40.000
  • Startseite
  • » Mythos Porsche 911
  • » Ferdinand A. Porsche: Der Erfinder des lächelnden Sportwagens
  • Aus unserem Archiv
    Zuffenhausen

    Ferdinand A. Porsche: Der Erfinder des lächelnden Sportwagens

    "Um einen Porsche 911 zu zeichnen, braucht man eigentlich nur zwei Striche", sagt Tony Hatter. Der Brite muss es wissen, er arbeitet seit rund einem Vierteljahrhundert als Designer bei Porsche und er hat Recht.

    Ferdinand Alexander „Butzi“ Porsche definierte die so einfache wie geniale Grundform des 911er. Designprofis von heute staunen noch darüber, dass das Design aus nur zwei Strichen besteht. Foto: Porsche
    Ferdinand Alexander „Butzi“ Porsche definierte die so einfache wie geniale Grundform des 911er. Designprofis von heute staunen noch darüber, dass das Design aus nur zwei Strichen besteht.
    Foto: Porsche

    Von unserem Mitarbeiter Günter Weigel

    Zumindest wenn man Striche als gebogene Linien betrachtet. Beide steigen kurz an und fallen dann lang und dynamisch ab, die längere der beiden Linien fängt am Scheinwerfer an und endet am Heck, die andere markiert die Frontscheibe samt Dachverlauf. Klare, einfache Linienführung, das ist eine der Grundideen des 911-Designs, die sich bis heute gehalten haben.

    Dazu eine definierte Schulter und eine Kabine, die darauf sitzt. Tony Hatter sieht das Elfer-Design als eine Art goldenen Schnitt, der in perfekten Proportionen mündet. Diese Proportionen, die schon der Ursprungsentwurf von Ferdinand Alexander "Butzi" Porsche definiert hat, sind allerdings bedingt durch technische Vorgaben, die bereits damals, also Ende der 50er-Jahre, gewissermaßen aus der Zeit gefallen waren. "Der 911er versinnbildlicht Ferdinand Porsches Ideal der Heckmotorkonstruktion, technisch obsolet - schon beim 356 - und deswegen einmalig", erklärt der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli. "Daraus ergab sich um 1950 ein Novum und seit dem 911er eine ästhetische Besonderheit: Der 911 ist der einzige Sportwagen, der lächelt - weil ihm der sportwagentypische, aggressive Kühlergrill fehlt."

    Designidee der 30er-Jahre

    Im Grunde führt der Elfer eine Designidee der 30er in die Neuzeit. Damals galt die Tropfenform als aerodynamisches Ideal, eine Vorstellung, die heute überholt ist. Weil Ferdinand Porsche aus dem VW Käfer den Sportwagen 356 entwickelte, war für den Elfer als dessen Nachfolger das Grundprinzip des Heckantriebs vorgegeben und auch die entsprechende Form mit dem abfallenden Heck. Bei den heute üblichen hohen Geschwindigkeiten benötigt der Elfer deshalb heute einen Spoiler, um die Nachteile dieses Hecks auszugleichen. Weil man Spoiler bei Porsche, sieht man von den explizit rennsportlichen Modellen ab, im Normalfall höchstens dezent integrieren mag, wuchs das Heck im Laufe der letzten drei Generationen des Elfers immer höher, um die aerodynamisch nötige Abrisskante zu ermöglichen, eine Kante, die Tumminelli allerdings stört. Er erkennt "im neuen Modell zum ersten Mal Blechfalten - über den Rückleuchten. Dieser kreative Touch steht für mich im unnötigen Widerspruch mit dem Design DNA von Porsche seit 1950: glatt, konvex, schlicht."

    Behutsam in die Neuzeit geführt

    Dabei haben die Porsche-Designer das alte Konzept insgesamt behutsam in die Neuzeit geführt. Das Auto wurde zwar länger und vor allem breiter, aber jede Generation ist auf den ersten Blick als Elfer zu erkennen. Eine Leistung, die auch der Design-Forscher und Kritiker Tumminelli mit Respekt betrachtet. "Die Fähigkeit, eine Form über mehrere Baureihen aufrecht zu erhalten, ja sogar vor schlechten Zeiten zu schützen, sie dabei stets zu modernisieren, ohne bis heute an Erkennbarkeit zu verlieren, zeugt von einer richtigen, klugen Entwicklung", urteilt der Kölner.

    Seit Ferdinand Alexander Porsche kam das Unternehmen mit drei Designchefs aus. "Butzi" verließ Porsche 1971. Danach führte Tony Lapin die gestalterische Kreativabteilung der Zuffenhausener. Zwischen 1989 und 2004 zeichnete Harm Lagaay für die Form der Modelle verantwortlich, seitdem ist Michael Mauer Chef der Designer. Der ehemalige Leiter der Saab-Gestaltung hat heute die Aufgabe, sehr unterschiedliche Modellreihen mit den Design-Genen von Porsche zu versehen. Die stammen natürlich vom Elfer und wenn man genau hinschaut, kann man selbst in der Linienführung des SUV Cayenne oder in der Form der Panamera-Limousine eine Idee des Elfers entdecken. Zugegeben, man braucht dazu vielleicht mehr als zwei Striche.

    So gut das Design des Elfers allerdings auch sein mag, es ist nur eine Komponente des Erfolges dieser Sportwagenikone. Für Paolo Tumminelli ist der Porsche 911 zudem "der einzige Sportwagen, der keine Rechtfertigung erfordert: die demokratische Abstammung von VW, die kindertauglichen 2+2 Sitze, die verhältnismäßig hohe Energieeffizienz, die Langlebigkeit, also auch der Werterhalt der Form sind in dieser Kombination einmalig".

    Steve McQueen: Sein berühmter Porsche 911 wurde für 1 Million Euro versteigert
    Porsche 911
    Meistgelesene Artikel