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    Sarah Jane Scott: Kleinstadtgirl singt Schlager

    Zwischen Pennsylvania und Berlin liegt der Atlantik. 
Zwischen Jazz und deutschem Schlager eine Galaxie. 
Sarah Jane Scott hat beides überwunden. Die Amerikanerin lebt in Berlin und singt auf Deutsch. Wir haben die junge Frau zum Interview nach Koblenz eingeladen.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Sarah, Sie haben mithilfe von Schlagertiteln Deutsch gelernt und leben mit einem deutschen Mann zusammen. In Schlagern herrscht aber immer große Liebe, oder die Liebe ist schon zerbrochen. Dazwischen gibt es nichts. Können Sie überhaupt auf Deutsch streiten, oder sind Sie zur Harmonie verdammt?

    Ja, na klar. Aber, wissen Sie, ich kannte das Wort Streiten selbst gar nicht. Aber ja, wir tun es natürlich, wie jeder. Mein Freund und ich reden zu Hause Deutsch und Englisch, und naja, Denglisch. Wenn es dann mal sein muss – und das ist ganz, ganz selten – dann kann ich das auch, also streiten. Nicht ganz so gut wie auf Englisch natürlich.

    In ihrem Song "Hallo, Hallo" flirten Sie ganz offensiv mit einem Mann. Er soll vorbeikommen und einfach an Ihre Tür klopfen. Haben Sie Ihren Freund so kennengelernt?

    Mein Freund und ich haben am Berklee College of Music zusammen studiert. Er ist auch ein Musiker. Wir waren vier Jahre lang zusammen dort, haben uns aber nie gesehen oder kennengelernt, obwohl es eine sehr kleine Universität ist. Anfang der letzten Woche haben wir uns dann auf einer Abschlussparty kennengelernt und getanzt, und dann hat er mir am nächsten Tag auf Facebook geschrieben. Freitag hatten wir dann die offizielle Feier, und zwei Wochen später bin ich mit ihm nach Deutschland gegangen. Also: Das war alles sehr spontan.

    Auch die Entscheidung, deutschen Schlager zu singen, fiel recht spontan, oder? Am College haben Sie sich mit anderer Musik befasst.

    Ja, stimmt. Im ersten Jahr war ich total mit Jazz beschäftigt. Jazz, Jazz, Jazz. Dann war ich damit fertig. Es hat mich gelangweilt. Ich bin mehr in die Poprichtung gegangen, aber auch Pop und Country. Ich war – als das College fertig war – auch ein bisschen lost. Und dann habe ich Schlager gefunden und gesagt: Ja, das ist meins.

    Die Ukulele ist seit Kindertagen das Lieblingsinstrument von Sarah Jane Scott. Sie besitzt eine ganze Sammlung. Alle ihre Exemplare tragen übrigens denselben Namen: „Betty“. Ursprünglich griff sie auf den Viersaiter zurück, weil ihre Hände zu klein für eine Gitarre waren.
    Die Ukulele ist seit Kindertagen das Lieblingsinstrument von Sarah Jane Scott. Sie besitzt eine ganze Sammlung. Alle ihre Exemplare tragen übrigens denselben Namen: „Betty“. Ursprünglich griff sie auf den Viersaiter zurück, weil ihre Hände zu klein für eine Gitarre waren.
    Foto: Sandra Ludewig

    Ist Country das amerikanische Gegenstück zum Schlager?

    Ja! Viele Leute in den USA finden, dass Country nicht cool ist, aber es ist die größte Musikrichtung. Jeder hört es, aber viele wollen es nicht zugeben. Und manche finde es auch ein bisschen peinlich. Ich glaube, es ist das Gleiche in Deutschland mit Schlager.

    Wie sind Sie darauf gestoßen?

    Im Internet. Ich glaube, es war von Conny Francis "Die Liebe ist ein seltsames Spiel." Danach dann noch etwas von Peggy March, aber das weiß ich nicht mehr so genau.

    Ihrer Stilrichtung wird oft vorgeworfen, dass der Tiefgang fehle. Schlager gilt als kitschig, seicht. Ein Problem?

    Ich habe immer Musik mit Tiefgang gesungen. Mein ganzes Leben. Ich kenne also beide Welten. Jetzt will ich einfach Spaß haben. Klar geht das auch mit ernster Musik. Ich tanze aber auch gern und singe dabei. Deshalb passt Schlager gut zu mir. Ich will einfach Spaß haben.

    Bei einem Fernsehauftritt mit Florian Silbereisen haben Sie viel gelacht. Gibt es einen anderen Künstler, mit dem Sie gern einmal zusammen auftreten würden?

    Andreas Gabalier mag ich sehr gern. Seine Musik ist cool. Es ist rockig, ein bisschen amerikanisch. Das fände ich super.

    Verstehen Sie denn seinen Dialekt?

    Nein, ich verstehe nicht alles. Aber das ist mir egal. Die Musik gefällt mir. Mit ihm zu spielen, wäre deshalb sicher cool. Außer Andreas finde auch Dolly Parton oder Shania Twain sehr gut und bin ein großer Fan.

