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    Berlin

    Russische Sanktionen: Landwirte kämpfen mit sinkenden Preisen

    Eine schwächelnde globale Konjunktur, weltweit gute Ernten und das russische Embargo für Agrarprodukte aus der EU lassen deutsche Bauern besorgt in die Zukunft blicken.

    Der russische Importstopp führte zu einem katastrophalen Preisverfall bei Wein- und Obstbauern in diesem Herbst.
    Der russische Importstopp führte zu einem katastrophalen Preisverfall bei Wein- und Obstbauern in diesem Herbst.
    Foto: dpa

    Von unserem Reporter Stefan Hantzschmann

    Zwar erzielten die Betriebe im Wirtschaftsjahr 2013/2014 höhere Gewinne, doch Prognosen des Deutschen Bauernverbandes zufolge müssen Landwirte fast aller Sparten für das kommende Jahr mit Verlusten rechnen. "Die Agrarpreise sind mittlerweile auf Talfahrt", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, bei der Vorstellung des Situationsberichts der Landwirtschaft in Berlin.

    Die jüngsten Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in seiner Rede an die Nation dürften zudem die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Ukraine-Krise dämpfen. Putin warf dem Westen eine Unterwerfungspolitik vor und machte klar, dass jeglicher Druck auf Moskau zwecklos sei. "Wir werden uns nicht beugen", sagte er. Die Sanktionen des Westens in der Ukraine-Krise bezeichnete Putin als Vorwand. Seiner Ansicht nach schaden die Strafmaßnahmen gegen sein Land der EU und den USA selbst erheblich. Für Russland seien die Strafmaßnahmen dagegen ein Ansporn. "Die Sanktionen sind der beste Anreiz für das Erreichen unserer Ziele", sagte der Kremlchef.

    Konkurrenz kommt aus Polen

    Für die deutschen Bauern ist das kein gutes Signal. Denn sie leiden schon jetzt unter dem russischen Einfuhrstopp für Agrarprodukte. Zwar stieg im abgelaufenen Wirtschaftsjahr das durchschnittliche Unternehmensergebnis aller Haupterwerbsbetriebe um 6 Prozent. Allerdings sind darin nur Zahlen bis Ende Juni 2014 berücksichtigt. Die Auswirkungen des seit 7. August geltenden russischen Embargos sind darin nicht enthalten. Laut Bauernverband führte das Einfuhrverbot zu einem katastrophalen Preisverfall bei Wein- und Obstbauern in diesem Herbst.

    Auf die deutschen Produzenten haben die russischen Sanktionen vor allem indirekte Auswirkungen, weil Produkte, die osteuropäische Länder zuvor nach Russland lieferten, nun auf dem europäischen Markt verkauft werden. Deshalb geraten die Preise unter Druck. Beispiel Obstbau: "Polen hat jährlich rund 600 000 Tonnen Äpfel nach Russland exportiert. Wenn davon nur 100 000 Tonnen auf den deutschen Markt kommen, bringt das den Markt zum Kollabieren", sagte Rukwied.

    Probleme bei Milch und Fleisch

    Auch in den Bereichen Milch und Fleisch geraten die Preise wegen des russischen Einfuhrverbotes unter Druck. Zwar exportieren die deutschen Bauern schon seit Jahren weniger Waren nach Russland. Dafür füllen aber vor allem Dänemark und die Niederlande diese Exportlücke aus. Seit dem Embargo bieten beide Länder ihre Produkte auf dem europäischen Markt an, was die Preise sinken lässt.

    Der Präsident des Bauernverbandes Rheinland-Nassau, Leo Blum, fordert deshalb Unterstützung für die Landwirte vom Bund. "Ich könnte mir vorstellen, mithilfe von Bundesmitteln die Beiträge für die landwirtschaftliche Unfallversicherung abzusenken", sagte Blum im Gespräch mit unserer Zeitung. "100 Millionen Euro zusätzlich, das wäre ein Signal, und davon hätte jeder Landwirt einen Vorteil."

    Auch der Bundesvorsitzende Rukwied fordert eine Aufstockung: "Wir hatten einmal einen Zuschuss von 200 Millionen Euro, das war eine gute Zahl", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Rukwied begründete die Forderung aber mit der Altersstruktur in der Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche Unfallversicherung ist verpflichtend für alle Bauern und wird seit 1963 vom Bund bezuschusst - mit rund 125 Millionen Euro im Jahr 2014.

    Russische Sanktionen: Bauern im Land unter Druck
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