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Mit Spaß und Engagement durch Schulzeit: Das LMG spielt für Jojo die erste Geige

Für Johanna Melchiori sind es die letzten großen Auftritte als Schülerin des Landesmusikgymnasiums: Dafür ist die 18-Jährige aber bei allen drei Weihnachtskonzerten in der Stadthalle Montabaur noch einmal mehr als voll dabei: als Ensemblemitglied und als Solistin, als Sängerin und an der Geige.

Instrumentalensembles, Orchester, Chöre und Solisten boten den mehr als 2000 Besuchern der drei Weihnachtskonzerte des Landesmusikgymnasiums in Montabaur wieder Programm der Extraklasse.  Foto: Markus Müller
Instrumentalensembles, Orchester, Chöre und Solisten boten den mehr als 2000 Besuchern der drei Weihnachtskonzerte des Landesmusikgymnasiums in Montabaur wieder Programm der Extraklasse.
Foto: Markus Müller

„Es hört sich jetzt vielleicht ein wenig wie Schmu an, aber für mich sind und bleiben die Weihnachtskonzerte die schönsten Erlebnisse in der ganzen Schulzeit“, berichtet sie. Dafür gibt Jojo, wie sie ihren Mitschüler nennen, in diesem Jahr noch mal alles. Und das, obwohl die Abiturprüfungen schon vor der Tür stehen. Aber das ist bei den Schülerinnen und Schülern während der ganzen Schulzeit eigentlich die Regel: Immer wieder kollidieren Termine wegen musikalischer Verpflichtungen. Dadurch lernen die Musikgymnasiasten allerdings auch schon früh fürs spätere Leben, indem sie sich selbst schon optimal organisieren müssen, wenn sie möglichst viele ihrer Interessen und die schulischen wie musikalischen Anforderungen unter einen Hut bringen wollen. Für viele heißt das aber auch: Die Schulzeit ist für sie ein Vollzeitjob, der sie oft erst gegen Abend nach Hause kommen lässt und der oft genug auch für weitere Termine am Abend und an den Wochenenden sorgt.

Johanna sieht das ganz entspannt. „Musik ist halt ein großer Teil meines Lebens, was schon vom Elternhaus her vorgegeben war.“ Ihre Mutter Sabine unterrichtet Ethik und Musik am Musikgymnasium, leitet Ensembles und spielt selbst zum Beispiel Kontrabass. Jojo ist seit der fünften Klasse am Musikgymnasium, ihre Leistungskurse sind Geschichte, Englisch und natürlich – wie bei allen Musikgymnasiasten – Musik. Geige spielen hat sie schon im Alter von sechs Jahren begonnen. Gesang kam erst später dazu. Im Moment spielt und singt sie in sämtlichen Ensembles der Schule, die sich nur irgendwie eignen beziehungsweise anbieten. „Nur die Blechbläser sind da außen vor“, lacht sie. Das eine oder andere Mal spielt sie auch die erste Geige, sprich ist die Konzertmeisterin. Wie zum Beispiel bei der Kammerphilharmonie.

Weniger entspannt war Johanna vor ihrem Auftritt als Solistin beim zweiten Weihnachtskonzert: Sie darf als eine der ganz wenigen Schüler allein auf die Bühne. „Bisher war ich nie nervös. Doch dieses Mal hatte ich noch nicht einmal eine Klavierbegleitung!“ Mit ihrer Geige gab sie das schwere Stück „Something Wild“ des zeitgenössischen slowenischen Komponisten und Violinisten Nenad First. Nach der Wahl des Stückes hatte sich herausgestellt, dass Jojos Klavierlehrerin Klementina Pleterski nicht nur eine Landsmännin des Musikers ist, sondern sogar mit ihm studiert hatte.

