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    Birte Karalus: Viele Dinge dürfen bleiben, wie sie sind

    Bekannt wurde sie Ende der 90er-Jahre mit ihrer RTL-Talkshow "Birte Karalus". Die für damalige Verhältnisse derbe Sprache der Gäste brachte ihr zu jener Zeit viel Kritik ein, heute distanziert sie sich von solchen TV-Formaten. Karalus ist nicht nur Moderatorin, sie ist auch Mediatorin und Profi in Sachen Kommunikation. Als wir uns zum Interview treffen, bekommen wir das auch gleich zu spüren. Denn bevor wir unsere erste Frage stellen können, beginnt sie schon zu erzählen und gerät ins Schwärmen.

    An einem solch sonnigen Tag wie heute kann ich richtig sentimental werden. Mein allererster Radiobeitrag war über Altweibersommer. Ich denke unheimlich gern an diese Zeit zurück. Wir haben damals Radio gemacht à la Hörspiel, also mit viel Aufwand und Liebe zum Detail, und ich hatte einen wunderbaren Ausbilder. Das war einer der Glücksfälle in meinem Leben.

    Aber Sie hatten auch weniger schöne Zeiten in Ihrer Karriere, etwa zur Zeit Ihrer Talkshow.

    Ja, die Zeit war heftig, vor allem auch die Kritik. Damals gab es 13 Talkshows, und man versuchte, Nischen zu finden, damit man sich voneinander abhob. Meine Sendung war sehr deutlich in der Sprache. Es wurde kräftiges Deutsch gesprochen – zu jener Zeit sehr ungewohnt. Wenn man sich heutige Formate anschaut, würde man wohl eher nur noch mit den Schultern zucken.

    Sie hatten damals den Spitznamen Krawallnuss. Das lag aber an den Gästen, oder?

    (lacht) Bei meinem Nachnamen und dem Ideenreichtum der Kritiker lag das wohl nahe. Ich bin hingegen tatsächlich sehr hanseatisch erzogen. Es war wohl auch dieser Mix, den die Sendung ausmachte. Formate funktionieren oft erfolgreich, wenn beide Seiten ins Spiel kommen – wie in der Physik mit Plus und Minus. Aber dazu muss ich auch sagen: Ich verteidige die Sendung sicher nicht, weil ich sie nicht gern gemacht habe.

     

    Steht nur noch wenig vor TV-Kameras: Birte Karalus. Vom Krawall-Talk-Image der 90er-Jahre wegzukommen, war kein einfacher Weg, erzählt die ausgebildete Moderatorin im Interview. Heute wird sie für Veranstaltungen gebucht und arbeitet als Mediatorin.
    Steht nur noch wenig vor TV-Kameras: Birte Karalus. Vom Krawall-Talk-Image der 90er-Jahre wegzukommen, war kein einfacher Weg, erzählt die ausgebildete Moderatorin im Interview. Heute wird sie für Veranstaltungen gebucht und arbeitet als Mediatorin.

    Wie stark ist der Einfluss des Senders bei der Show gewesen? Konnten Sie als Moderatorin da eingreifen?

    Nein, konnte ich nicht. Ich hatte ganz klare Vorgaben, was läuft. Und, man muss das einfach mal so sehen: Diese Sendung war wahnsinnig erfolgreich. Wir haben um die 26 Prozent Zuschaueranteil am Nachmittag gehabt. Warum sollte der Sender dann sagen: „Wir ändern das?“ Bereuen, dass ich die Sendung gemacht habe, macht für mich heute keinen Sinn, denn Fehler muss man machen, und rückwärts leben funktioniert nicht. Mein Lerneffekt daraus ist, nichts mehr zu machen, auf das ich keinen konkreten Einfluss habe. Ich mag es, Herausforderungen zu meistern und verantwortlich zu sein. Deswegen hat es mich bei der Talkshow schon geärgert, für etwas geradezustehen, auf das ich nur einen geringen Einfluss hatte.

    Wie kamen Sie nach dem Ende der Show von diesem Krawall-Talk-Image weg?

    Ich habe das konträre Programm gefahren: Nachrichten und die Champions League moderiert. So konnte ich zeigen, was ich wirklich konnte und was mir großen Spaß gemacht hat. Der Zuschauer hat das damals relativ schnell goutiert. Aber ich will auch nicht verhehlen, dass es harte Arbeit war, das Ganze emotional zu verarbeiten. So eine Zeit muss man schon wegstecken können.

    Wie war das im Sport als Frau in der Männerdomäne?

