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    Udo Lindenberg gegen die Trumps dieser Welt: Panikrocker beendet Tour mit vielen Freunden in Köln

    Panikparty. Volles Rohr. Glitter, Rock und Karneval mit Orchester, Kinderchor und zahlreichen Stargästen. Darunter macht es Udo Lindenberg nicht. Wenn schon Show, dann aber richtig. Mit allem, was eben dazugehört. Herrlich. So macht Musik Spaß.

     

    Foto: Thomas Kölsch

    Von unserem Mitarbeiter Thomas Kölsch

    Auch das Abschlusskonzert seiner aktuellen „Stärker als die Zeit“-Tour in der Kölner Lanxess Arena ist eine Offenbarung, gespickt mit Überraschungen und Effekten, vor allem aber dominiert von einem überragenden Großmeister des Panikgesangs, der in Bestform übers Parkett tänzelt und sowohl das Leben als auch die Musik in vollen Zügen zu genießen scheint.

    Schon die Eröffnung ist der Hammer. In einer bildgewaltigen Filmsequenz bricht ein Schiff durch tosende Wellen, kämpft sich durch den Sturm, trotzt Poseidons Zorn und den unter der Oberfläche lauernden Sirenen, bevor sich der moderne Odysseus höchstselbst, Rockkapitän Lindenberg, vom Hallendach hinunter auf die Bühne schweben lässt und die ersten Töne anstimmt. Es ist ein Auftakt, der eines Superstars würdig ist und der deshalb für Udo gerade gut genug ist. 18.000 Fans jubeln ihm zu – die Lanxess Arena ist ebenso ausverkauft wie all die anderen Stadien, die der 71-Jährige drei Jahre nach seiner musikalischen Wiedergeburt mühelos füllt. Und schon kommen die ersten Hymnen, das gesungene Lebensmotto „Mach Mein Ding“ etwa, das berühmte „Cello“ oder der Freundschaftssong „Schwere Zeiten“.

    Konzert schon zu Beginn großes Kino

    Das Publikum ist natürlich textsicher und zugleich sprachlos angesichts des sich entfaltenden Spektakels samt starker Tänzerinnen, noch stärkerer Sängerinnen, wild rockender Musiker und einer überragenden Lichtshow. Mittendrin Lindenberg, wie gewohnt mit Hut und Sonnenbrille, eine Zigarre in der Hand, lässig, cool, eigenwillig, besonders. Ganz großes Kino. Und das ist erst der Anfang.

    Eines muss man Udo Lindenberg lassen: Er weiß, wie man feiert. Gleichzeitig gehört er aber auch zu den wenigen deutschen Künstlern von Rang, die sich immer wieder nachdrücklich politisch äußern, Missstände anprangern und auch in ihren Konzerten eine Haltung vertreten. Schon 1981 sang er im Duett mit dem damals gerade einmal zehnjährigen Pascal Kraevetz, dem Sohn seines Keyboarders, das Lied „Wozu sind Kriege da?“ – in der Lanxess Arena stimmt er selbige Nummer wieder an, erneut mit Kraevetz, aber zugleich verstärkt durch den Düsseldorfer Kinderchor „Kids on Stage“. Auch „Sie brauchen keinen Führer“ erklingt erneut, gekoppelt an eine leidenschaftliche Rede Lindenbergs gegen die Trumps und Wilders und Erdogans dieser Welt und begleitet von einem Gastauftritt des Musikers Wolfgang Niedeckens.

    Plädoyer für „Bunte Republik Deutschland“

    Der BAP-Sänger ist ähnlich wie Lindenberg gesellschaftlich engagiert, beide beziehen immer wieder Stellung gegen Kriegstreiberei, Fremdenfeindlichkeit und Hass – und beiden gelingt es regelmäßig, auch andere Künstler dazu zu motivieren. In diesem Konzert kulminiert all das in „Bunte Republik Deutschland“, jenem Multikulti-Gemeinschaftssong, bei dem die gesamte Halle vereint ein Zeichen setzt, während unter anderem Marteria und Daniel Wirtz einige Verse beitragen und die Domstadt zur „Bunten Republik Kölle“ machen.

    Immer weiter geht es, immer wilder wird es. Beim „Sonderzug nach Pankow“ ist die Show endgültig im Varieté angekommen. Die wechselnden Damen tauchen in burlesken Netzkostümen und anderen schrillen Outfits an der Seite Lindenbergs auf, der genüsslich den Paten des Rock mimt und ihre Huldigungen (und ihren starken Gesang, der das rauchige Genuschel des Meisters stützt) nur allzu gern entgegennimmt. Küsschen hier, Küsschen da, ist ja eh alles eine Familie. Seine Familie. Fast schon ein Hofstaat, zu dem sich auch langjährige Weggefährten wie Otto Waalkes oder Musical-Darstellerin Josephin Busch gesellen. Und eben die Fans, die Lindianer, die Don Udo die Treue geschworen haben. Der jedoch pflegt, fast so wie Major Tom, trotz allem über den Dingen zu schweben – mitunter auch im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ende, nach gut zweieinhalb Stunden und dem üblichen Schwur weiterzumachen, setzt er sich einen Astronautenhelm auf und verschwindet dahin, von wo er gekommen ist. Auf seine eigene Weise. Unnachahmlich. Einfach gut.

     

    "Panik City": Ein ganz besonderes Museum auf dem Hamburger Kiez

    Rockstar Udo Lindenberg (71) zieht's dauerhaft zum Kiez – mit einer „Panik City“ auf der Hamburger Reeperbahn. In der „Udo Lindenberg Experience“ will er von Herbst an Fans in seine Welt eintauchen lassen – auf einer Tour mit virtuellem Udo an der Seite. Das ausschließlich privat finanzierte Millionenprojekt soll mit hohen Panoramawänden und modernster Technik im Klubhaus St. Pauli entstehen. Dort fuhr Lindenberg jüngst in einem goldenen Trabant vor, um die Zeitreise anzukündigen. Zwischen echten Ausstellungsstücken auf 700 Quadratmetern soll es zu den wichtigsten Stationen seiner Karriere in West wie Ost, aber vor allem audiovisuell gehen.

    „Das wird kein Museum und keine Memory-Show, sondern ein Flug durch das Udoversum aus Hightech und Hightext, Multimedia und Magie“, erklärt es Lindenberg: Die Fans sollen „durch Raum und Zeit schweben“. Etwa per Drohnenflug über seine Geburtsstadt Gronau, mit dem Sonderzug nach Pankow, im Taxi durch seine Wahlheimat Hamburg zum Hotel Atlantic oder mit dem „Udo-Ufo“ über voll besetzte Stadien. Die einstündigen Touren sollen in Gruppen von 20 Besuchern starten. So fällt zwar bald im Operettenhaus an der Reeperbahn der letzte Vorhang für Lindenbergs Musical „Hinterm Horizont“ – doch dann geht's für Fans nebenan in der „Panik City“ weiter.

    Udo Lindenberg bietet „Ey, jetzt schon mal für den Newsletter eintragen!“ unter www.panikcity.de

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