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Münster

Tatort-Preview: Tierischer Krimi-Klamauk ohne Tiefgang

Der „Tatort“ aus Münster ist der Mario Barth, die Helene Fischer der allsonntäglichen Krimireihe. Meist ein Megabrüller, krachende Comedy, durchdacht bis ins kleinste Detail, ein Megaschlager, ausgeklügelte Drehbücher des Wahnsinns. Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) sind massentauglich, der Quotengarant der ARD. Pop. Doch so viel Zuspruch und Perfektionismus haben auch ihre Schattenseiten.

Redakteur Christian Kunst hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Durchschnittskost des Erfolgsduos Thiel und Boerne, lustig, aber zu gefällig und glatt.

Ermittlungen in tierischen Gefilden: Kann der Tod dieses Pinguins Thiel (links) und Boerne auf die richtige Spur im aktuellen Fall bringen?
Ermittlungen in tierischen Gefilden: Kann der Tod dieses Pinguins Thiel (links) und Boerne auf die richtige Spur im aktuellen Fall bringen?
Foto: ARD

Wie Mario Barth und Helene Fischer spalten Thiel und Boerne die Fernsehnation – für die einen sind sie Kult, für die anderen überflüssiger Klamauk, der in einem Sonntagsabendkrimi nichts zu suchen hat.

Auch der aktuelle Fall („Schlangengrube“) dürfte diese Spaltung nicht überwinden, eher vertiefen. Wieder investieren die Macher viel Energie und Zeit, um sich den Geschichten um den schrägen Rechtsmediziner und seinen grantelnd-putzigen Sidekick zu widmen. Boerne versucht sich als forensischer Fernsehkoch, Thiel will mit seinem Marihuana-kiffenden Vater ins Hippie-Paradies Amsterdam radeln. Und dann ist da noch Brillenpinguin-Weibchen Sandy aus dem Allwetterzoo Münster in einer Nebenrolle. Das possierliche Tierchen machte vor Jahren Schlagzeilen, weil sie sich in ihren Pfleger verliebte und ihm nicht mehr von der Seite wich. Mittlerweile interessiert sich Sandy wieder mehr für ihre Artgenossen. Im „Tatort“ ist sie Teil einer tierischen Verfolgungsjagd.

Ach so, einen Fall gibt es ganz nebenbei auch noch zu lösen. Das Mordopfer Patrizia Merkens ist sinnigerweise die Nachbarin von Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann). Die gerät prompt selbst unter Verdacht, weil sie die Nachbarin laut verflucht hat, nachdem ihr Dutzend Katzen seine Notdurft auf dem Teppich der Staatsanwältin verrichtet hat. Die andere Nachbarin beschuldigt also prompt Klemm, was deren Widersacherin im Amt, die ermittelnde Staatsanwältin Ungewitter für ihre Zwecke nutzen möchte.

Doch Thiel und Boerne verfolgen eine ganz andere Spur: Das Mordopfer verbrachte unglaublich viel Zeit im Zoo, spendierte als Mäzenin sogar sehr viel Geld für den Tierpark. Also ermittelt Thiel schließlich als Tierpfleger inkognito im Zoo. Dort trifft er auf einen dubiosen Tierarzt, einen seltsamen Zoo-TV-Moderator und einen ehrgeizigen Zoodirektor. Dann verschwindet auch noch das Testament der Toten. Wer hatte Interesse, dieses verschwinden zu lassen? Und welche Rolle spielt der Gourmet und Medienmogul Dr. Stockmann, den Boerne unbedingt beeindrucken will, weil Stockmann ihn als forensicher TV-Koch groß machen soll.

Am Ende schließen sich mal wieder alle Kreise, die der „Tatort“ in 90 Minuten mühsam zieht. Die Dialoge sind ausgefeilt wie immer. Doch die vielen Marotten, Kalauer und Komikelemente wollen nicht mehr so richtig verfangen. Das alles ist viel Klamauk, viel Lärm um nichts. Es gab Krimis des beliebten Duos, in denen sich der eigentliche Mordfall und die wortwitzige Nabelschau der Kommissare gegenseitig vorangetrieben haben. „Schlangengrube“ gehört definitiv nicht in diese Kategorie. Wer so viel Energie in die Rahmengeschichte steckt, der läuft Gefahr, beim eigentlichen Krimi an der Oberfläche kleben zu bleiben. Immerhin: Nach 90 Minuten ist man irgendwie satt geworden, ohne dass etwas hängen bleibt. Manchen reicht das.

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