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    Berlin

    Sportbetrug: Doper sollen hinter Gitter

    Wer beim Dopen erwischt wird, könnte bald mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. Justizminister Heiko Maas (SPD) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) wollen heute in Berlin einen entsprechenden Gesetzentwurf vorstellen.

    Nicole Resch
    Die IBU-Generalsekretärin will schnellere Doping-Verfahren durchsetzen.
    Foto: Martin Schutt – DPA

    Von unseren Berliner Korrespondenten Jan Drebes und Rena Lehmann

    Seit Jahren wird über ein Anti-Doping-Gesetz debattiert. Denn die deutsche Justiz hat im Vergleich zu anderen Ländern bisher kaum Möglichkeiten, gegen dopende Leistungssportler und deren Hintermänner vorzugehen. Rechtsexperten halten es daher für notwendig, dass es künftig einen Straftatbestand Sportbetrug gibt.

    Der Gesetzentwurf sieht nun vor, dass schon der Besitz von Doping-Mitteln strafbar ist, egal in welcher Menge. Er soll den Plänen zufolge im April im Kabinett beschlossen werden. Um das Für und Wider eines Anti-Doping-Gesetzes wird seit Langem zwischen Sportverbänden und Politik gerungen. Verbände wie der Deutsche Olympische Sportbund halten es für ausreichend, wenn die Sportgerichte etwa Sportler unter Dopingverdacht für Wettbewerbe sperren.

    Künftig sollen auch Hintermänner wie Ärzte und Dealer hart bestraft werden können, Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren sollen hier in Zukunft möglich sein, vor allem, wenn minderjährige Sportler betroffen sind. Freizeitsportler sind von dem neuen Gesetz ausgenommen, es geht um eine Handhabe gegen dopende Leistungssportler, die mit ihrem Sport auch "erhebliche Einnahmen" erzielen, schreibt die "Süddeutsche".

    Staatsanwälte hatten seit Langem bessere Zugriffsmöglichkeiten gefordert. Derzeit ist es für sie schwierig, überhaupt im Spitzensport zu ermitteln, "weil wir von den Verbänden nicht oder unzureichend über Doping-Vorgänge informiert werden. Ohne Verdacht können wir nicht ermitteln", sagt ein Experte.

    Die Ermittler mussten sich bislang auf Vorschriften aus dem deutschen Arzneimittelgesetz berufen, um überhaupt gegen gedopte Leistungssportler vorgehen zu können. Angaben früherer Athleten zufolge wirken staatliche Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft aber wesentlich abschreckender als reine Sportgerichtsverfahren. Nicht zuletzt wegen der vorgesehenen möglichen Strafen.

    Der Teammanager des Deutschen Fußball-Bundes, Oliver Bierhoff, begrüßte gestern den Entwurf. "Nur mit harten, drastischen Strafen schafft man es, den Sport sauber zu bekommen", sagte Bierhoff. Auch Rudolf Scharping, Präsident des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR), meint, "dass damit die Grundlagen für staatliches Handeln und gerichtliche Entscheidungen verschärft werden, um vor allem die Hintermänner und kriminellen Netzwerke des Doping zu treffen". Der Mainzer Mediziner und bekannte Anti-Doping-Kämpfer Perikles Simon meint: "Drei Jahre Haft können für einen dopenden Athleten ein angemessenes Strafmaß sein, wenn dieser auch konkurrierende Sportler oder sein Mannschaftsumfeld dazu nötigt, zu illegalen Mitteln zu greifen." Rechtsexperten befürchten allerdings, dass der Entwurf im parlamentarischen Verfahren an Schärfe verlieren könnte.

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