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    Hannes Jaenicke, der Macher

    Hannes Jaenicke ist begnadeter Schauspieler, der Mann mit der umwerfenden Stimme, ein echt sexy Typ. Aber vor allen Dingen ist er auch politisch und sozial engagiert. Beim 
Interview spürt man sofort, wie es in Jaenicke brodelt, wenn er auf die Ungerechtigkeiten der Welt blickt.

    Heavy-Metal-Mann trifft überschuldete Landwirtin: Im ZDF-Film „Ein Dorf rockt ab“ spielt Hannes Jaenicke den harten Typen Mike, der sich irgendwie doch mit Landwirtin Caro (Christina Große) versteht. Unterhaltung mit Anspruch – das ist sein Ziel, sagt uns Jaenicke im Interview.
    Heavy-Metal-Mann trifft überschuldete Landwirtin: Im ZDF-Film „Ein Dorf rockt ab“ spielt Hannes Jaenicke den harten Typen Mike, der sich irgendwie doch mit Landwirtin Caro (Christina Große) versteht. Unterhaltung mit Anspruch – das ist sein Ziel, sagt uns Jaenicke im Interview.
    Foto: Conny Klein/ZDF

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Auf Ihrer Internetseite findet sich der Spruch: „Fernsehen macht Kluge klüger und Dumme dümmer.“ Unterschreiben Sie den Satz?
    Ja. Wer das Ding einfach nur anmacht und irgendwelche billigen Talent-, Dschungel-, „Adam & Eva“- und „Tag & Nacht“-Shows anschaut, der wird ganz bestimmt dümmer, wählt irgendwann AfD oder geht mit Pegida auf die Straße. Wer das Fernsehen bewusst nutzt, der hat ein großartiges Angebot – ob das die „heute show“, Böhmermann, „Aspekte“ oder gut gemachte Filme und Dokus sind. Man muss dieses Programm nur suchen.


    Wie bringt man die Dummen dazu, Qualitätsfernsehen zu schauen?
    Indem wir als Filmemacher und Schauspieler versuchen, nicht „nur seichte“ oder „nur schwere“ Kost anzubieten, sondern Anspruch und Unterhaltung miteinander zu verbinden. Man kann in einer Komödie auch ernste gesellschaftliche Fragen thematisieren oder Auswege aus einem Dilemma zeigen. Wir sollten intelligent unterhalten, ohne erigierten Zeigefinger, sodass die Zuschauer nebenbei etwas lernen können. Wir verpassen da leider viele Chancen und überlassen viele Zuschauer den Dumpfbacken-Sendern.


    Sie leben oft in den USA und kennen das Land sehr gut. Was sagen Sie zur Verbindung zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Lieblingssender Fox News, der nicht für seriösen Journalismus bekannt ist?
    Da haben Sie das krasseste Beispiel benannt, an dem man sieht, dass dieser Spruch wahr ist: dass Fernsehen Dumme dümmer machen kann. Die USA haben einen Präsidenten, der einen so katastrophalen Job macht, der dem Land und den Menschen so schaden wird – und das hat ganz viel mit Fox News zu tun. Das ist ein Propagandasender der Rechtspopulisten – so etwas gibt es hier in Deutschland Gott sei Dank gar nicht. Wenn hochrangige Politiker ihre Infos aus solch einem tendenziösen Fernsehsender ziehen, dann wird es wirklich gefährlich und ist schrecklich: Diese Leute halten die Infos, die dort gesendet werden, für echte Infos, für echte Fakten.


    Könnte man Herrn Trump den Klimawandel beibringen mit einer Doku in seinem Lieblingssender?
    Zuerst einmal ist es gut, dass diverse Staaten in den USA vehement Widerstand leisten. Ich erlebe die USA, wenn ich dort bin, als ein zutiefst gespaltenes Land, das kann man sich in Deutschland kaum vorstellen. Das eine Lager ist liberal, bildungshungrig, umweltbewusst, sozial. Das andere Lager ist zutiefst ausländerfeindlich, bigott, fanatisch religiös, ungebildet, umweltfeindlich. Ich wüsste nicht, wie die Medien oder eine Doku bei Fox das ändern könnte. Gut, CNN hat inzwischen eine ganz klare Position gegen Trump, und die traditionellen Sender und Zeitungen wie die „New York Times“ oder die „Washington Post“ haben den höchsten Zulauf seit Jahrzehnten. Trump hat dafür gesorgt, dass sich die andersdenkenden Menschen zusammenschließen. Die, die immer schon Fox News geschaut haben, schauen das weiter. Aber die anderen entscheiden sich derzeit aktiv für seriöse Sender und Zeitungen und bescheren diesen den großen Zulauf. Das ist der einzig positive Effekt von Trump: dass er die schlafende, etwas bräsig gewordene Masse mobilisiert. Ich war im Januar in Los Angeles beim Women's March – da waren Hunderttausende auf der Straße, so viele wie seit den Bürgerrechtsdemonstrationen der 60er nicht mehr. Die Leute wachen wirklich auf. Wir in Deutschland haben das zum Glück nicht so dringend nötig. Wir sind im Schnitt gebildeter und liberaler als die zahlreichen amerikanischen ungebildeten und bigotten Weißen, die vor jedem Mexikaner oder Einwanderer Angst haben. Dabei würde die US-Wirtschaft sofort kollabieren, wenn es keine Latinos mehr gäbe. Es gäbe keine Alten- und Krankenpfleger mehr, keine Nannys, die Restaurants und Baufirmen hätten kein Personal. Aber ich sage es noch mal: Im Vergleich zu den USA gibt es in Deutschland eine bessere Integrationspolitik, das ist meine feste Überzeugung.