Wahrscheinlich forderte das den Übungswillen der Schülerin noch mehr heraus. Übt sie ohnehin schon täglich drei Stunden auf der Violine (wenn sich das mit den anderen Verpflichtungen vereinbaren lässt), intensivierte sie das natürlich noch vor dem Soloauftritt. Wie geht das? „Ich muss mir da schon immer was freiboxen“, lacht sie. „Aber es gibt ja auch Freistunden, die man dafür zum Beispiel nutzen kann.“ Vor den Weihnachtskonzerten sind die Bedingungen zum Üben und Proben recht gut. „Für alle Mitwirkenden gibt es jedes Jahr kurz vor den Konzerten nicht nur einen eigenen Musiktag zum Proben, sondern auch Generalproben an den Vormittagen der Konzerttage“, erzählt die Abiturientin, die natürlich Geige und Gesang studieren will. Auch ihr Studienort steht schon fest: Lübeck. Noch so ein Zeitfaktor: Dort nimmt sie schon jetzt einmal pro Monat privat Unterricht bei Violinprofessorin Maria Egelhof. Doch noch genießt sie die letzten Wochen an „ihrer“ Schule, wo jeder jeden kennt. „Und ich freue mich besonders, dass wir als 13er auch gemeinsam mit den neuen Schülern beim Chor der fünften Klassen mitsingen dürfen.“ Da schließt sich dann der Kreis der neun Jahre an dieser ganz besonderen Schule: Die einen haben den ersten großen Auftritt, die anderen schon den letzten – zumindest, was ihre Zeit am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz in Montabaur betrifft.

Ach ja: Johannas Soloauftritt in der mit Hunderten Zuhörern voll besetzten Stadthalle Montabaur ist bestens gelaufen. Fast atemlos hörten die Menschen dem komplizierten, aber auch faszinierenden Geigensolo der jungen Musikerin zu und belohnten sie mit riesigem Applaus. Markus Müller

Und Stimmen erklingen

Klar, dass bei den Jahreskonzerten auch die hochdekorierten Chöre des Musikgymnasiums nicht fehlen dürfen: „Art of the Voice“ ist einer vorn ihnen. Aber auch der Gospelchor brillierte beim dritten Weihnachtskonzert.

Spitzenleistungen bieten bei den Weihnachtskonzerten die Chöre der Schule.
Spitzenleistungen bieten bei den Weihnachtskonzerten die Chöre der Schule.
Foto: Markus Müller

Zuerst gemeinsam mit dem Sinfonieorchester mit einer prächtigen Kostprobe aus Winfried Vögeles neuem Projekt Moses (wird Ende Mai in der Stadthalle Ransbach-Baumbach aufgeführt) und dann auch noch mal allein, aber mit Solisteneinsatz. Vom Klaviersolisten bis zum Flöten-, Gitarren- und Blechbläserensemble – die Macher der drei Weihnachtskonzerte des Landesmusikgymnasiums Rheinland-Pfalz wissen jedes Jahr aufs Neue die weit über 2000 Zuhörer zu begeistern: mit klassischen wie modernen Stücken, aber auch dem einen oder anderen Weihnachtslied. 

Ohne Üben läuft nichts

Walter Born, einer der engagierten Lehrer am Landesmusikgymnasium, hatte in diesem Jahr richtig Pech: Nach vielen Proben mit den unterschiedlichsten Sängern und Instrumentalisten kam dann für ihn ganz schnell das Aus: Bei Schneeglätte hatte er einen Unfall und fiel deshalb für alle drei Konzerte aus.

Walter Born übt mit den Sängerinnen und dem Sänger der Jazz-Combo.
Walter Born übt mit den Sängerinnen und dem Sänger der Jazz-Combo.
Foto: Markus Müller

Unsere Zeitung hatte das Glück, ihn bei den Proben zu erleben, zum Beispiel mit den Sängern der Jazzcombo On Cue: Miguel Fialho (mittlerweile aus dem Fernsehen bekannt), Selina Bechtold, Maren Rogawski (bei den Konzerten als Sängerin im Dauereinsatz) und Johanna Melchiori. Born hatte auch viele Stücke für die Konzerte selbst arrangiert, ob nun für die Jazzensembles oder seinen Gospelchor „Born again“. Aber offenbar hatte er genug mit den Sängern und Musikern geübt. Die Auftritte funktionierten auch in seiner Abwesenheit gut – dank engagierter Kollegen. Oder die Schüler nahmen das Heft selbst in die Hand.

