40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Westerwälder Zeitung
  • » Westerwald extra
  • » Die Kunst der Hundefrisöre: Mit Ruhe und Tierliebe Hunden auf den Pelz rücken
  • Aus unserem Archiv
    Westerwaldkreis

    Die Kunst der Hundefrisöre: Mit Ruhe und Tierliebe Hunden auf den Pelz rücken

    Hundefriseure - braucht man die wirklich? Oder ist das nur ein Spleen von Frauchen und Herrchen, die ihren Vierbeiner als Kindersatz verzärteln? Unsere Redakteurin Camilla Härtewig hat einer Hundefrisören über die Schulter geschaut.

    Als begeisterte Zuschauerin der Vox-Fernsehsendung "Hund, Katze, Maus" bewundere ich allwöchentlich, was ein Hundefriseur-Duo aus Eltville ehrenamtlich leistet. Aus verfilzten, verdreckten Tierheimhunden werden durch die Behandlung schmucke Vierbeiner, deren Chance auf Vermittlung um ein Vielfaches steigt. Wie die Arbeit eines solchen Hundefriseurs aussieht, will ich mir nun selbst anschauen.

    Morgens früh komme ich bei Ute Siepmann in Vielbach an. Fröhliches Hundegebell begrüßt mich. Denn Ute Siepmann rückt Hunden (und Katzen, gelegentlich auch Kaninchen) nicht nur mit Bürste und Trimmmesser zu Leibe. Sie hält auch selbst fünf Hunde: einen Shih Tzu und vier Zwergschnauzer. Unter dem Namen Vom Birnbacher Wald betreibt sie seit 25 Jahren eine kleine Zucht für Zwergschnauzer. Da das Fell ihrer Lieblinge regelmäßiger Pflege bedarf, kam sie zu ihrer jetzigen Tätigkeit. Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Mit ihrem mobilen Hundesalon namens Lonneke's betreut sie seither das Fell von Vierbeinern. Ihr Einzugsgebiet ist riesig. Es erstreckt sich vom Westerwald über Hessen bis in die Eifel und den Kölner Raum. Warum ist sie mit dem Auto unterwegs? "Durch meinen mobilen Service wird vielen meiner vierbeinigen Kunden Stress erspart. Und auf dem Land hat einfach nicht jeder einen Wagen. So komme ich eben zu den Hunden", erklärt sie.

    Heute sind wir nach Puderbach unterwegs. Es geht zu Familie Nieß. Ute Siepmann, die auf den ersten Blick etwas zurückhaltend, aber burschikos wirkt, verwandelt sich, als sie bei ihrem vierbeinigen Kunden ankommt. "Ja, ist da mein Schätzelein? Bekomme ich ein Küsschen?", ruft sie dem wild mit der Rute wedelnden Rauhaardackel Charly zu. Jetzt wird erst einmal ausgiebig geschmust, Leckerchen werden verteilt. Keine Spur von Zeitdruck. Für jeden Termin plant Ute Siepmann mindestens zwei Stunden ein. "Das sind Lebewesen, ich mache keine Massenabfertigung", so Siepmann. Sobald der Hund ruhig ist, kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden. Ute Siepmann baut bei herrlichem Spätsommerwetter ihren Frisiertisch im Garten auf. Dann packt sie Trimmmesser, Frisierkamm, Schere und Schermaschine aus ihren Koffern. Ganz wichtig für sie: Über alle Arbeitsschritte hinweg weder Druck, Einschüchterungen oder unangenehme Anbindetechniken gebrauchen. Auch der Maulkorb ist für sie tabu. Gebissen wurde sie noch nie. Lammfromm steht Lucky da. Kaum zu glauben, dass der Dackel bisher als nicht handhabbar galt. Den Tierarzt und andere Hundefriseure hat er versucht zu beißen und musste immer einen Maulkorb während der Behandlung tragen. Ute Siepmann aber liebt er. Frauchen Renate Nieß ist überglücklich. Sie und ihr Mann argwöhnen, dass es sich bei Ute Siepmann um eine Hundeflüsterin handelt.

    Auch ich darf Lucky halten und ein paar abgestorbene Deckhaare rauszupfen. Mit den Fingern ist die richtige Technik schwierig. "Nicht nach oben ziehen, nur die Spitzen nehmen und waagerecht rauszupfen", gibt mir die Hundefriseurin Anweisungen. Dann setze ich das Trimmmesser an. Jede Bewegung wird kritisch begutachtet. "Schräger, sonst kann die Haut verletzt werden", bekomme ich zu hören. Ute Siepmann übernimmt wieder. Sie trimmt den Hund, schert Bauch und Beine, bürstet, schneidet Haare an den Pfoten weg und schaut sich die Krallen an. Nach zweieinhalb Stunden ist aus einem struppig-grauen Hund eine cognacfarbene Schönheit geworden.

    Daheim bei Siepmanns angekommen, steht meine Feuertaufe an. Ich soll Shih Tzu Isis baden. Das Hündchen ist kleiner als meine Maine-Coon-Kater, quirlig und freundlich. Ich will die Maus nicht erschrecken und halte die Brause ganz vorsichtig über den Rücken. Wie jämmerlich das nasse Bündel schaut! "Nicht so zaghaft beim Einseifen und Abduschen", rügt mich Ute Siepmann und mahnt: "Die Beine immer gut abspülen." Trocken rubbeln darf ich die kleine Isis auch nicht, nur das Wasser vorsichtig aus dem Fell drücken. Dann geht's unter den Föhn. Immer mit der Fellrichtung föhnen, ist wichtig. Dann wird ein kleiner Iro gebürstet. Nach einer halben Stunde steht Isis schwanzwedelnd und duftend da. Mission erfüllt.

    Trimmen, bürsten, schneiden, scheren Mit Ruhe und Tierliebe Hunden auf den Pelz rücken
    Westerwald extra
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Samstag

    9°C - 16°C
    Sonntag

    7°C - 11°C
    Montag

    8°C - 12°C
    Dienstag

    7°C - 12°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerien: Fotos unserer Leser
    &bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

    Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.