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    Musiker sein in Koblenz: Es gibt Luft nach oben

    Wer in Koblenz Musiker ist, kennt Nächte, die einen vor Glück fast zerspringen lassen. Und andere, die dazu reizen, der Stadt die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wie einer verflossenen Liebe. Warum das so ist, erzählen junge Bands der Stadt, die jetzt im Rockbuster-Finale stehen.

    Die Musiker der Band René treten mit Alternativrock im Kuppelsaal der Festung an.
    Die Musiker der Band René treten mit Alternativrock im Kuppelsaal der Festung an.
    Foto: Künstler

    Weil sie zwar viele musikbegeisterte, kreative Köpfe zählt, Musiker hier aber auch nicht richtig von der Stelle kommen. Etwa weil eine große Bühne fehlt, auf der junge Talente stetig reifen können, weil die Masse lieber umsonst feiert, als ein paar Euro für Livekonzerte zu zahlen, oder weil schnell Alarm geschlagen wird, sobald es etwas lauter zugeht.

    Beim Rockbuster-Finale auf der Festung Ehrenbreitstein spielen Ultraschall: Sie haben für sich Alternative-Funk-Rock als Genre entdeckt.
    Beim Rockbuster-Finale auf der Festung Ehrenbreitstein spielen Ultraschall: Sie haben für sich Alternative-Funk-Rock als Genre entdeckt.
    Foto: Künstler

    „Als Musiker haben wir es schwer. Was wir machen, hat nun einmal mit Lautstärke zu tun“, sagt René Tholey, der vielen Koblenzern noch als „The Voice of Kowelenz“ bekannt sein dürfte. Für den Sänger ist es beinah eine Art Stadtmentalität, die Musiker und Veranstalter häufig in die Knie zwingt: „Der Abbruch des Bon-Jovi-Konzerts, einer wahnsinnigen Weltgröße, ist beispielhaft.“ Die Aktion aus dem Jahr 2006 scheint sich ins musikalische Gedächtnis der Stadt eingegraben zu haben. Das Ordnungsamt drohte dem Veranstalter damals aufgrund der Lautstärke mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren. Und auch aktuell wird wieder über Dezibelwerte debattiert – etwa bei Altstadtfesten, die auch für Bands wie René und Ultraschall potenzielle Bühnen bieten.

    Koblenz fehlt ein Konzertort

    Sie wollen auch diese nicht missen, denn Konzertbühnen gibt es ohnehin zu wenig. „Dass das Dreams als alternativer Konzertort dichtgemacht wurde, hat Koblenz den Rest gegeben“, sagt Tim Lademann, Gitarrist der Band Ultraschall. Weil der Pachtvertrag auslief, schloss die Rockdiskothek 2016. Eine attraktive Großbühne gibt es jetzt noch einmal im Jahr – zum Rockbuster-Finale, das am Samstag stattfindet. Diesmal sind René und Ultraschall dabei – sie haben sich neben vier weiteren Gruppen aus dem Land qualifiziert.

    Rockbuster-Finale am 14. Oktober, 19 Uhr, im Kuppelsaal der Festung Ehrenbreitstein.

    Für den Contest sind nominiert:

    Captain Risiko (Punkrock)
    Lilli Rubin (Pop)
    Philosophical Warlords and the kiss (Epic Rock)
    René (Pop-Rock)
    Ultraschall (Alternative Funkrock)
    Wendy I'm Home (Indie-Rock)

    Tickets kosten 12 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Abendkasse. Weitere Infos gibt es online  unter www.rockbuster.de

    Für viele Musiker in der Region ist der Wettbewerb der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Rock und Pop ein Trittbrett ins professionelle Musikgeschäft. Auch deswegen nehmen René und Ultraschall teil – gefördert werden etwa professionelle Studioaufnahmen, aber auch Erkenntnisprozesse: „Mit dem Rockbuster entscheidet sich, wie ernsthaft man Musik machen will“, sagt Chris Bauer, Drummer bei René. Schlagzeug spielte er vor zwei Jahren noch bei The Boomboxes, die 2015 beim Rockbuster gewannen. Danach trennte sich die Band, weil die Lebenswege auseinanderführten. Eigentlich keine große Sache, ändern sich Pläne in jungen Jahren doch permanent. Die Musiker von René und Ultraschall sehen das anders – sie wollen an einer Zukunft als Berufsmusiker arbeiten.

    Dass es schwierig wird, ist ihnen klar: Imagebildung ist ein Thema. Wer sich in den Charts oder im Konzertgeschäft etablieren will, kommt nicht um eine gewisse Marktgängigkeit herum. Ihre Haltung ist klar: Authentizität vor Inszenierung. Sie wollen ehrlich sein, in dem was sie tun. Trotzdem sagt Gitarrist Lademann auch: „Als Musiker bist du nie die Mitte der Gesellschaft. Eine Bandidentität brauchst du schon. Die bildet sich aber über Jahre aus sozialen Beziehungen. Aus Erfahrungen, die du mit Musikern und Fans teilst.“

    Ultraschall spielt seit sechs Jahren in fast ursprünglicher Besetzung zusammen. Als talentierte Nachwuchsband wurden sie 2015 zum Förderprogramm Berliner Festspiele eingeladen, um danach einen Wandel zu vollziehen. Ihr Schlagzeuger ging, ein neuer kam und mit ihm ein ganz eigener Sound: deutschsprachiger Alternative-Funk-Rock, konsequent minimalistisch. Ultraschall versteht sich als Liveband, die nach vorn geht. „Grooveorientierter als vorher“, findet Franz Meier, Bassist bei René. Er hat die Entwicklung Ultraschalls verfolgt, weil sich die Koblenzer Musiker ohnehin kennen, austauschen oder konkret zusammenarbeiten, obwohl das Koblenzer Pflaster kein leichtes ist. „Es geht um die Sache. Wir alle lieben Musik. Wir freuen uns füreinander, weil wir wissen, was Musik dem anderen bedeutet“, begründet Tholey, warum Konkurrenz keine Rolle spielt.

    René – Bereichernder Neuanfang

    Der Weg seiner Band erscheint weniger geradlinig. Als Singer-Songwriter machte sich René Tholey einen Namen. „Ich war bekannt als der Schnulzensänger von Koblenz“, sagt er selbstironisch. Dann wollte er das mögliche Soundspektrum einer Band ausschöpfen. Das war 2015. Seitdem sind die Musiker als deutschsprachige Alternativrockband zusammengewachsen. „Eine unglaubliche Bereicherung“, reflektiert Tholey diese Entscheidung, die auch das Musikerdasein trägt. Er glaubt: „Wenn man weiterkommen will, ist Koblenz nicht die Plattform.“ Manchmal verkaufe man sich unter Wert, verrät er und meint Auftritte ohne Bezahlung. Er stellt aber auch klar, dass es zum Glück kreative Nester gibt, in denen Musik nicht nur Konsumgut ist.

    Kneipen wie das Mephisto und Initiativen wie die LAG und Music Live förderten musikalische Leidenschaft, den großen Aufschlag bringt der Rockbuster – für Musiker ein Sprungbrett. Vielleicht auch aus einer Stadt heraus, die mehr für Musiker tun könnte. Sei es durch eine größere Kulanz vonseiten der Bürger oder mit der Erhaltung von Räumen, in denen Talente kontinuierlich wachsen können. Ein weiterer Punkt – für Konzerte zu zahlen. Das gelte leider auch für potenzielles Rockbuster-Publikum. Die Musiker hoffen auf ein Umdenken – auch damit es kreative Talente in Koblenz hält.

    Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

     

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