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    Düsseldorf/Berlin

    "Tage wie diese" im Wahlkampf: Tote Hosen sauer auf Parteien

    Sie können nichts dagegen tun - außer motzen und sich öffentlich distanzieren: Die "Toten Hosen" stört, dass "Tage wie diese" bei Wahlkampfveranstaltungen läuft - "vor allen Dingen bei CDU und SPD".

    Es ist nicht der Bundesadler, vor dem die Hosen singen. Aber Campino ist auch nicht unpolitisch - und wünscht sich deshalb mit den Hosen, dass ihr Lied nicht ungefragt von Parteien genutzt wird.
    Es ist nicht der Bundesadler, vor dem die Hosen singen. Aber Campino ist auch nicht unpolitisch - und wünscht sich deshalb mit den Hosen, dass ihr Lied nicht ungefragt von Parteien genutzt wird.
    Foto: dpa

    "An Tagen wie diesen/wünscht man sich Unendlichkeit?" Wer auch immer das an Tagen im Wahlkampf wirklich will - die "Toten Hosen" möchten auf jeden Fall nicht vereinnahmt werden. Mehrfach seien sie auf das Lied bei Parteiveranstaltungen angesprochen worden. "Die Gefahr, dass Menschen auf die Idee kommen können, dass es eine Verbindung zwischen der Band und den dort beworbenen Inhalten gibt, macht uns wütend", kritisiert die Band in einer Erklärung.

    Ob Punkschuppen, Hochzeitsfeier oder Oktoberfest - eigentlich seien es ihnen ja egal, wann wem ihr Song Freude bereite, so die Hosen. "Wir empfinden es aber als unanständig und unkorrekt, dass unsere Musik auf politischen Wahlkampfveranstaltungen läuft."

    Hosen-Sänger Campino hat gerade in einem Interview mit dem österreichischen Magazin Profil erklärt, dass er wohl die Grünen wählen werde - "aber nur, weil ich sie für das geringste Übel halte". Er erwartet einen Wahlsieg von Merkel - und findet es enttäuschend sei, dass spannende Regierungskoalitionen wie CDU und Grüne quasi verhindert werden. "Und alles andere hebt sich nicht mehr voneinander ab." Den beeindruckendsten Politiker hatte er einmal Joschka Fischer genannt: "Ein Ex-Steineschmeißer wird Außenminister, darauf kann dieses Land stolz sein: dass manchmal verziehen wird und jeder noch eine Chance bekommt." 

    Er interessiere sich sehr für Politik, sagt er - um zugleich enttäuscht festzuhalten: "Wir müssen endlich akzeptieren, dass die Macht in der Politik heute von Firmen und der Industrie ausgeht." Er versuche, bei jeder großen Wahl zu wählen - "auch wenn ich bei Bekanntgabe der Wahlergebnisse bestimmt nicht so gespannt vor dem Fernseher sitze wie bei einem wichtigen Fußballturnier".

    Die Hosen wissen auch, dass sie keine Handhabe gegen die Musikauswahl der Parteistrategen haben. Wie hätte es also laufen sollen? "Es wäre ein Zeichen des Anstands gewesen, uns vorher zu fragen, ob wir ein Problem mit der Verwendung unserer Musik bei diesen Abenden haben und zu respektieren, wenn wir das nicht wollen."

    Wäre es nach der Urversion des Liedes gegangen, dann hätten die Toten Hosen dieses Problem aber wohl nicht.  Die erste Fassung handelte Campino zufolge von den Wiederholungen im Leben und davon, dass wir uns nach den ewig gleichen Mustern bewegen. Der ursprüngliche Refrain: "Wie wir immer unsere Kreise drehen". Eher nichts, womit Politik auftrumpfen möchte ... 

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

     

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