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Koblenz

Kulturpreis für Traditionspflege in stürmischen Zeiten

Claus Ambrosius

Seit 2010 ist er Intendant des traditionsreichen Musik-Instituts Koblenz, am Sonntag wird der Rechtsanwalt und Verleger Dr. Olaf Theisen für dieses Ehrenamt mit dem alle drei Jahre zu vergebenden Kulturpreis der Stadt Koblenz ausgezeichnet.

Träger des Kulturpreises der Stadt Koblenz 2017: Dr. Olaf Theisen  Foto: cla
Träger des Kulturpreises der Stadt Koblenz 2017: Dr. Olaf Theisen
Foto: cla

Wenn man „Leuchttürme der Kultur“ der Region aufzählt, fällt nach öffentlichen Instituten wie dem Theater der Stadt Koblenz und dem ebenfalls weit über Stadtgrenzen hinweg wirkenden Staatsorchester Rheinische Philharmonie schnell das Stichwort Musik-Institut Koblenz (MI). Seit 1808 steht es für das sinfonische Konzertwesen, hat Kriege überdauert, ist bis heute auch ein Tragpfeiler der bürgerlichen Gesellschaft. So ist sicherlich auch ein Lob dieser Tradition und deren Fortsetzung damit verbunden, wenn an diesem Sonntag der derzeitige Intendant des Musik-Instituts, Dr. Olaf Theisen, mit dem alle drei Jahre zu vergebenden Kulturpreis der Stadt Koblenz ausgezeichnet wird.

Seit 2010 steht der heute 54-jährige Rechtsanwalt, Verleger und Geschäftsführer eines Mainzer Fachverlags sowie hälftiger Mitgesellschafter des Mittelrhein-Verlags, in dem diese Zeitung erscheint, an der Spitze des Musik-Instituts – eine vergleichsweise überschaubare Zeit. Allerdings hatte Theisen seit seiner Übernahme der Intendanz eine der schwierigsten Bewährungsproben des Musik-Instituts zu bewältigen: Die Sanierung der Rhein-Mosel-Halle, der einzigen für große Sinfoniekonzerte volltauglichen Spielstätte der Stadt, machte zunächst den Umzug in die Sporthalle Oberwerth nötig. Und als die Sanierung der Rhein-Mosel-Halle länger dauert als geplant und die Stadt alle Mietverträge absagt, kommt es zu einem Novum der mehr als 200-jährigen Institutsgeschichte: Die Spielzeit 2011/2012 wird abgesagt.

Spielzeitabsage gut überstanden

Die Entscheidung wird heiß diskutiert: „Da lernte ich einige Menschen von ganz neuen Seiten kennen – positiv, aber auch anders“, erinnert sich Theisen in der Rückschau. Das Musik-Institut kam gut durch die Krise: Aktuell kann sich der Abonnentenstand sehen lassen, zusammen mit einem starken Einzelkartenverkauf waren die zehn Anrechtskonzerte der vergangenen Spielzeiten durchweg sehr gut nachgefragt.

Seinen ursprünglichen Interessen nach hätte der promovierte Jurist sich auch eine Laufbahn in Richtung Architektur oder bildende Kunst vorstellen können – doch aus der zunächst provisorischen Übernahme der Geschäftsführung bei der Mediengruppe Vereinigte Fachverlage in Mainz wurde eine dauerhafte Aufgabe. Hinzugekommen ist das MI-Ehrenamt. Dessen Turbulenzen konnte man kaum voraussehen – obwohl Theisen die Intendanz zwar nicht in die Wiege gelegt, ihm an dieser aber gewissermaßen besungen wurde: Sein Vater, Dr. Werner Theisen, stand dem MI von 1969 bis zu seinem Tod 1993 vor. So spielen Musik-Institut und Anrechtskonzerte seit jeher eine Rolle in Olaf Theisens Erinnerung – „aber eben aus der Sicht des Konzertbesuchers“, wie er betont.

Den Brückenschlag und das verbindend kittende Element über Jahrzehnte hinweg bildete der 44 Jahre lang als Geschäftsführer des MI wirkende Bernhard Riebling, der den Sohn des einstigen Intendanten zuerst in den Vorstand lockte und ihn schließlich auch dazu brachte, 2010 die Intendanz zu übernehmen. Und so wird Theisen am Sonntag den Kulturpreis der Stadt Koblenz sicher nicht ohne Dank an Bernhard Riebling entgegennehmen, der für sein Wirken bereits 2013 mit der Verdienstmedaille des Landes geehrt wurde.

Trotz bewegter Zeiten hat Olaf Theisen die Übernahme der Aufgabe nie bereut – und das, obwohl der Arbeitsumfang in manchen Zeiten den einer Halbtagsbeschäftigung oder gar mehr erreichte: Realistischerweise ist dies nur einzurichten für Menschen, die ihre Zeit recht frei einteilen können, möglichst über ein eigenes Büro verfügen – und im Idealfall über die nötigen Netzwerke und Möglichkeiten. All das war etwa gefragt, als das MI in die Sporthalle auswich: Hier initiierte Theisen die Unterstützung der Ausnahmespielzeit durch den Mittelrhein-Verlag, der auch die Sanierung und Aufrüstung der Orgel in der Rhein-Mosel-Halle förderte.

Erfolgsrezept ist kein Geheimnis

Die Aufgaben für das Musik-Institut, die Olaf Theisen beim Amtsantritt 2010 für sich definiert hat, werden sich nicht ändern: das MI auf wirtschaftlich von öffentlichen Subventionen unabhängigem Erfolgskurs halten, immer wieder auch um neues Publikum werben, dabei ein ebenso anspruchsvolles wie attraktives, auch in die Zukunft weisendes Konzertprogramm anbieten. Dafür ist der Kulturpreis Koblenz eine Bestätigung: „Ich freue mich über die Ehrung durch die Stadt, aber vor allem fühle ich mich durch die Arbeit für das Musik-Institut bereichert. In jedem Moment.“

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

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