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    Marina Schulik: Der Traum vom Modelleben

    Marina Schulik ist so erfolgreich wie bodenständig: Die 31-Jährige aus Bingen modelt auf der ganzen Welt, wurde für große Kampagnen gebucht – und ist dabei sympathisch und normal geblieben, wie wir beim Interviewtreffen spüren.

     

    Im Fernsehen sucht Heidi Klum wieder „Germany's next Topmodel“. Models sind schön, werden bewundert und reisen um die ganze Welt – so sieht zumindest die Traumvorstellung vieler Mädchen aus. Das stimmt schon, aber es gibt auch andere Seiten. Marina Schulik (31) ist ein erfolgreiches Model und ein echtes Binger Mädchen. Im Interview mit uns nimmt sie kein Blatt vor den Mund.
    Im Fernsehen sucht Heidi Klum wieder „Germany's next Topmodel“. Models sind schön, werden bewundert und reisen um die ganze Welt – so sieht zumindest die Traumvorstellung vieler Mädchen aus. Das stimmt schon, aber es gibt auch andere Seiten. Marina Schulik (31) ist ein erfolgreiches Model und ein echtes Binger Mädchen. Im Interview mit uns nimmt sie kein Blatt vor den Mund.
    Foto: Eitan Tal

    Seit einem halben Jahr waren Sie jetzt nicht mehr in Ihrer Heimat Bingen. Hat Ihre Familie Sie schon richtig gelöchert, wie es Ihnen geht?

    (lacht) Ich bin jetzt seit sieben Jahren in dem Job, und anfangs wurde ich tatsächlich ganz viel gelöchert, wie es mir mit meiner Arbeit geht. Heute ist es anders, da kennt meine Familie meine Arbeit, und jetzt wird mir als erstes erzählt, wie es Oma und Opa und den Tanten und Onkeln geht und wen wir besuchen gehen.

    Gibt die Familie mit Ihnen an?

    Oma und Opa, ja. (lacht) Mama natürlich auch. Die sind sehr stolz auf mich und schneiden jeden Zeitungsartikel über mich aus.

    Wie war es für Ihre Eltern, eine Modeltochter zu haben?

    Meine Mutter hat sich anfangs schwer damit getan. Sie wollte auch unbedingt, dass ich zuerst einen bürgerlichen Job lerne. Also habe ich eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten gemacht – und danach durfte ich alles machen, was ich wollte. Heute bin ich dankbar dafür, weil ich viel entspannter an die Sache herangehen kann als die jungen Mädchen, die direkt nach der Schule mit dem Modeln anfangen und nichts in der Hinterhand haben. Die halten sich mit aller Kraft an dem Modeljob fest, und wenn eine Agentur von ihnen verlangt, dass sie übers Wochenende mal rasch fünf Kilo abnehmen sollen – und sie können es nicht –, dann machen sie sich völlig fertig mit dem Versuch. Weil sie eben nichts in der Hinterhand haben.

    Sie können Nein sagen, wenn man so etwas von Ihnen verlangt?

    Ich sage nicht nur Nein. Ich sage denen: „Entweder ihr nehmt mich so, wie ich bin, oder ihr lasst es.“ Ich gefalle mir, wie ich bin. Und wenn es dieser einen Agentur nicht passt, dann mache ich eben etwas anderes.

    Wie oft kommt das vor, dass Agenten so klare Ansagen machen?

    Leider sehr oft. Agenturen sind sich nicht bewusst, dass man nicht einfach mal übers Wochenende fünf Kilo abnehmen kann. Also üben sie enormen Druck auf die Mädels aus – gerade auch in Mailand und in Paris. Ich ärgere mich sehr, wenn ich lese, dass es nicht mehr um Size Zero geht und mehr auf normale Größen gesetzt wird. Das ist doch ein Witz. Ich habe Größe 36, das ist eine normale Größe. Aber lieber hätten viele Agenturen, dass ich Größe 34 hätte. Das kann man mit meinen 31 Jahren aber nicht mehr erreichen. Ich bin eine Frau, kein Mädchen mehr, und ich bin glücklich damit.

    Sind Sie einer Illusion nachgelaufen, als Sie Model werden wollten?