    Fernsehen macht Dumme dümmer – wie wirkt sich das auf die Wissenschaft aus?
    Das ist eine ähnliche Herausforderung. Wenn der Klimawandel geleugnet wird, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien einfach weggewischt werden, dann muss auch die Wissenschaft es schaffen, wieder Gehör zu finden. Zum Beispiel durch gute Wissenschaftssendungen im Fernsehen. Es ist nachgewiesen, dass es den Klimawandel gibt, es gibt die Studie einer Professorin aus München, laut der 96 Prozent aller Klimaforscher weltweit der Meinung sind, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Jemand wie Trump ignoriert das – das darf einfach nicht sein. Aber vor allem die einfachen Menschen müssen das begreifen – und dafür darf die Wissenschaft nicht in Elitensphären stattfinden, sondern muss ihre Ergebnisse konsumierbar und verständlich machen. Es gibt ja ganz hervorragende Wissenschaftsjournalisten, die das auch für Menschen wie du und ich verständlich erklären können. Da sind wieder wir als Medienschaffende gefordert.


    Sie haben eine klare politische Meinung und äußern diese auch überall: Erlauben Ihnen die Menschen das, auf der einen Seite Schauspieler und Unterhalter zu sein und auf der anderen Seite Mahner?
    Das geht manchen tierisch auf die Nerven. Ich bin schon in der Öffentlichkeit, auch von „Spiegel“ und „Focus“ zum Beispiel, regelrecht geschlachtet worden. Der „Spiegel“ nannte mich mal „Indiana Jones der Mülltrenner“, ich war auch schon der „Affenversteher“ oder, in der FAZ, der „Vielflieger gegen den Klimawandel“ – was mich ehrlich gesagt amüsiert hat. Aber das Publikum denkt nicht unbedingt so. Ich drehe regelmäßig Dokus, und die haben erstaunliche Resonanz und Einschaltquoten. Aber ich werde regelmäßig als Gutmensch tituliert, sobald ich meinen Kopf aus dem Fenster stecke. Das geht im Übrigen nicht nur mir so. Ich denke da an meinen Kollegen Jan Josef Liefers: Als er 2013 fast visionär nach Syrien gefahren ist, um auf die dortige Situation aufmerksam zu machen, wurde er in den Medien vernichtet. Hätten ihm die Leute damals zugehört, wären sie nicht so überrascht gewesen, als 2015 dann die große Flüchtlingswelle kam. Oder auch Rea Garvey und Anke Engelke – hochgradig sozial und politisch engagierte Leute! Aber man erfährt viel zu wenig davon oder wird auch gleich als Gutmensch abgetan. Ich glaube, wir sind das einzige Land auf der Welt, in dem „ein guter Mensch zu sein“ ein Schimpfwort geworden ist und in dem man lieber über gute Menschen als über schlechte Menschen herzieht.


    Und dem Schauspieler gibt man dieses Recht erst recht nicht: Sie sollen bitte der Gaukler bleiben?
    In Deutschland ja. Wenn in den USA George Clooney, Robert Redford oder Leonardo di Caprio das machen, dann finden das alle super.


    Aber über Clooney wurde auch abgelästert, als er vergangenes Jahr mit seiner Frau bei Angela Merkel zu Besuch war. Die „Tagesschau“ postete ein Foto und schrieb dazu: „Bundeskanzlerin Merkel hat sich heute mit der international renommierten Menschenrechtsanwältin Amal Clooney getroffen, um über die Flüchtlingskrise zu sprechen. Clooney kam in Begleitung ihres Mannes, einem Schauspieler.“
    Ja, das stimmt – aber so etwas gäbe es in den USA nicht. Clooney setzt sich seit vielen Jahren für viele politische Themen ein, ich denke zum Beispiel an den Sudan. Oder auch Angelina Jolie, Natalie Portman oder Jeff Bridges oder, oder – es gibt viele Beispiele. Die Amis finden es gut und wichtig, wenn sich ihre Schauspieler so engagieren und einsetzen.


    Wird sich das in Deutschland ändern?
    Ich weiß es nicht, es ist mir aber auch egal. Ich werde mein Ding weitermachen und meine Dokus drehen, solange der ZDF-Intendant mir grünes Licht dafür gibt. (schmunzelt) Für diese Plattform bin ich unendlich dankbar und werde sie auf jeden Fall weiter nutzen.

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