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Westerburg

Selbsthilfe im Westerwald: Gemeinsam einen neuen Weg gehen

Angela Baumeier

In den lichtdurchfluteten Räumen der Wekiss in Westerburg, in denen ein gemütliches Sofa geradezu dazu einlädt, sich hineinplumpsen und die Seele baumeln zu lassen, hängen an der Wand viele Kartensprüche. Einer davon lautet: „Du allein schaffst es, aber Du schaffst es nicht allein.“ Der Spruch bringt auf den Punkt, was Selbsthilfe ausmacht. Dass es Selbsthilfegruppen (SHG) gibt, sie sich gründen, angeleitet an den Start gehen und so vielen Menschen eine Hilfe sein können, darum kümmert sich die Westerwälder Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Wekiss), die vor 26 Jahren gegründet wurde.

Über die Arbeit der Wekiss berichteten (von links): Yvonne Theiß, Lena Haferstock, Andrea Hartmann sowie Leiterin Elfi-Gül Hollweck. Fotos: Röder-Moldenhauer
Über die Arbeit der Wekiss berichteten (von links): Yvonne Theiß, Lena Haferstock, Andrea Hartmann sowie Leiterin Elfi-Gül Hollweck. Fotos: Röder-Moldenhauer
Foto: Roeder-Moldenhau

Die aktivierende Seniorenhilfe voranbringen und in Selbsthilfegruppen Menschen zu befähigen, sich selbst zu helfen: Diese Ziele hat sich die Wekiss für 2018 auf die Fahnen geschrieben. „Selbsthilfe bedeutet: Du bekommst das Handwerkszeug, um dir selbst zu helfen. Das verschafft ein positives Lebensgefühl“, erläutert Elfi-Gül Hollweck. Im November 2016 hat sie die Leitung der Wekiss übernommen, die zuvor Regina Karrenbauer, Vera Apel-Jösch und Michelle Bautz innehatten. „Für mich schließt sich der Kreis hier“, stellt Hollweck lachend fest. Denn in den 1990er-Jahren, als die Wekiss noch in den Kinderschuhen steckte und gerade von Regina Karrenbauer und Winfried Weber aus der Taufe gehoben war, absolvierte sie beim Verein für Behindertenarbeit ihre kaufmännische Ausbildung am Paritätischen Zentrum in Westerburg. Nach zehn Jahren in Westerburg folgte ein zehnjähriger „Ausflug“ in die freie Wirtschaft, dann wurde Hollweck Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) Mainz. „Meine Leidenschaft gilt der Selbsthilfe. Nun bin ich zu den Anfängen zurückgekehrt“, schmunzelt die 53-Jährige. Wie zwei Schwestern arbeiten heute die Wekiss und die Kiss Mainz zusammen. „Es war mir ein großes Anliegen, dass wir nicht mehr ,die und wir‘ sagen“, berichtet Elfi-Gül Hollweck. Deutlich wird das an dem Bild auf dem neuen, gemeinsamen Flyer: Lauter emsige Bienchen bilden einen gemeinsamen Schwarm. Ihr „Bienenstock“ ist der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Seit 2002 bildet die Wekiss ehrenamtliche Clowndoktoren aus, die ihre besondere Medizin an kleine Patienten verteilen.
Seit 2002 bildet die Wekiss ehrenamtliche Clowndoktoren aus, die ihre besondere Medizin an kleine Patienten verteilen.
Foto: Röder-Moldenhau

„Gerade im ländlichen Raum ist es wichtig, Senioren wohnortnah mit Selbsthilfegruppen zu erreichen. Die Menschen haben ja hier eine geringere Chance als in Städten, andere mit gleichen Interessen zu treffen“, erläutert Elfi-Gül Hollweck. Zu den rund 10.000 Menschen, die von der Wekiss in den Selbsthilfegruppen (SHG) aktiv sind, kommen noch diejenigen hinzu, die durch die aktivierende Seniorenarbeit erreicht werden. Das sind zumeist keine festen Gruppen. Eine Ausnahme ist die Boulegruppe, die sich nach einer Einladung der Wekiss und der Stadt Selters erstmals im Mai 2017 in Selters zu einem Turnier traf. Die Teilnehmer hatten so viel Spaß, dass sie es nicht bei diesem einen Mal belassen wollten. Rund 20 ältere Menschen treffen sich nun regelmäßig, um gemeinsam zu boulen.

Auch in der Vergangenheit war die Seniorenarbeit bei der Wekiss ein Thema. Aus dem 1994 gegründeten Arbeitskreis „Spaß im und am Alter“ haben sich in den letzten Jahren viele Projekte entwickelt, die insbesondere ältere Menschen ansprechen. „Mit all unseren Seniorenprojekten soll älteren Menschen die Möglichkeit eröffnet werden, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Unser besonderes Augenmerk ist immer darauf gerichtet, einen Beitrag zum Zusammenleben der Generationen zu leisten“, betonen die Wekiss-Mitarbeiterinnen.

