Archivierter Artikel vom 20.12.2010, 13:58 Uhr
Minsk

„Vater“ oder „Psychopath“? Lukaschenko regiert mit eiserner Hand

Seine weißrussischen Landsleute müssen Staatschef Alexander Lukaschenko „Batka“ nennen – „Väterchen“.

Lukaschenko
Alexander Lukaschenko strebt seine vierte Amtszeit als Präsident von Weißrussland an.

Minsk – Seine weißrussischen Landsleute müssen Staatschef Alexander Lukaschenko „Batka“ nennen – „Väterchen“. Doch für seine Kritiker ist der autoritär regierende Präsident der „letzte Diktator Europas“, der die frühere Sowjetrepublik seit 1994 mit harter Hand regiert. Mit stalinistischen Methoden schaltete der Sowjetnostalgiker, der in der Vergangenheit wiederholt Sympathie für Adolf Hitler erkennen ließ, seine Gegner aus.

In der Öffentlichkeit präsentiert sich Lukaschenko gerne als liebevoller Vater mit seinem außerehelichen Sohn Nikolai, kurz Kolja. Der Sechsjährige durfte bei der Abstimmung am Sonntag für ihn den Wahlzettel in die Urne werfen. Lukaschenko ließ unlängst sogar sein Geburtsdatum vom 30. auf den 31. August ändern, um mit Kolja gemeinsam feiern zu können.

Vor allem bei ärmeren Menschen ist der Herrscher beliebt – mit billigem Öl und Gas aus Russland legte er die Grundlagen für ein gewisses Wirtschaftswachstum. Mit dem mächtigen Nachbarn hätte es sich der Präsident mit der Fistelstimme in diesem Jahr aber fast verscherzt. Nach Attacken aus Minsk gegen Moskau hatte das russische Staatsfernsehen Lukaschenko als „Psychopathen“ beschimpft. Doch kurz vor der Wahl versöhnte sich „Batka“ mit Kremlchef Dmitri Medwedew. 1954 in ärmlichen Verhältnissen an der Grenze zu Russland geboren, wuchs Lukaschenko ohne Vater auf. Er studierte Geschichte und Landwirtschaft, bevor er von 1987 eine Kolchose leitete. Nach der Unabhängigkeit 1991 erlangte der oft als „bauernschlau“ Beschriebene im Parlament als Kämpfer gegen die Kriminalität Berühmtheit.

Die Macht werde Lukaschenko niemals freiwillig abgeben, schrieben US-Diplomaten bereits 2006 nach Washington. Allerdings hat Lukaschenko halb im Scherz schon vor einigen Jahren selbst einen möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht: „Wenn es darum ginge, würde ich den Kleinen vorbereiten. Das ist ein wunderbares Männchen.“ Gemeint war Kolja, der ihn oft auf Staatsreisen begleitet. dpa