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    Koblenz

    Anrechtskonzert: Chinesische Geigerin zeichnet stolze Spanierin

    Auch das soll einmal ausdrücklich aufgeschrieben sein, weil es weder immer so war, noch im klassischen Konzertbetrieb selbstverständlich ist: Bei den Anrechtskonzerten des Koblenzer Musik-Instituts zeigt sich das Publikum in diesem Herbst und Winter von seiner besten Seite. Trotz zahlreicher erkälteter Besucher herrscht während des Musizierens in der stets mit mehr als 1000 Menschen besetzten Rhein-Mosel-Halle im Auditorium aufmerksame Stille. Lautes Räuspern, Schnäuzen, Husten wird diszipliniert auf die Pausen zwischen den Sätzen und Stücken verschoben. Das hat auch schon manchen Gastdirigenten und -solisten hinter den Kulissen erfreute Anerkennung aussprechen lassen.

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Es gibt in der europäischen Musiktradition zwei regionale Färbungen, die selbst der Laie sofort zuordnen kann. Zum einen das ungarische Kolorit mit seinem Csárdás-Einschlag. Zum andern die Musik Spaniens. Deren Mischherkunft aus Kulturen der Mauren und der Roma begegnet uns mit einer unverwechselbaren modalen Tonalität wie sie etwa in Dutzenden Arten des Flamenco zum Ausdruck kommt. Das 6. Anrechtskonzert an diesem Wochenende sollte einem denn auch durchweg spanisch vorkommen. Mit Werken von Eduard Lalo und Joaquin Turina waren zwei romantische Meister des mittleren 19. und frühen 20. Jahrhunderts von der iberischen Halbinsel vertreten. Mit Nikolai Rimski-Korsakow ein russischer Zeitgenosse Lalos, dessen „Capriccio espagnol“ den Reiz bezeugt, der vom spanischen Stil auch für Nichtspanier ausgeht.

    Sinnfällige Personalwahl in dieser „Gästespielzeit”: Die Leitung des Spanienabends mit der Rheinischen Philharmonie ist Rubén Gimeno anvertraut, einem gefragten Vertreter der jüngeren Dirigentengeneration Spaniens. Der serviert mit Schwung und Akkuratesse ein abwechslungsreiches Konzert. Gerahmt von den eher gefälligen, recht filmmusikalisch anmutenden Turina-Stücken „La Procesión del Rocio“ sowie „Danzas fantásticas“, bietet es zwei Höhepunkte: Rimski-Korsakows Cappriccio in einer herrlich musikantisch schäumenden Interpretation sowie den Auftritt der 29-jährigen, aus China stammenden und in Kassel lebenden Geigerin Tianwa Yang als Solistin in Lalos „Symphonie espagnol“ d-Moll für Violine und Orchester.

    Faszinierend, wie die Spielweise der ernsten jungen Frau die Energie ihres Körpers für die Musik in Dienst nimmt. Aus wuchtiger bis tänzerischer Erdung des breitbeinigen Standes scheint die Geige ihre Töne zu beziehen mittels eines Formungsprozesses, der in den Füßen der Instrumentalistin beginnt und ihren sich krümmenden, drehenden, anspannenden Leib bis hinauf in Arme, Hände, Finger durchfließt. Heraus kommt ein Spiel, das mit technischer Virtuosität brilliert, selbst in irrwitzigen Tempopassagen mit auf Zehntelhöhe genauer Intonation überzeugt – und das zugleich vor allem individuellen Charakter hat.

    Namhafte Musikkritiker haben Tianwa Yang zuletzt der kleinen Weltelite im Geigenfach zugeschlagen. Es mag diesem Urteil wohl kaum widersprechen, wer jetzt in Koblenz das fulminante Können und die Hingabe erlebt, mit der sie Lalos Symphonie nutzt, um musikalisch quasi das Genrebild einer in ihrer Empfindsamkeit starken, stolzen, oft auch zornigen Spanierin vors innere Auge des Zuhörers zu zaubern.

    Die Komposition ist auf die Sologeige ausgerichtet, das Orchester über weite Strecken auf die grundierende Funktion verwiesen. Gimenos Dirigat folgt dieser Ordnung getreulich, was den Orchesterklang bisweilen etwas brav erscheinen lässt im Verhältnis zum Furor des Soloinstruments. Doch lässt es sich schwerlich den Akteuren ankreiden, dass sie die Absichten des Komponisten beim Wort nehmen.

     

     

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