Archivierter Artikel vom 04.03.2012, 20:50 Uhr
Mainz

Eltern: Streik ist radikal und rücksichtslos

Kritik an der kurzfristigen Ankündigung des Warnstreiks am Montag übt der Stadtelternausschuss (Stea), weil die städtischen Kitas geschlossen bleiben, aber keine Notfallbetreuung vereinbart wurde. Aber auch die Arbeitgeber bekommen ihr fett weg. Sie sollen den Beschäftigten ein ordentliches Angebot machen, sagte Stea-Sprecher Andreas Winheller.

Verdi ruft zum Warnstreik auf.
Verdi ruft zum Warnstreik auf.
Foto: dpa

Mainz – Der Stadtelternausschuss (Stea) der Kindertagesstätten ist bitter enttäuscht und verärgert über die kurzfristige Ankündigung eines Warnstreiks durch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi (wir berichteten) für den heutigen Montag. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, stellt Stea-Sprecher Andreas Winheller fest.

Erst vor zwei Monaten hätten die Mainzer Eltern zugestimmt, die Kitas einen zusätzlichen Tag pro Jahr für einen weiteren sogenannten Teamtag zu schließen. Der Stea erwarte, dass Verdi und die Erzieherinnen diese Vorleistung auch würdigten. „Wir sind sehr enttäuscht, dass jetzt am Montag für einen schlichten Warnstreik in Mainz wieder viele Kitas lahmgelegt werden sollen, ohne einen Notdienst aufrecht zu erhalten“, so Stea-Sprecher Heinrich Schykowski. Es sei das Mindeste, dass jedes betreuungsbedürftige Kind, dessen Eltern keine Alternative hätten, eine Basisbetreuung erhalte.

Ein Keil zwischen Eltern und Erzieher

Ohne Not würde so ein Keil zwischen Erziehungspersonal und Eltern getrieben. Besonders ärgerlich sei, dass die Gewerkschaft sogar Krippen bestreike, obwohl ihr bekannt sei, dass gerade bei den Krippenkindern fast alle Eltern arbeiten müssten. So träfe der Streik die Schwächsten. „Mit solch einer rücksichtslosen Streiktaktik macht man sich keine Freunde“, bekräftigt Schykowski. Es hätten sich bereits Eltern gemeldet, die Aktionen gegen Verdi forderten.

Streikrecht nicht in Frage

Der Stea stelle keineswegs das Streikrecht in Frage, doch die meisten Eltern seien am Freitag beim Abholen ihrer Kinder von der Ankündigung kalt erwischt worden und hätten keine Möglichkeit mehr gehabt, für heute eine Betreuung zu organisieren. „Es geht nicht um das Ob des Streiks, sondern um das Wie“, erklärt Winheller. „Wer ohne rechtzeitige Vorwarnung und ohne Notdienst Kitas sabotiert, trägt auch die Verantwortung für die sozialen Verwerfungen.“ Da könne Verdi die Schuld nicht auf die Arbeitgeber schieben. Stea und Verdi hätten andere Spielregeln vereinbart. „Wenn Verdi die Solidarität der Eltern will, dann sollten die Funktionäre sich schnellstens besinnen, und auch im Arbeitskampf fair mit den Eltern und Kindern umgehen.“

Kritik an Arbeitgeber

Gleichzeitig kritisiert der Stea das Verhalten der kommunalen Arbeitgeber, das die Streiks provoziert habe. „Wer die Arbeitnehmer so arrogant abbügelt, anstatt wenigstens ein faires Verhandlungsangebot auf den Tisch zu legen, ist ein Brandstifter für den sozialen Frieden in Deutschland“, kritisiert Winheller. „Die Zeche für diese Politik der Arbeitgeber zahlen jetzt unsere Kinder.“

Der Stea fordere die Stadt deshalb auf, sich im Arbeitgeberverband dafür einzusetzen, endlich ein faires Verhandlungsangebot vorzulegen, damit ein echter Arbeitskampf vermieden werden kann. Außerdem fordert die Elternvertretung Stadtverwaltung und Gewerkschaften auf, sich schnellstens zusammenzusetzen, um vorsorglich eine tragfähige Notdienstvereinbarung für weitere Streiktage auszuhandeln. Winheller: „Ein Streikchaos wie das letzte Mal halten die Eltern nicht durch.“

Jochen Dietz