    Stichwort unterschiedliche Mentalitäten: Waren Sie überrascht, dass es in Deutschland – im Vergleich zu Ihrer Heimat ein recht kleines Land – doch recht große Unterschiede zwischen den Menschen einzelner Regionen gibt?

    Ja, war ich tatsächlich. Jetzt bin ich schon etwas rumgekommen und merke die Unterschiede zwischen Norden und Süden, Westen und Osten. Es ist ganz anders. Jeder Teil hat etwas Charmantes. Die Tradition hier ist zum Beispiel ganz anders als in Bayern. Aber ich war auch überrascht, dass es im Norden Customs, also Bräuche gibt. Von Bayern weiß man das als Amerikaner eher, von Hamburg nicht. Aber eigentlich mochte ich bisher alles, Berlin, Hamburg, München, Mainz, Saarbrücken, Dresden. Es hat mir wirklich überall gut gefallen.

    Gute Laune beim Interview: Sarah Jane Scott hatte im RZ-Druckhaus viel zu lachen.
    Gute Laune beim Interview: Sarah Jane Scott hatte im RZ-Druckhaus viel zu lachen.
    Foto: Michael Defrancesco

    Wow, einmal quer durch die Republik. Ist Deutschland eine Art Heimat für Sie?

    Genau. Jetzt würde ich sagen: Ich bleibe hier – für immer. Die Kultur hier ist ganz anders als in den USA. Aber ich fühle mich super aufgenommen. Wichtig für viele hier ist, dass sie ein schönes Leben haben. Alle gehen am Montag arbeiten, aber am Wochenende möchte man raus an den See oder in die Natur. Diese Abwechslung ist den Menschen wichtig – auch um im Kopf gesund zu bleiben. Also das ist zumindest mein Eindruck. In den USA ist das leider nicht immer so.

    Wir haben schon ein paar Mal über Ihre Herkunft gesprochen. Ursprünglich kommen Sie aus Honesdale in Pennsylvania, einem kleinen Dorf, und leben jetzt in Berlin. Schauspieler Ryan Gosling hat in Honsesdale gedreht und sprach von einer echten Auszeit vom Großstadtleben. Vermissen Sie die Ruhe?

    Also ich habe in den vergangenen zwei, drei Jahren gemerkt, dass ich ein Smalltowngirl bin. Ich vermisse das Grün und die Bäume und natürlich das ganze Drumherum. Aber ich mag auch Action, und für das, was ich jetzt mache, ist Berlin perfekt. Ich will singen und viele Auftritte haben. Die Stadt ist sehr lebendig. Hier ist immer etwas los. Das passt. Später würde ich gern wieder auf dem Land leben. Im Augenblick aber nicht.

    Sie skypen regelmäßig mit Ihrer Familie. Worüber sprechen Sie?

    Es ist mir einfach sehr wichtig, weil mir meine Eltern, meine ganze Familie, unheimlich viel bedeuten. Liebe, Familie und Arbeit stehen in meinem Leben gerade im Mittelpunkt. Jeder will doch glücklich sein. Liebe und Arbeit habe ich hier in Deutschland. Die Familie lebt in den USA. Ich brauche da regelmäßig Kontakt. Das Thema ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir sprechen.

    In den USA gibt es immer wieder Kampagnen von Musikern, die Politiker auffordern, ihre Musik nicht im Wahlkampf zu nutzen. Wäre es für Sie …

    Like Donald Trump?

    Ja. Wäre es für Sie okay gewesen, wenn er einen Ihrer Songs benutzt?

    Nein! Niemals. Wie jeder finde ich Donald Trump ganz schlimm. Es ist so traurig, was da passiert ist. Nie dürfte er meine Musik spielen. Aber wenn es ein Politiker ist, den ich mag, gern. Donald Trump aber sicher nicht. Vielleicht Bernie Sanders? Ihn finde ich viel besser als Donald Trump.

    Wir haben vorhin über Country und Schlager gesprochen. Bringen Sie den deutschen Schlager in die Country-Hauptstadt Nashville?

    Darf ich das überhaupt? Naja, vielleicht. Es wäre sicher einen Versuch wert. Ich hab, als ich vor zwei Wochen in den USA war, in meiner Heimat eine Show gespielt, und es kam ziemlich gut an. Also vielleicht kann deutscher Schlager mit einer amerikanischen Sängerin ja auch in den USA funktionieren. Also vielleicht auch USA. Aber erst einmal schaue ich nach Deutschland. Ich bin ja noch ein absoluter Newcomer.

    Das Interview führte Carsten Zillmann

    Zur Person
    Sarah Jane Scott stammt aus Honesdale an der amerikanischen Ostküste. Mit zehn Jahren bekam die Sängerin ihr erstes Instrument geschenkt: eine Ukulele. Für eine Gitarre waren ihre Hände noch zu klein. Mit 18 schrieb sie sich am Berklee College of Music ein, studierte Musik. Dort lernte sie Cecil Remmler, den Sohn des Trio-Komponisten Stephan Remmler („Da Da Da“), kennen. Sie zog mit ihm gemeinsam nach Deutschland und lebt seit sechs Jahren in Berlin. 2016 erschien bei Sony Music ihr Debütalbum „Ich schau dir in die Augen“. Zu Weihnachten singt sie mit Heino „Rocking around the Christmas Tree“.

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