Derzeit wird die Seniorenarbeit der Wekiss von der Verbandsgemeinde Hachenburg und der Stadt Selters unterstützt. In Selters soll im September eine Seniorenmesse stattfinden, es gibt dort selbsthilfeunterstützte Seniorengruppen wie die Radler 55+ oder den offenen Singkreis, und ab Frühjahr soll es eine Gruppe von Damen geben, die sich dort regelmäßig zum Handarbeiten treffen. Generationsübergreifend wird zudem – nach der geglückten Premiere im August 2017 – erneut am ersten Sonntag im August auf dem Marktplatz in Selters gemeinsam gefrühstückt.

Die Wekiss will die Angebote erweitern und ist dabei, mit den Verbandsgemeinden mögliche Unterstützungen zu erörtern. Dabei geht es um eine konstruktive Zusammenarbeit mit frischen Ideen.

Um das leisten zu können, braucht es geschultes Personal und finanzielle Mittel. „Wir profitieren von dem neuen Präventionsgesetz des Bundes“, berichtet Hollweck. Konkret heißt das: Die Fördermittel wurden erhöht. Die Wekiss ist besser ausgestattet und wurde personell aufgestockt: Seit Februar 2016 ist Gesundheit- und Sozialfachwirtin Andrea Hartmann mit im Team. „Ganz wichtig ist, dass wir das Thema pflegende Angehörige in den Vordergrund rücken wollen“, erläutert Hartmann. „Ich glaube, dass wir die Menschen zusammenführen können, die sich auf Augenhöhe begegnen und selbst Experte in der Pflege sind.“ Für sie kann es eine Hilfe und Entlastung sein, in einem geschützten Rahmen beispielsweise über ihre eigenen Ängste sprechen zu können. Von der Wekiss sollen aber auch Fachleute mit ins Boot geholt werden. „Das können beispielsweise Hausärzte sein“, führt Hollweck aus. „Das soll ein Angebot werden, das auf die Betroffenen zugeht. Wir müssen es zu den Pflegenden hinbringen“, betont sie. Hinzu komme, dass die ersten Gastarbeiter, die in den 50er-, 60er-Jahren nach Deutschland kamen, nun selbst in das Pflegealter kommen. „Da ist zu schauen, wer eine kultursensible Pflege leisten kann“, erläutert die Wekiss-Chefin und sagt: „Das ganze Thema ist spannend.“

Weitere konkrete Projekte 2018:

    • Teilnahme an Gesundheitsmessen (Februar: Bad Marienberg, Oktober: Koblenz, November: Rhein-Lahn in Villmar).
    • Durchführung einer Inklusionsdisco in Hachenburg.
    • Gesamttreffen in den Landkreisen Altenkirchen, Westerwald, Rhein-Lahn, Mayen-Koblenz und Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bei diesen Treffen geht es um den gemeinsamen Austausch zwischen den verschiedenen Gruppen und mit der Kontaktstelle. Das Motto lautet: „Kann man Glück lernen?“
    • Senioren-Selbsthilfe-Gesundheitstag in Selters – organisiert gemeinsam mit dem Sportclub Optimum in Selters.
    • Selbsthilfetag in Bad Ems.
    • Geplant sind diverse Seminare, unter anderem zum Thema Öffentlichkeitsarbeit in Selbsthilfegruppen.
    • Herausgegeben wird ein Selbsthilfe-Wegweiser für alle Landkreise. Die Broschüre enthält knapp 200 Seiten Informationen über Gruppen aus dem Beratungsgebiet.
Von unserer Reporterin Angela Baumeier

Die Arbeit der Wekiss in Zahlen und ihr Kontakt

Die Wekiss betreut derzeit rund 800 Selbsthilfegruppen (SHG). Bei der Kiss Mainz gibt es rund 850 SHG, in Rheinland-Pfalz etwa 3000.

Insgesamt werden somit von der Wekiss rund 10.000 Menschen betreut. Hinzu kommen die Frauen und Männer, die über die aktivierende Seniorenarbeit erreicht werden. Als Anlaufstelle in Sachen Selbsthilfe umfasst die örtliche Zuständigkeit der Wekiss die Landkreise Altenkirchen, Westerwald, Neuwied, Rhein-Lahn, Mayen-Koblenz, Ahrweiler sowie die kreisfreie Stadt Koblenz. Damit steht das Angebot der Wekiss mehr als einer Million Menschen zur Verfügung.

Die Wekiss steht in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland, in dem verschiedene Gruppen und Organisationen überkonfessionell und weltanschaulich neutral in humanitärer Verantwortung soziale Arbeit leisten. Kontakt: Wekiss, Marktplatz 6 in 56457 Westerburg, Telefon 02663/2540, E-Mail an info@

wekiss.de, Internet www.selbst hilfe-rlp.de/wekiss bau

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