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    Da capo für die Oberkrainer

    Slavko Avsenik galt als der erfolgreichste Volksmusikant 
aller Zeiten. Er erfand den typischen Oberkrainer-Klang, der unzählige Male kopiert wurde, und er komponierte Melodien wie das „Trompetenecho“. 2015 verstarb er im Alter von 85 Jahren – doch seine Musik lebt weiter: Enkel Sašo Avsenik tritt in die Fußstapfen seines Opas.

    Sašo Avsenik lässt seine Familie stolz sein: Der Enkel eines des berühmtesten Volksmusikanten aller Zeiten, Slavko Avsenik, hat ein eigenes Ensemble gegründet und trägt die Oberkrainer-Musik in die heutige Zeit.<br /><br />
    Sašo Avsenik lässt seine Familie stolz sein: Der Enkel eines des berühmtesten Volksmusikanten aller Zeiten, Slavko Avsenik, hat ein eigenes Ensemble gegründet und trägt die Oberkrainer-Musik in die heutige Zeit.

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Wann haben Sie realisiert, dass Ihr Großvater kein normaler Opa, sondern ein Star ist?

    Das war in der Schule. Damals haben mich die anderen Kinder immer mit Musikfragen gelöchert, und manche wurden auch von ihren Eltern vorgeschickt, dass sie mich Sachen über meinen Großvater fragen sollen. Für mich war das immer ganz normal, dass bei uns viel Musik gemacht wurde. Aber damals habe ich realisiert, dass andere Eltern und Großeltern andere Berufe hatten – und dass eben mein Großvater Profimusiker war. Mein Vater Gregor hat mich dann auch immer wieder zu Auftritten mitgenommen.

    Wie war Ihr Großvater?

    Ich wurde 1991 geboren, und mein Großvater hat mit seinem Ensemble 1989 aufgehört. Deshalb war er immer für mich da und für mich ein ganz normaler Großvater. Er hat immer jeden Tag im Wohnzimmer Akkordeon gespielt, manchmal sogar ein paar Stunden lang. Er hat aber auch Klavier gespielt – oder einfach vor dem Fernseher gesessen. Wie das Opas so machen. (lacht) Und komponiert hat er immer noch!

    Vom Originalensemble lebt niemand mehr?

    Nein, von den Musikern niemand. Es leben nur noch die beiden Sänger Alfi Nipic und Ema Prodnik.

    War es klar, dass Sie Akkordeon lernen würden?

    Meine Großmutter hatte eine private Musikschule, wir waren fünf Kinder und spielten einmal die Woche Akkordeon zusammen. Das mochte ich sehr, wir haben uns nach der Schule getroffen und zusammen musiziert. Ich bin mit der Oberkrainer-Musik aufgewachsen und habe sie auch immer geliebt. Später habe ich dann auch noch Schlagzeug gelernt. Die Titel meines Opas begleiten mich schon ein Leben lang, und es ist wohl ein Rätsel, warum ich sie nie satthabe. (lacht) Und das, obwohl ich sie praktisch jeden Tag spiele.

    Wollten Sie Profimusiker werden?

    Nein, für mich war das eigentlich nur ein Hobby. Ich habe eine Ausbildung im Tourismus gemacht, ich könnte in einem Hotel oder als Reiseleiter arbeiten. Die Musik lief für mich nur nebenher. Aber dann hat mich das "Musikantenstadl" eingeladen – und auf einmal gab es so viele Auftritte! Und jetzt ist es mein Beruf.

    Gibt es das Akkordeon Ihres Opas noch?

    Ja, das hat er mir geschenkt! Und die ersten Auftritte habe ich auch mit diesem Instrument gespielt, in Slowenien und im Ausland. Aber dann habe ich gemerkt, dass es ein sehr besonderes Instrument ist – die Leute wollten es sehen und anfassen. Und mir war die Gefahr zu groß, dass das Akkordeon zerkratzt wird oder dass irgendjemand Getränke darüber verschüttet. Also habe ich mir ein anderes Instrument für die Auftritte gekauft und spiele das Akkordeon meines Opas nur noch privat zu Hause.

    Wie haben Sie Ihr neues Ensemble zusammengestellt?

    Ursprünglich waren wir alle Schulfreunde, die nach der Schule zusammen musiziert haben. Als dann die Auftritte zunahmen, gab es Diskussionen: Manche haben das nur als Spaß gesehen, andere wollten Geld damit verdienen. Dann wurden wir auch immer öfter für richtige Konzerte gebucht. Meine Sängerin damals sagte, das sei ihr zu viel – mal in der Schweiz zu spielen, mal in den Niederlanden, immer unterwegs zu sein. Andere bekamen Kinder. Also haben wir das Ensemble ein bisschen umstellen müssen. Mit der heutigen Besetzung spiele ich jetzt seit vier Jahren.