    Ich wollte Model werden, weil die Mädchen alle so hübsch aussahen. Ich fand mich früher nicht hübsch, und deshalb wollte ich ein Model sein. Ich wusste, dass man die Haare schön gemacht bekommt, Make-up trägt – der Glamour hat mich gelockt.

    Und dann?

    Es ist nicht alles Gold, was glänzt. (lacht) Es ist ein richtig harter Job. Man muss sich das so vorstellen, dass ich täglich auf Bewerbungsgespräche gehe. Wenn ich nicht arbeite, dann laufe ich zu Kunden und Fotografen, zeig mein Buch, zeig mich – und dann buchen sie mich oder nicht. Ich habe teilweise bis zu zehn Bewerbungsgespräche an einem Tag. In Mailand sind es acht bis zehn pro Tag, aber ich warte dort mindestens zwei Stunden pro Casting.

    Warum machen Sie das?

    Ich liebe es zu reisen und neue Menschen kennenzulernen. Und es macht auch wirklich Spaß, vor der Kamera zu stehen! Meistens hat das Team viel Spaß, und das macht mich wirklich glücklich, Mode zu präsentieren. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

    Okay, dann geben Sie mal eine Runde an: Wo waren Sie schon?

    (lacht) Kapstadt, Mailand, Paris, Barcelona, Türkei, Griechenland, Stockholm, London, Indien, New York, L.A. – ach, so viele Ziele! Nur in Australien war ich noch nicht, da würde ich gern mal hin.

    Bekommen Sie denn etwas vom Land mit?

    Schon ab und zu. Wenn ich für Jobs eingeflogen werde, frage ich manchmal, ob ich einen Tag früher fliegen kann. Dann zahle ich mir selbst für eine Nacht ein Hotel und erkunde die Gegend. Manchmal geht das aber nicht, dann ist alles so eng getaktet, dass ich vom Flughafen direkt ins Hotel muss, zum Set, und dann wieder zurück.

    Wie fühlt sich das an, wenn Sie sich auf einem Werbeplakat sehen?

    Unterschiedlich. Es gibt Plakate und Magazine, da denke ich: „Wow, das bin ich! Das ist echt schön geworden.“ Aber auf manchen Fotos sehe ich gar nicht aus wie ich. Das ist immer wieder eine Überraschung. Ich kann da ja nicht mitreden, die Kunden habe klare Vorstellungen. Für uns Models sind die Jobs einfach Einnahmequellen. Wenn ich mit einem Fotografen für eine freie Arbeit Bilder mache, kann ich selbst kreativ sein und Ideen entwickeln. Bei einem Modeljob bekomme ich alles vorgegeben: nicht so viel lachen, Kopf mehr nach links – da habe ich maximal 10 Prozent freie Kreativität, in der ich mich ausdrücken kann.

    Wir treffen Marina Schulik in Bingen.
    Wir treffen Marina Schulik in Bingen.
    Foto: Michael Defrancesco

    Sie drücken sich nicht nur aus, Sie ziehen sich auch aus. Was sagt Ihre Oma denn dazu?

    (lacht auf) Ich glaube, meine Oma hat von den Wäschebildern noch gar nicht so viel mitbekommen. Bei mir ist auch bei Wäsche Schluss – nackt lasse ich mich nicht fotografieren. Hier in Deutschland werde ich eher von Adidas Sport, Nivea oder ähnlichen Kunden gebucht, weniger von Wäschefirmen. Da kennt mich meine Oma eher in der angezogenen Version.

    Schamhaft darf man da nicht sein, oder?

    Nach sieben Jahren im Job ist es mir egal. Bei einer Modenschau oder einem Fotoshooting muss ich mich ja ständig umziehen, und da wuseln Dutzende Mitarbeiter herum. Ich bin ja wie im Bikini, wenn ich Unterwäsche trage, die ist nicht durchsichtig. Und niemand starrt explizit auf mich, sondern alle sind routiniert beschäftigt. Auch die Fotografen gaffen nicht, sondern machen ihre Arbeit. Entsprechend unempfindlich bin ich auch, wenn ich privat am Strand bin. Meine Freundinnen sagen manchmal: „Hast du nicht gesehen, wie der da dich angestarrt hat?“ Das blende ich aus. Wenn ein Mann direkt vor mir stehen und glotzen würde, dann würde ich natürlich ein Wörtchen sagen.

