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    Berlin

    Gesundheit: Fast jede zweite Klinik im Minus

    Die Kliniken stecken in einer so tiefen Finanzmisere, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Versorgung in Deutschland gefährdet sieht. Zum heute in Düsseldorf beginnenden Krankenhaustag sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum unserer Zeitung: "Wir müssen leider die betrübliche Feststellung machen, dass wir anhaltend hohe Zahlen von Krankenhäusern mit Verlusten haben."

    Weil 42 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, sorgt sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft um die Gesundheitsversorgung. Foto: dpa
    Weil 42 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, sorgt sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft um die Gesundheitsversorgung.
    Foto: dpa

    Von unserer Berliner Korrespondentin Eva Quadbeck

    42 Prozent der Krankenhäuser hätten im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Baum betonte, dies sei der zweitschlechteste Wert seit Erhebung dieser Statistik.

    Demnach beurteilt nur jedes vierte Krankenhaus seine Finanzlage als eher gut. Auch der Blick in die Zukunft lässt keine Besserung erwarten. Mehr als 40 Prozent der Kliniken in Deutschland rechnen sogar damit, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird, berichtete Baum. Das seien "katastrophale Werte". Aus diesem anhaltend negativen Trend folge eine "Gefahr für die Krankenhausversorgung in Deutschland".

    Besonders dramatisch sieht die Lage bei den Geburtsstationen aus. Durch den Geburtenrückgang wird es für die Kliniken immer schwieriger, ihre Entbindungsstationen wirtschaftlich zu führen. "58 Prozent der Geburtsabteilungen schreiben Verluste", sagte Baum. "Wir müssen aber dafür sorgen, dass auch bei weniger Geburten die Entbindungsstationen aufrechterhalten werden können, ansonsten werden die Wege für die Mütter und Familien zu lang."

    Der DKG-Chef forderte Sicherstellungszuschläge für Kliniken mit Geburtsstationen in ländlichen Gebieten. Er warnte, die Krankenhäuser befänden sich bei den Geburtsstationen bereits in einem "beachtlichen Abbauprozess". Seit 2003 ist ihm zufolge ein Rückgang um mehr als 200 Geburtsabteilungen zu verzeichnen.

    Die Große Koalition in Berlin plant eine umfassende Krankenhausreform. Dazu tagt seit dem Frühsommer eine Gruppe aus Vertretern von Bund und Ländern. Ziel der Reform ist es, Überkapazitäten abzubauen und zugleich die Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. Zudem sollen Krankenhäuser künftig nach der Qualität ihrer Behandlung bezahlt werden. Kliniken, in denen Patienten besonders häufig unter Komplikationen leiden, sollen künftig Abschläge hinnehmen müssen.

    Baum bezweifelt, dass dieses Konzept aufgeht. "Beim Zahnarzt kommt niemand auf die Idee, das Honorar zu kürzen, wenn die Qualität nicht 100-prozentig ist. Bei den Krankenhäusern will man jetzt experimentieren", kritisierte er. Wenn Kliniken wirklich Qualitätsdefizite hätten, dann dürften sie nicht länger diese Leistungen erbringen. Er warnte auch davor, dass die geplante Umstellung zu "einer risikoorientierten Patientenauswahl" führen könne, bei der "die Kliniken zu vermeiden versuchen, multimorbide Patienten anzunehmen".

    Die Krankenhäuser sehen die Hauptursache ihrer Finanzmisere in Verfehlungen der zuständigen Politiker in Bund und Ländern. Baum beklagt, die Kostensteigerungen, die die Krankenhäuser beispielsweise durch steigende Löhne, steigende Energiepreise und steigende Haftpflichtprämien hätten, würden über die Vergütungssteigerungen nicht gedeckt. Zudem kämen die Länder ihrer Pflicht nicht nach, notwendige Investitionen und Sanierungen zu finanzieren. "Sie zahlen nur 50 Prozent des Bedarfs", sagte Baum.

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