    Jeder Mann weiß ja, dass du als Frau nicht Fußball kannst ... Und dann hab ich auch noch eine Autosendung moderiert (lacht herzlich). Im Ernst, ich kam aus dem Sport, sowohl aktiv als auch als Journalistin, und das war einfach meine Welt. Die Fußballer haben mich akzeptiert, weil sie mich kannten und wussten: Die ist kritisch, aber fair. Und ich habe es vermieden, diese unsinnigen Fragen zu stellen, wie es sich anfühlt, einen Elfmeter zu verschießen ...

    Es wäre also eine Option für Sie, wieder im Sport einzusteigen?

    Immer. Ich liebe Sport. Das ist mein echtes Zuhause. Aber mich faszinieren im Moment am meisten Nachrichten, denn es tut sich zurzeit ja so enorm viel. Aber von der Leidenschaft her ist es und bleibt es Sport.

     

    Bei schönem Wetter traf sich unsere Reporterin Charlotte Krämer-Schick (rechts) mit Birte Karalus im Garten des RZ-Druckhauses.
    Bei schönem Wetter traf sich unsere Reporterin Charlotte Krämer-Schick (rechts) mit Birte Karalus im Garten des RZ-Druckhauses.
    Foto: Michael 
Defrancesco

     

    Sie haben eine Mediationsausbildung gemacht, bei der es auch um kulturelle Konflikte ging. Als eines Ihrer Hobbys geben Sie Kultur(en) an. Wo kommt dieses Interesse her?

    Ich bin Hamburgerin, und da hat man es zwangsläufig mit unterschiedlichen Kulturen zu tun, und zwar in jeglicher Hinsicht. Ich bin so erzogen worden, dass fast alles nebeneinander oder besser gesagt miteinander funktioniert. Wenn wir es nicht miteinander hinkriegen, dann wird es nicht gehen, davon bin ich überzeugt. Meine Mediationsausbildung war interkulturell und international, weil das einfach mein Ding ist. Und in gewisser Weise ging es auch in meiner Talkshow um interkulturelle Konflikte.

    Wann werden Sie derzeit als Mediatorin gebucht?

    Ich mache vor allem Konfliktmoderation. Berate in großen Unternehmen, im politischen Bereich, bei öffentlichen Themen. International hat es mich in dieser Hinsicht nach England gezogen. Es ist mein Ding, Menschen zu verstehen. Vor allem glaube ich, ein gutes Gespür zu haben, wo die eigentlichen Ursachen der Konflikte sind, wer treibt und wer manipuliert. Das bleibt bei 20 Jahren arbeiten in und mit der Öffentlichkeit nicht aus.

    Sie sind in der Mongolei mal einem jungen buddhistischen Mönch begegnet und beschreiben diesen Moment als sehr intensiv. Sie haben sich verstanden, ohne die gleiche Sprache zu sprechen. Erzählen Sie mir davon?

    Das war toll. Ich habe mit ihm in Englisch geredet und er in seiner Sprache mit mir. Ich hab ihm bisschen was von mir erzählt. Wir saßen da, haben uns angeguckt, die Augen haben gestrahlt, zeitweise haben wir auch einfach geschwiegen. Das war einer der ganz besonderen Momente im Leben, für die ich einfach nur dankbar bin. Zu erkennen, dass man sich verstehen kann, ohne dieselbe Sprache zu sprechen. Auch wenn der andere eine ganz andere Philosophie hat, eine andere Sprache spricht, ganz anders aussieht, aber irgendetwas verbindet.

    Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

    Weiterhin moderieren, Bücher schreiben. Immer wieder gern Fernsehsendungen, wenn sie denn passen, und einen Marathon laufen. Ich werde vielleicht für eine englische Agentur im professionellen politischen Mediationsbereich arbeiten. Das ist ein großes Ziel von mir. Und ganz viele Dinge dürfen einfach so bleiben, wie sie sind, weil sie gut sind. Und das ist schön.

    Das Interview führte Charlotte Krämer-Schick

    Zur Person

    Birte Karalus wurde 1966 in Reinbek bei Hamburg geboren. Nach dem Abitur studierte sie Volkswirtschaftslehre, Germanistik und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem absolvierte sie eine Moderations- und Schauspiel- sowie eine Mediationsausbildung mit den Schwerpunkten Interkulturelle Konflikte, Wirtschaft und Umwelt. Ihre Moderationstätigkeit im TV begann sie 1997 beim DSF, bekannt wurde sie mit ihrer RTL-Talkshow „Birte Karalus“. Im Anschluss stand sie bei Nachrichten- und Sportsendungen vor der Kamera. Heute moderiert sie Veranstaltungen und arbeitet als Mediatorin.

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