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    Hey, hey, Vicky!

    Seit 50 Jahren steht Vicky Leandros nun schon auf der 
Bühne. Wir treffen die Jubilarin in Köln zum Interview. Vor dem Hotel drängen sich Hunderte von Menschen – der Grund: Madonna nächtigt im Nachbarhotel. Vicky Leandros nimmt den Rummel mit griechischer Gelassenheit hin.

    Vicky Leandros. 
    Vicky Leandros. 

    Sie nennen Ihr Jubiläumsalbum „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Findet sich wirklich keine Spur von Altersweisheit in Ihnen?

    (schmunzelt) Lebenserfahrung findet sich in mir. Weisheit – da bin ich nicht so sicher. Ich habe in meinem Leben immer alles aus dem Bauch heraus entschieden, und da macht man auch viele Fehler. Auch Fehler, die ich wiederhole! Ich glaube deshalb nicht, dass ich weise geworden bin.

    Sie singen: „Zur Weisheit führt ein langer Weg – der ist mir zu lang.“ Aber immerhin haben Sie den Weg zur Weisheit gefunden! Viele suchen ihn noch.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn gefunden habe, denn ich bin ihn noch nicht gegangen! Vielleicht führt der Weg gar nicht zur Weisheit – und ich habe beschlossen, es auch gar nicht ausprobieren zu wollen. Eine Bauchentscheidung ist eine Alternative zum Verstand, und ich bin ein Bauch-Mensch. Aber ich bin dennoch ein neugieriger Mensch und versuche, täglich dazuzulernen.

    Man braucht eine Menge Selbstironie, um so etwas sagen zu können.
    Das stimmt. Manchmal muss man doch einfach ironisch mit sich selbst sein, und man darf sich auch nicht zu ernst nehmen. Vor allen Dingen nicht die eigenen Erfolge! Wenn Sie erfolgreich sind: Nehmen Sie das nicht ernst. Erfolg kommt und geht. Niemand weiß, wie lange er anhält. Gerade in einer langen Karriere haben Sie Höhen und Tiefen, laufen Hügel hinauf und steigen in Täler hinab. Dessen müssen Sie sich bewusst sein. Und rennen Sie bloß nicht dem Erfolg hinterher, das bringt gar nichts.

    Das sagen Sie jetzt! Aber wie war das, als Sie zum ersten Mal in ein Erfolgstief geraten sind?
    Da habe ich mir dasselbe gesagt: Du darfst nicht dem Erfolg nachlaufen.

    Sie waren so cool?
    Ich glaube schon. Soweit ich mich erinnere. (schmunzelt) Aber ich war nie so erfolgsverliebt. Zwischendrin habe ich mal für zehn Jahre mit der Karriere aufgehört wegen der Kinder. Ich habe meine drei Kinder selbst groß gezogen und fand das alles sehr stimmig und gut.

    Zum Jubiläum werden viele Leute mit Ihnen über Ihre frühen Jahre reden wollen.
    (seufzt) Leider ja. Ich mag das gar nicht. Wissen Sie, mein Vater lebte in den frühen 90ern noch, und damals erzählte er mir eine Geschichte aus meinen Anfangsjahren als Sängerin. Meine Kinder waren auch dabei. Ich hörte zu, aber ich konnte mich selbst nicht daran erinnern. Meine Kinder wunderten sich, wie das sein kann. Aber mein Vater nickte nur und sagte: „Das verstehe ich. Du hattest bislang noch keine Zeit, um dich zu erinnern.“ In meinem Leben kamen immer wieder so viele neue Eindrücke und Erlebnisse hinzu, dass ich nie die Zeit hatte, mich hinzusetzen und in Erinnerungen zu schwelgen.

    Lieben Sie denn Ihre alten Songs? Singen Sie „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ noch?
    Nur auf Zuruf. „Theo“ ist ansonsten nicht mehr in meinem Programm.

    Warum wurde das so ein Hit?
    Es war nicht mein größter Hit!

    Aber er wird für immer sehr mit Ihnen verbunden sein.
    Es ist ein sehr prägnanter Titel, und er ist auch lustig.

    Ist der Text einfach nur lustig oder doch ernst gemeint? Es geht ja auch um das Gefühl, eingesperrt zu sein und ausbrechen zu wollen.
    Stimmt, aber dieser Text hat gar nichts mit mir zu tun. Das ist einfach ein humorvolles Lied, eine Geschichte. Da steckt nichts dahinter.

    Sie mögen „Theo“ nicht so, hm?
    Ich weiß nicht, ob ich den Titel je gemocht habe. Ganz sicher nicht zu Anfang. Ich wollte den gar nicht aufnehmen. In meinem Team machte mein Vater die Produktion, und er komponierte die meisten Titel, „Aprés toi“, „Ich liebe das Leben“ und „Lodz“ eben auch. Wenn er für ein Album neue Titel komponiert hatte, durfte ich selbst zehn davon aussuchen. Und zwei durfte er aussuchen – damit dann zwölf Titel auf dem Album waren. Da kam er mit „Theo“. Ich sagte: „Ist nicht dein Ernst, das ist doch kein Lied für mich.“ Und ich ging aus dem Zimmer raus und knallte die Tür zu. Am Ende der Produktion kamen sie dann wieder: „Tu uns doch den Gefallen und sing das Lied mal. Wir schmeißen es auch weg, wenn es nicht gut ist.“ (lacht) So versuchten sie mich rumzukriegen. Und dann klang es gut. Und dann lief es auch noch gut bei den Leuten. Tja, und so habe ich mich mit „Theo“ angefreundet.

