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    Besuch in Trier: Auf einen Tee mit Guildo Horn

    Wir treffen Guildo Horn in Trier. Dort ist er aufgewachsen, hat sein Pädagogikstudium absolviert, als Musiktherapeut gearbeitet und seine Schlagerkarriere begonnen.

    Guildo Horn mag es gemütlich: eine gepflegte Tasse Tee, ein knisterndes Feuer. Im Gespräch mit unserer Reporterin Lisa Lubberich erinnert sich der Schlagersänger an die Zeiten, als er beim Eurovision Song Contest die Deutschen verrückt machte. Und er verrät, wie seine fürsorgliche und seine so herrlich durchgeknallte Art zusammenpassen.<br /><br />
    Guildo Horn mag es gemütlich: eine gepflegte Tasse Tee, ein knisterndes Feuer. Im Gespräch mit unserer Reporterin Lisa Lubberich erinnert sich der Schlagersänger an die Zeiten, als er beim Eurovision Song Contest die Deutschen verrückt machte. Und er verrät, wie seine fürsorgliche und seine so herrlich durchgeknallte Art zusammenpassen.

    Foto: Lisa Lubberich

    Von Lisa Lubberich

    Schön, dass wir Sie heute hier in Ihrer Geburtsstadt Trier besuchen dürfen. Kehren Sie gern zurück zu Ihren Wurzeln?

    Klar, auf jeden Fall. Wo immer mich das Leben hintreibt, Trier ist und bleibt Heimat. Logistisch gesehen ist es heute zwar nicht mehr optimal für mich - für jemanden der viel reisen muss gibt es wirklich günstigere Standorte - aber ich bleib dabei: tolle Stadt, tolle Menschen. Außerdem liebe ich es, meine Mutter, Familie und alte Bekannte zu besuchen. Ich bin hier echt noch tief verwurzelt.

    Ist Ihre Mutter denn noch fleißig in der Küche unterwegs und backt frische Nussecken für Ihre Fans?

    Jaja, die ist nicht zu stoppen und backt immer weiter. Man könnte denken, einer 80-Jährigen würde das irgendwann zu viel werden, aber sie will sich das von niemandem nehmen lassen. Die ist wirklich noch sehr aktiv und düst mit ihrem roten Auto täglich durch Trier.

    Ihr richtiger Name ist Horst Köhler. Hat sich unter Freunden Ihr Rufname Guildo etabliert, oder ist es bei Horst geblieben?

    Bei mir gibt es eine strikte Trennlinie zwischen Berufs- und Privatleben. Alles, was privat ist, bleibt bei mir auch privat, und da heiße ich natürlich Horst. Wenn ein Freund Guildo zu mir sagen würde, wäre es ja nicht mein Freund. Oder werden Sie von Ihren Freunden Journalistin genannt? Guildo Horn ist meine Berufsbezeichnung, nicht mehr und nicht weniger.

    Bei öffentlichen Terminen treten Sie gern in schrillen Outfits auf, auch heute haben Sie wieder alles gegeben. Ist das ebenfalls Teil der Guildo-Horn-Show?

    Das ist genau wie bei Clark Kent und Superman. Privat bin ich viel dezenter und schüchterner und lebe am liebsten zurückgezogen. Für Auftritte schlüpfe ich dann in eins meiner geliebten Kostüme.

    1998 sang Guildo beim Eurovision Song Contest. Foto: dpa
    1998 sang Guildo beim Eurovision Song Contest.
    Foto: dpa

    Ich bin von Ihren Schuhen ganz begeistert.

    Ja, bei dem Sauwetter dachte ich, ich ziehe mal was Robustes an, und da ist meine Wahl auf warme Fellstiefel gefallen. Cool, oder?

    Definitiv. Im Jahr 1998 feierten Sie den größten Hit Ihrer Schlagerkarriere, "Guildo hat euch lieb", und belegten den siebten Platz beim Eurovision Song Contest. Vermissen Sie den damaligen Hype um Ihre Person?