Bis Instrumente tönen

Zu Beginn der Weihnachtskonzerte haben immer die jüngeren Schüler das Sagen, sprich Singen und Musizieren. Das waren beim zweiten Konzert das Bläservororchester und beim dritten das Streichervororchester Sägewerk sowie der Chor der sechsten Klassen, die alle schon beachtliches Können hören ließen.

Sie sorgen immer wieder für Begeisterung: die Perkussionisten.
Sie sorgen immer wieder für Begeisterung: die Perkussionisten.
Foto: Markus Müller

Am Montag gab es neben der geballten Chormacht von Mittelstufenchor Prima La Voce! und dem Mädchenchor La Filia noch eine bestens besetzte Kammerphilharmonie mit Ungarischen Tänzen und die Schlagzeuger zu hören.

Den Abschluss des ersten Teils von Konzert zwei und jeweils den Abschluss aller drei Weihnachtskonzerte gestalteten traditionell die verschiedenen Jazz-Ensembles der Schule: On Cue, Freeloader, The Blueberry Jazz Orchestra und The Yellow Tone Orchestra – alle vier geplant oder in Vertretung vom quirligen Paul Scheugenpflug geleitet. Der Abiturient von 2017 ist jetzt FSJler an der Schule.

Logistik und Unterstützung

Die drei Weihnachtskonzerte des Landesmusikgymnasiums Rheinland-Pfalz, die seit Jahren in der Vorweihnachtszeit in die Stadthalle Montabaur locken, sind für alle Beteiligten eine riesige logistische Herausforderung. Das fängt schon früh bei den Schulsekretärinnen an, die den nervenaufreibenden Kampf um die Eintrittskarten bewältigen müssen.

Die meisten Nerven braucht Musikkoordinator Dr. Franz-Peter Opelt, bei dem die Gesamtleitung der Konzerte liegt. Volle Aufmerksamkeit über Stunden ist auch bei der Ton- und Lichttechnik nötig, die dieses Mal allerhand Probleme mit den Mikrofonen hatte. Blitzschnell müssen die Bühnentechniker zwischen den einzelnen Auftritten Mikrofone, Notenpulte und Stühle umstellen. Die Film- und Foto-AG sorgt für eine Aufzeichnung der Konzerte. Die Lehrer, die nicht selbst in Ensembles mitwirken oder diese leiten, beaufsichtigen die Schüler.

Schließlich wären da auch noch die Sponsoren, die zum Beispiel kostengünstig Instrumente bereitstellen. Einen wichtigen Part übernimmt auch der Förderverein mit dem aufwendig gestalteten und gedruckten Programmheft. Einen Überblick über die Investitionen des Vereins gab Vorsitzender Ulrich Schwark, der während der Konzerte gleich mehrere Musikinstrumente direkt oder auch symbolisch übergab, darunter den neuen Konzertflügel im Wert von 45.000 Euro, ein Cello für 13.000 Euro und vier neue Flügelhörner für insgesamt 7000 Euro. Ohne den Förderverein wären aber auch viele weitere Aktionen des Landesmusikgymnasiums nicht durchführbar.

Auffällig war gerade beim dritten Konzert die Anwesenheit von vielen Landespolitikern und Vertretern der Schulbehörden. Das hatte einen besonderen Grund: Nach dem erfolgreichen Jubiläumsjahr 2016 wird gerade im 26. Jahr des Bestehens im Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz immer mehr deutlich, wie dringend notwendig ein Konzertsaal ist, in dem auch große Ensembles wie das Sinfonieorchester proben können. Deshalb warb Schulleiter Richard Moser um Unterstützung für dieses Projekt, zumal direkt neben der Schule ein Bauplatz vorhanden ist. mm

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