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Hannover/Braunschweig

Preview: Terror „Tatort“: Realität hat Drehbuch (fast) eingeholt

Die erste Leiche in diesem "Tatort" kommt buchstäblich aus heiterem Himmel. Der Tote fällt aus einer Passagiermaschine, die kurz zuvor vom Flughafen Hannover gestartet ist, und landet im Pool einer Vorstadt-Villa. "Bumm, zack, Arschbombe", fasst es Kommissar Thorsten Falke beiläufig, aber prägnant zusammen.

Kommissar Thorsten Falke und seine neue Partnerin, Kommissarin Julia Grosz Foto: NDR/Marion von der Mehden
Kommissar Thorsten Falke und seine neue Partnerin, Kommissarin Julia Grosz
Foto: NDR/Marion von der Mehden

Falkes Flapsigkeit steht in krassem Kontrast zur Bedrohungslage, die der "Tatort" skizziert. Da geht es um einen Terroranschlag, den die "Braunschweiger Brigade" plant, eine Gruppe islamistischer Terroristen im norddeutschen Tiefland. Das Attentat soll unmittelbar bevorstehen.

Allerdings warten die Terroristen noch auf die Ankunft eines weiteren Gotteskriegers, der über den Flughafen Hannover eingeschleust werden soll – was jedoch nicht wie geplant funktioniert. Statt des Terroristen spricht der beauftragte Schleuser zuerst den falschen Mann an – und tötet ihn, als die Verwechslung auffliegt. Die Leiche versteckt er im Fahrwerk eines Flugzeugs. Von dort aus findet sie den Weg in den Vorstadt-Pool, was Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) auf den Plan ruft.

Puzzlespiel

Gemeinsam mit Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) von der Flughafen-Polizei – die nach dem Abgang von Kommissarin Katharina Lorenz als neue Partnerin in Stellung gebracht wird – puzzelt Falke den Hergang zusammen. Dabei stellt sich heraus, dass noch ein weiterer Passagier verschwunden ist: ein Mann namens Enis Günday. Für Falke ist klar: "Ein Terrorist kommt nach Hause."

Foto: frei

Nun mag diese Ausgangslage ein wenig formelhaft erscheinen. Allerdings ist der Plot um eine terroristische Bedrohung in Deutschland keine reine Fiktion mehr, wie die Absage des Länderspiels Deutschland-Niederlande im vergangenen November (übrigens in Hannover) und die Terrorwarnungen aus der Silvesternacht in München zeigen. Die ersten Ideen für diesen "Tatort" entstanden jedoch schon viel früher. Die Realität hat die Fiktion also eingeholt.

Ungeachtet dessen, bietet dieser "Tatort" richtig gute Fernsehunterhaltung. Drehbuchautor Florian Oeller interessiert sich für seine Figuren und gibt ihnen Motive mit, die ihre Handlungen nachvollziehbar machen. Die Story entwickelt er stringent. Da gibt es die solide Ermittlungsarbeit auf der einen Seite und die dramatische Zuspitzung der terroristischen Bedrohung auf der anderen Seite. Dabei hat das Drehbuch den Mut, in manchen Szenen kompromisslos zu bleiben.

Starke Szenen

Es gibt mehrere starke Szenen in diesem "Tatort", die Regisseur Özgür Yildirim mit gutem Gespür für die jeweilige Situation einfängt. Einmal zum Beispiel – Serienfans aufgepasst: "Breaking Bad" lässt grüßen – stehen sich Schleuser Rocky und Terrorist Enis gegenüber. Sie entdecken einige Gemeinsamkeiten. Unerwartet entsteht Nähe.

In einer anderen Szene folgen Falke und Grosz der Spur eines Verdächtigen. Ein Gitter versperrt ihnen den Weg. Falke tritt dagegen, wieder und wieder, ohne Erfolg. Grosz kommentiert: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jedes Mal dagegen tritt, wenn er da durch will." Sie findet einen Riegel und schiebt das Gitter beiseite. Falke: "War ja jetzt auch schon ein bisschen locker." Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Das macht Lust auf mehr.

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