    Sie haben ja auch schon früh ganz zauberhafte Auftritte beim Eurovision Song Contest – wie wir ihn heute nennen – hingelegt. Mit 15 standen Sie da mit Pagenschnitt am Mikro und haben „L' amour est bleu“ geschmettert.
    Ja! O mein Gott, mit diesem Pagenkopf, ja.

    Da sahen Sie aber wirklich süß aus! Und Sie sangen voller Inbrunst ins Mikro – hatten Sie gar keine Scheu?
    Nein. Mit 15 ist man sich der Verantwortung gar nicht bewusst. Ich wusste gar nicht, wie viele Millionen Zuschauer ich hatte.

    Gut, Sie traten ja auch für Luxemburg an, für das kleinste Land ...
    Das spielte aber keine Rolle. Eurovision ist Eurovision.

    Und dann der Eurovision-Sieg mit „Après toi“. Was bedeutete das 
Ihnen?
    Das war durchaus ein großer Mosaikstein in meiner Karriere, ja. Schon „L'amour“ hatte mir viele Türen geöffnet, aber jetzt standen mir alle Türen offen. Das Lied erschien auch in Kanada, Japan – überall haben wir Platten verkauft und waren auf Platz eins. In diesen Ländern war ich dann auch auf Tournee unterwegs.

    Sie waren extrem vielsprachig unterwegs.
    Ja, aber fließend kann ich nur Griechisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Verstehen tu ich noch Italienisch und Spanisch. Das sind nicht so viele Sprachen.

    Das fällt jetzt eindeutig in die Kategorie „Bescheidenheit“ ...
    (lacht) Das ist lieb von Ihnen, danke. Wir haben einmal eine Platte auf Holländisch aufgenommen, das war wirklich schwierig. Schwieriger als Japanisch.

    Hatten Sie einen Japanischlehrer, der Ihnen die Lieder vorgesungen hat?
    Nein, ich bekam die Texte phonetisch aufgeschrieben. War aber sehr schwierig. Die Japaner haben es aber verstanden. Glaub ich zumindest.

    Steckt diese 15-jährige Göre heute noch in Ihnen?
    Die Begeisterungsfähigkeit und die Leidenschaft für den Gesang ist weiterhin da, ja. (lacht) Ich liebe das Livesingen, zweieinhalb Stunden singen, Chansons, Balladen, Schlager, griechische Folklore. Eine Dramaturgie selbst zu gestalten – das liebe ich einfach.

    Ein Titel auf dem neuen Album heißt „Mama, ich werde alt“. Der ist sehr bewegend.
    Danke sehr. Tja, man wird im Alter seiner eigenen Mutter immer ähnlicher, und darüber wollte ich schreiben.

    War Ihre Mutter ein Vorbild für Sie?
    Nein, Mami war kein Vorbild. Papi auch nicht. Ich hatte da ganz andere Vorbilder – das waren Barbra Streisand und Ella Fitzgerald.

    Gut, die Streisand ist spannender als Mama und Papa. Eine Zeile in diesem Lied heißt „Ich habe Angst vor der Einsamkeit.“ Ist das so?
    Ich bin jetzt nicht einsam, ein Glück. Aber ich kenne viele Menschen, die große Angst vor der Einsamkeit des Alters haben. Ich habe mir diesmal beim Schreiben des Albums viel Zeit gelassen. Ich wollte nicht nur Liebeslieder schreiben, sondern ich habe mich gefragt: „Was willst du dem Publikum wirklich erzählen?“ Und dafür brauchte ich Zeit, um mir darüber klar zu werden. Wenn ich Ideen habe, schreibe ich mir Zeilen und Phrasen auf. Und dann entstehen daraus nach und nach mit meinem Co-Autor die Texte, die ich dann schließlich singe.

    Wird Ihre Tochter Ihnen auch irgendwann ähnlich werden?
    Wenn ich jetzt Ja sage, wird sie das ungern hören! (lacht laut) Meine Kinder haben ihren ganz eigenen Charakter und werden ihren eigenen Weg gehen, das weiß ich. Es steckt noch eine Menge Griechenland in ihnen. Sie sprechen alle drei Griechisch. Das war mir immer wichtig, ich habe die griechische Kultur auch stets zu Hause gelebt. Unser Essen, unsere Tradition, die griechisch-orthodoxe Kirche. Bei uns ist zum Beispiel Ostern das größte Fest, nicht Weihnachten.

    Das Interview führte unser Journalchef Michael Defrancesco

    Weitere Informationen:

    Vicky Leandros wurde 1952 auf der griechischen Insel Korfu geboren. Ihr Vater Leo Leandros war bereits als Sänger in Griechenland und Deutschland bekannt, und Vicky trat in seine Fußstapfen. Bereits ihre erste Single, „Messer, Gabel, Schere, Licht“ (1965), wurde in Deutschland zu einem Erfolg. 1967 nahm sie für Luxemburg am Grand Prix Eurovision de la Chanson in Wien teil und erreichte mit dem Titel „L’amour est bleu“ den vierten Platz, 1972 gewann sie mit „Après toi“. Ihr größter Hit in Deutschland wurde der Gassenhauer „Theo, wir fahr’n nach Lodz“, der sich 1974 viele Wochen auf Platz eins hielt. Aber auch international war die Sängerin sehr erfolgreich und sang viele Titel in zahlreichen Sprachen ein. Ihr aktuelles Album „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist bei Ariola erschienen. Live zu sehen ist Vicky Leandros am 2. Mai in Köln und am 10. Mai in Frankfurt. Tickets gibt es im Internet unter www.rhein-zeitung.de/tickets

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