    Überhaupt nicht. Ich bin gestartet als Kunstfigur, weil ich Spaß haben wollte, und nicht, um berühmt zu werden. Ich wollte nie bekannt sein, sondern einfach nur gute Stimmung verbreiten. Aus irgendeinem Grund hat meine Musik zu der Zeit einen Nerv getroffen, und dann wurde das Ganze so groß, dass ich gar nicht mehr allein auf die Straße gehen konnte. Das bin ich nicht und will ich auch nicht mehr sein. Heute kann ich tun und lassen, was ich will, und muss mich nach niemandem richten - sehr viel angenehmer, glauben Sie mir. Sollte ich mein Berufsziel formulieren, wäre das, im oberen Drittel mitzuspielen, aber immer Zweite Liga. Da kannst du wie jeder andere in die Kneipe gehen und verdienst gleichzeitig genug Kohle. Denn bei aller Freude, die mir die Musik bringt, ich arbeite nicht nur, um zu leben, ich lebe auch, um zu arbeiten. Ich würde sagen, dass ich heute genau das richtige Maß an Arbeit und Entspannung für mich gefunden habe.

    Bestimmt haben Sie Fans, die genauso ausgeflippt sein können wie Sie.

    Da würde ich doch mal direkt zurückgehen ins Jahr 1998. Da gab es eine junge Dame, die ihren Beruf aufgegeben und die Heimat verlassen hat, nur um in die Wohnung neben mir ziehen zu können. Das war dann doch etwas sehr speziell. Oder eine Reporterin, die mich interviewte und anschließend beschattete. Die ist mir mit Fotograf und Kind überall hin gefolgt, bis ich sie an einer Ampel zur Rede gestellt habe. Also in mein Privatleben lasse ich mir wirklich nur sehr ungern pfuschen, und das habe ich ihr auch so zu verstehen gegeben. Anscheinend war ich überzeugend, habe die rasende Reporterin - im wahrsten Sinne des Wortes - nämlich nie wieder gesehen. Ich finde es heute total angenehm, auch mit meinen Fans. Meine Band und ich haben einen super Fanklub, die Leute sind alle echt klasse und machen viel Freude.

    Sicher, dass der Fanklub nicht in die Wohnung neben Ihnen gezogen ist?

    Ne, noch nicht, aber denen würde ich das vielleicht sogar anbieten. Oh man, das war was damals. Es war so schwer, die vom Bein zu kriegen.

    Sie haben eben schon Ihre Band angesprochen, "Die Orthopädischen Strümpfe". Macht es in einer Gruppe mehr Spaß zu musizieren?

    Finde ich viel angenehmer! Wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, bin ich auf der Bühne viel flexibler. Wir verstehen uns blind und ändern dann auch schon mal spontan Abläufe und Programm. Auch im Proberaum ist das ein ganz anderes Feeling. Wenn einer eine gute Idee hat, wird das auf jeden Fall ausprobiert.

    Wie kommt man auf den Bandnamen "Die Orthopädischen Strümpfe"?

    Das kommt aus einem Monty-Python-Sketch. "Wundersame Welt", gell.

    Fehlte es also an eigener Kreativität bei der Namensfindung?

    Ich habe eines meiner ersten Konzerte an der Universität Trier gegeben, und da wurde ich gefragt, welcher Bandname in das Programm geschrieben werden soll. Da es keinen Namen gab, musste schnell eine Lösung her. Monty-Python-Filme habe ich zu dieser Zeit verschlungen, und so bin ich drauf gekommen. Lieber gut geklaut als schlecht erfunden.

    Sie haben zwei süße Kinder, finden die die Kunstfigur Guildo Horn cool oder peinlich?

    Puh, da habe ich mich, um ehrlich zu sein, noch nie mit denen drüber unterhalten. Das ist eben mein Beruf, damit sind sie aufgewachsen, und ich glaube, dass das einfach Normalität für die beiden ist.

    Sie unterhalten Menschen nicht nur, sondern engagieren sich auch sozial. Wie passen Ihre schrille und Ihre fürsorgliche Seite zusammen?

