Archivierter Artikel vom 10.04.2019, 18:59 Uhr

Wie funktioniert das Riesenteleskop, das einen Golfball auf dem Mond fotografieren könnte?

Die im Event Horizon Telescope (EHT) eingesetzte Technik heißt Very-Long-Baseline Interferometrie, kurz VLBI. Dabei beobachten mehrere weit voneinander entfernte Radioteleskope denselben Himmelskörper auf derselben Frequenz. Die Messdaten werden von Computern aufgezeichnet und mit äußerst genauen Zeitmarkierungen, „Zeitstempeln“, versehen.

Jochen MagnusLesezeit: 1 Minuten

Astronom Dr. Alan Roy mit Festplatten. Er beobachtete in Chile am APEX-Teleskop das Schwarze Loch. Foto: Magnus
Astronom Dr. Alan Roy mit Festplatten. Er beobachtete in Chile am APEX-Teleskop das Schwarze Loch.
Foto: Magnus

Die Aufzeichnungen, Billiarden Bytes, wurden auf insgesamt 880 Festplatten in ein Rechenzentrum transportiert und dort mit ausgefeilten mathematischen Methoden zu einem Bild zusammengerechnet. Den sehr leistungsfähigen Computer nennt man Korrelator. Das kombinierte Ergebnis kann winzige Details auflösen, so als ob das Bild von einem Hunderte Kilometer durchmessenden Einzelteleskop aufgenommen worden wäre. Mit dieser Auflösung könnte man vom Erdboden aus einen Golfball auf dem Mond identifizieren.

Professor Eduardo Ros war auch an den Beobachtungen des Schwarzen Lochs und vor allem an der Datensammlung und Zusammenführung beteiligt. Hier zeigt er ältere Spezialhardware aus seiner „Sammlung“. (Foto von 2017)
Professor Eduardo Ros war auch an den Beobachtungen des Schwarzen Lochs und vor allem an der Datensammlung und Zusammenführung beteiligt. Hier zeigt er ältere Spezialhardware aus seiner „Sammlung“. (Foto von 2017)
Foto: Jochen Magnus

Für das EHT-Projekt beobachten acht Radioteleskope weltweit sechs verschiedene Schwarze-Loch-Kandidaten, darunter auch Sagittarius A* (gesprochen „A Stern“) im 25.000 Lichtjahre entfernten Zentrum unserer Heimatgalaxie, der sogenannten Milchstraße. Die Teleskope stehen in Südspanien, in Chile, auf Hawaii, in Arizona, Mexiko und am Südpol.

Die gewonnenen Daten wurden während der Messungen vom 4. bis 14. April 2017 auf vielen Dutzend handelsüblichen 8-Terabyte-Festplatten gespeichert und zu den beiden Korrelatoren des Projektes verfrachtet. Außer im Fall des Südpolteleskops geschah das über normale Paketunternehmen. Ein Korrelator befindet sich MPIfR in Bonn, der zweite am Haystack Observatory im US-Bundesstaat Massachusetts. Jochen Magnus