geworden – und ich kann noch auf der Bühne stehen und Musik machen. Das ist doch nichts, was normal wäre – nein, das ist ein Geschenk, und dafür bin ich dankbar. Immer, wenn ich zu einem Auftritt fahre oder wie jetzt in den Urlaub nach Kitzbühel, dann fahren Hannelore und ich vorher bei unserer Kapelle hier in Bad Münstereifel vorbei. Da gehen wir hinein, zünden eine Kerze an und beten für die Familie, die Freunde, für die Gesundheit. Und dann fahren wir los zu meinem Konzert.


    Schön zu hören, dass Sie nicht ängstlich in die Zukunft schauen.
    Das tue ich nicht, nein. Und ich bin mir dessen bewusst, dass ich immer älter werde! Wenn wir jetzt nach Kitzbühel fahren, dann weiß ich nicht, wie oft wir das noch erleben können. An Silvester stehen wir auf der Terrasse, und dann kommen die Skiläufer und stecken mit Fackeln die Zahlen 2017 ab. Und dann kommt ein Feuerwerk vom Feinsten – das ist doch wunderschön! Und diese Momente genießen wir einfach.


    Wenn wir uns hier im Heino-Café umschauen, dann hängt da hinten ein Plakat aus den 70ern. Auf dem steht: „Heino for Bundespräsident!“ Das wäre 2017 noch die Chance für Sie gewesen!
    (lacht) Ja, ja, wenig Arbeit für viel Geld – das wäre nichts für mich. Mir ist es ja ein Dorn im Auge, dass man nach dem Rücktritt als Bundespräsident noch so lange so viel Ehrensold bekommt. Was man mit diesem Geld Gutes tun könnte, wie viele Flüchtlingsheime man damit unterhalten könnte! Nein, ich mache 2017 lieber wieder schöne Musik. (grinst) Vielleicht ärgere ich wieder ein paar Bands, man weiß ja nie, was ich für Ideen habe.


    Das hat Ihnen gut getan, hm? Rock- und Rapsongs im Heino-Stil zu singen und die Originalinterpreten damit zur Weißglut zu bringen.
    (lacht laut) Ja, ich hab es denen gezeigt, dass man deren Lieder auch richtig singen kann.

    RZ-Interview der Woche
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Montag

    10°C - 14°C
    Dienstag

    13°C - 16°C
    Mittwoch

    12°C - 20°C
    Donnerstag

    12°C - 19°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!