    Im Leben passt alles zusammen. An soziale Projekte muss keiner mit Betroffenheit rangehen, das geht auch mit Lebensfreude. Ich habe nach meinem Abitur angefangen, mit behinderten Menschen zusammenzuarbeiten, und ich glaube, ich habe selten so viel gelacht. Das Miteinander war so unglaublich unbeschwert. Gerade geistig behinderte Menschen sind einfach so eins zu eins, so da, so positiv. Das lässt sich gut mit meiner Lebenseinstellung vereinen. Ich hoffe, sollte ich mal eine unheilbare Krankheitsdiagnose bekommen, dass ich auch dann noch positiv bin und - okay, vielleicht im zweiten Moment - Späßchen mache. Humor gibt Lebenskraft und öffnet dir die Tür zur unendlichen Leichtigkeit des Seins. Man muss auch mal loslassen können und einfach so durchs Leben surfen. Da gelingen dir die meisten Dinge. Bestes Beispiel: ich! Nicht so viel anfangen kann ich mit Zynikern. Rumgenörgel brauche ich nicht.

    Ihr Tipp?

    Immer locker durch die Hose atmen! Also ernsthaft jetzt: Mach das, wo du Lust drauf hast, nur so kann das Endergebnis stimmen. Loslegen und machen, nicht krampfhaft versuchen, etwas zu erreichen.

    Sie haben in der Trierer Lebenshilfe als Musiktherapeut gearbeitet. Was ist für Sie das Besondere an Musik?

    Musik vereint und bringt Menschen zusammen. Dieses Gefühl der Gemeinschaft verbindet total und motiviert. Wenn ich mit den geistig behinderten Kids gespielt habe, hat sich das natürlich nicht so ausgefuchst angehört wie mit meiner Band, darum ging es aber auch nicht. Wir haben trotzdem richtig gegroovt. Musizieren ist stückweit als Sozialisation zu verstehen: Du lernst zuzuhören, auf andere einzugehen und sich auf einem gemeinsamen Level zu begegnen. Was mir aufgefallen ist: In der Art des Musizierens spiegelt sich der Charakter einer Person wider. So habe ich viel über die Kids und Musik generell lernen können.

    Was lernen wir über Sie, wenn wir uns Songs anhören wie "Sternstunden der Zärtlichkeit" oder "König der Möwen"?

    Dass ich extrem vielseitig bin, oder? Ich antizipiere unheimlich schnell. Man muss mich nur in eine Richtung schubsen, und mir kommen 1000 Ideen.

    Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

    Im Moment ein Bett. Wenn das zu kompliziert ist, dann wünsche ich mir meine Kumpels herbei und die Liveübertragung eines Champions-League-Spiels. Ganz ehrlich - abgesehen von den Sorgen, die uns alle begleiten, bin ich wunschlos glücklich. Kitschig, oder?

    Guildo hat uns lieb

    Biografie Guildo Horn wurde 1963 in Trier geboren, bürgerlich heißt er Horst Köhler. Er absolvierte nach dem Abitur zunächst ein soziales Jahr in einer Lebenshilfe-Werkstatt für Menschen mit geistigen Behinderungen in Trier, studierte bis 1994 an der dortigen Universität Pädagogik und arbeitete nach dem Diplom als Musiktherapeut bei der Trierer Lebenshilfe. 1991 begann er, Schlager zu singen, und er machte sich rasch einen Namen. 1998 trat er mit dem Titel „Guildo hat euch lieb“ beim Eurovision Song Contest für Deutschland an und belegte den siebten Platz. Seitdem war er in zahlreichen Fernsehshows zu sehen, ging auf Tournee, spielte in Filmen mit und moderierte. Weitere Infos im Internet: www.guildo-horn.com
    Live zu sehen ist Guildo Horn zusammen mit den Orthopädischen Strümpfen am 16. Juli in Bendorf, am 23. Juli in Bonn, am 31. Juli in Mainz, am 26. November in Bonn, am 10. Dezember in Köln und am 23. Dezember in Trier. Tickets gibt es unter www.rhein-zeitung.de/tickets

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