    Sie spielen einerseits im klassischen Oberkrainer-Klang Ihres Opas, aber andererseits bringen Sie auch ganz neue Elemente hinzu.

    Es ist schön, dass sich auch die Oberkrainer-Musik weiterentwickeln darf. Ich weiß, dass ich viele alte Oberkrainer-Fans habe, aber wir haben auch viele junge Fans. Die mögen die klassischen Lieder, aber die sind auch offen für musikalische Experimente. Und so arrangieren wir die Polkas meines Opas auch mal als Samba mit Percussion und Schlagzeug, oder wir spielen mit einem Streichorchester zusammen. Mein Vater Gregor Avsenik ist Konzertgitarrist, und er hat auch einige Stücke für uns komponiert, die ganz besonders klingen, zum Beispiel ein französisches Stück über Paris. Ich mag das, wenn man nicht jeden Tag den gleichen Sound hat, sondern wenn man auch mal Ausflüge in andere Stilrichtungen machen kann und so musikalische Brücken baut. Mein Ensemble ist musikalisch genug, die können das auch prima spielen! Das sind schöne Herausforderungen.

    Was hat Ihr Opa gesagt, als Sie so richtig durchgestartet sind?

    Er war sehr glücklich, wirklich. Und er war bis zu seinem Tod auch immer noch als Komponist aktiv. Wenn wir neue Aufnahmen im Studio gemacht haben, dann sind mein Vater und ich zu meinem Opa gegangen und haben sie ihm vorgespielt. Und er war immer sehr froh, dass seine Musik auch heute noch erklingt. Es gibt heute so viel Musik und so viele Gruppen, da ist es nicht selbstverständlich, dass wir einen Verlag finden, eine CD machen können, auf Tournee gehen können.

    Als Ihr Opa vergangenes Jahr starb, wurde ein Staatsbegräbnis gemacht!

    Das war keine leichte Aufgabe für unsere Familie. Er war so ein öffentlicher Mensch mit so vielen Freunden, Bekannten und Verehrern, dass wir ihnen auch die Möglichkeit geben mussten, sich von ihm zu verabschieden. Also haben mein Vater und seine Brüder entschieden, ein großes Begräbnis zu machen. Auf einmal meldete sich unser Staatspräsident und sagte, dass er auch gern dabei wäre – und damit wurde das Begräbnis dann zu einem Staatsakt mit militärischen Ehren.

    Was empfanden Sie?

    Es war sehr bewegend für mich. Wir spielten das Lied "Der Wind bringt dir mein Lied", das mein Opa komponiert hatte. Es war nicht selbstverständlich, dass wir bei seinem Begräbnis spielen würden. Aber wir sind in unserer Familie keine Sprecher, sondern Musiker. Und einen schöneren Abschied als mit Musik kann man nicht haben. Wir dürfen heute so viele schöne Auftritte haben dank ihm – und deshalb war es für mich und meine Gruppe die größte Ehre, bei seiner Beerdigung spielen zu dürfen.

     

    Weitere Informationen:

    Biografie: Sašo Avsenik wurde 1991 im slowenischen Begunje in eine musikalische Familie hineingeboren. Sein Vater Gregor ist Konzertgitarrist und spielte bereits im Ensemble des Großvaters Slavko Avsenik mit. 2009 gründete Sašo sein eigenes Oberkrainer-Ensemble, und seit dem ersten TV-Auftritt im „Musikantenstadl“ geht es bergauf. 2012 wurden sie vom ORF als „Newcomer des Jahres“ geehrt. Vier Alben sind entstanden – mit Klassikern und neuen Liedern. Weitere Infos im Internet: www.saso-avsenik.de

    Slavko Avsenik wurde 1929 in Begunje geboren und starb 2015. Er war Skispringer und Mitglied der jugoslawischen Nationalmannschaft. Mit seinem Bruder Vilko gründete er die Musikgruppe Gorenjski Kvintet, die als Slavko Avsenik und seine Original Oberkrainer international bekannt wurde und mehr als 36 Millionen Tonträger verkaufte. Einzigartig ist der von Avsenik erfundene Oberkrainer-Stil nicht nur wegen der Zusammensetzung der Instrumente (Akkordeon, Trompete, Klarinette, Gitarre und Baritonhorn), sondern auch weil er Volksmusik mit Jazzelementen mischt.

    Live zu sehen ist Sašo Avsenik mit seinen Oberkrainern am Sonntag, 15. Mai, um 19 Uhr in der Stadthalle Limburg. Tickets unter www.rhein-zeitung.de/tickets

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