    Was sagen Sie jungen Mädchen, die vom Modelbusiness träumen?

    Die Branche ist schwierig durch die Modeblogger geworden. Viele große Kunden nutzen deren Bereitschaft, einfach vieles für wenig Geld zu shooten, aus. Wobei es für den Kunden noch ein Pluspunkt ist, wenn der Blogger viele Follower hat, da es kostenlose Werbung ist. Das ist ein Problem für uns etablierte Models. Wir müssen jetzt mit den Followern nachziehen ... Aber für Neulinge heißt das, dass sie so eine Möglichkeit haben, auf sich aufmerksam zu machen. Ein Fashionblog oder Instagram können beim Neustart helfen. Viele Fotografen fragen heute zuerst, wie viele Follower man auf Instagram hat – das ist wie eine Währung. Ein sehr wichtiges Portal, das uns ausweist. Und je mehr Follower wir haben, desto teurer werden wir auch. Ansonsten muss man in viele Shootings investieren – die muss man anfangs leider aus eigener Tasche bezahlen. Und man muss lernen, elegant auf hohen Schuhen zu laufen.

    Sie reden wie Heidi Klum.

    (lacht auf) Aber es stimmt leider! Wenn Sie Schuhe mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen haben, dann müssen Sie damit laufen können – große Schritte, schnell und trotzdem elegant. Das fiel mir am Anfang sehr schwer, ich bin immer kleine Trippelschritte gelaufen.

    Sie tragen zwölf Zentimeter hohe Absätze? Dann sind Sie ja mehr als zwei Meter groß!

    (lacht) Fast, ich bin 1,75 Meter. Das ist für die Optik auch bei großen Models schön, wenn sie hohe Absätze tragen. Dann sind wir wunderschön, groß und unnahbar – das lieben die Designer. Und das muss man alles trainieren. Ich habe zum Glück auf dem Laufsteg oder beim Shooting noch nie einen Fehler gemacht. Privat bin ich ja der Supertollpatsch und laufe gegen einige Glastüren und Kanten.

    Wie erkennt man die schwarzen Schafe der Branche?

    Wenn man noch keine Agentur hat, ist es wichtig, sich mit einem Model seines Vertrauens zu beraten: „Kennst du diesen Fotografen? Ist der okay?“ Wenn das hier ein Mädchen liest, das Model werden will: Ich beantworte gern alle Fragen von euch. Ich möchte nicht, dass Dinge passieren, die nicht passieren sollen und die auch den Ruf des Modelbusiness ruinieren können.

    Ist das ein Job zum Altwerden?

    Mit 31 werden die Jobs zwar weniger, aber auch die Models werden weniger! Die 30 ist schon eine Marke im Modelbusiness. Ich habe in Indien eine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht und baue mir gerade ein zweites Standbein auf. Yoga hilft mir auch, in allem Stress entspannt zu bleiben. Das Leben ist mit 30 noch lange nicht vorbei. (lacht) Ich kann viel bewegen, viel aufbauen – und ich kann auch noch das Kind raushängen lassen: „Ey, ich darf das, ich bin erst 30.“ Aber ich glaube, dass ich auch mit 60 noch so denken werde.

     

    MICHAEL DEFRANCESCO

    Biografie Marina Schulik wurde 1985 geboren und wuchs in Bingen auf. Schon als Jugendliche träumte sie vom Modelberuf, aber auf Anraten ihrer Eltern machte sie zunächst eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Danach startete sie als Model durch. Sie machte Werbekampagnen von Hakle, TUI, Nivea bis zu Adidas, ist auf den Laufstegen dieser Welt zu Hause und lief für zahlreiche Modedesigner. Heute wohnt Marina Schulik mal in ihrer alten Heimat Bingen und mal in ihrer neuen Heimat München. Nebenbei hat sie sich ein zweites Standbein aufgebaut und arbeitet als Yogalehrerin. Mehr Infos: www.marinaschulik.de, www.instagram.com/marinaschulik, www.facebook.com/marinaschulikmodel

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