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    DernbachDer Mann, der die Pilgerkreuze schnitzt: Helmut Jung aus Dernbach hat 1634 Exemplare gefertigt

    Es war der 100. Todestag der seligen Ordensgründerin Katharina Kasper aus Dernbach am 2. Februar 1998, der das Leben von Helmut Jung aus Dernbach tief greifend verändert hat. Seitdem schnitzt er, von einem tiefen Gottesglauben und einer großen Frömmigkeit beseelt, Pilgerkreuze und verteilt sie in aller Welt.

    Foto: Stephanie Kühr

    Foto: Stephanie Kühr

    Die Kreuze des Dernbachers hängen rund um den Globus in Kirchen, Schulen, Kindergärten, bei Familien, in Behörden, in Klöstern, ja sogar in Katastrophengebieten und in einer Kapelle nahe dem Ground Zero. Genau 1634 Holzkreuze hat Helmut Jung seit 1998 geschnitzt, 1461 Gotteszeichen hat der 78-Jährige bislang an Gläubige im Westerwald und in der Welt verschenkt. Dabei notiert der Dernbacher fein säuberlich mit Bleistift in einem inzwischen abgegriffenen karierten Heft, wer zu welchem Zeitpunkt ein Kreuz erhalten hat.

    Pilgerzug in bitterkalter Nacht

    Tief gläubig seit frühester Kindheit, ist es dem Westerwälder seit jener Februarnacht ein inneres Bedürfnis, als Zeichen seines Glaubens Kreuze zu schnitzen. In der Nacht des 2. Februar 1998 war es bitterkalt. Minus 18 Grad, ein eisiger Wind erfüllte die Nacht. 37 Gläubige fanden sich am alten Krankenhaus in Dernbach ein, um gemeinsam mit dem früheren Krankenhauspfarrer und Dompfarrer Norbert Lixenfeld zu Ehren der Gründerin des Ordens der Armen Dienstmägde Jesu Christi zum Limburger Dom zu pilgern. Der gebürtige Dernbacher hatte etwas Wertvolles im Gepäck: Extra für den Pilgerzug hatte der frühere Schreiner ein 1,70 Meter großes Kreuz aus Eichenholz gefertigt und mit Schnitzarbeiten verziert. Er trug es unter dem Arm.

    In seiner Werkstatt schnitzt Helmut Jung unermüdlich Pilgerkreuze, die er in alle Welt verteilt. Darüber hat der Dernbacher ein Buch geschrieben. Foto: Stephanie Kühr
    In seiner Werkstatt schnitzt Helmut Jung unermüdlich Pilgerkreuze, die er in alle Welt verteilt. Darüber hat der Dernbacher ein Buch geschrieben.
    Foto: Stephanie Kühr

    Auch Pfarrer Lixenfeld hatte ein Kreuz dabei. „Als er das von mir geschnitzte Eichenkreuz sah, legte er wortlos sein Kreuz beiseite“, erinnert sich Helmut Jung. Und so führte das Eichenkreuz des Dernbachers den Pilgerzug an. Dabei folgte der Zug der Gläubigen jenem Weg, den auch Katharina Kasper einst nach Limburg zum Bischof nahm – über den Bomerisch, eine leichte Anhöhe bei Dernbach, über Wirzenborn, vorbei an dem früheren Ort Sespenroth, weiter nach Eppenrod. Pünktlich zum Hochamt um 10.15 Uhr erreichte die Pilgergruppe den Dom. „Damals hat meine Arbeit als Pilgerkreuzschnitzer begonnen“, erzählt Jung.

    Wann immer es die Zeit zulässt, geht der rüstige Rentner in seine bestens ausgestattete Werkstatt im Erdgeschoss seines Hauses, das, wie der Zufall es will, im Kreuzweg liegt. Hier schnitzt er die 17, 30 und 45 Zentimeter großen Pilgerkreuze. Manchmal aus Eichenholz, meist aber aus Apfel-, Birn- oder Zwetschgenbaumholz. „Ich mag die intensive Farbstruktur der Obstbäume. Mit dieser Maserung versuche ich, den Leidensweg Christi darzustellen“, sagt Jung und zeigt auf eine dunkle Holzmaserung, die aussieht, als würde hier eine Wunde aufspringen. Das Holz wird dem Dernbacher meist geschenkt. So hat er aus dem Wirgeser Pfarrgarten einen alten Pflaumenbaum ergattern können. Manchmal kommen auch alte, teils wurmstichige Holzbalken aus Kirchen oder Scheunen hinzu. Die Hölzer lagert der Rentner in seinem wunderschönen Garten am Waldrand oder zum Trocknen in seiner gemütlichen Werkstatt. Feines Sägemehl verteilt sich hier über Werkbank und Werkzeugen. An den Wänden hängen alte Zeitungsausschnitte, Fotos, Erinnerungen, etwa von einem Zusammentreffen mit der CDU-Landespolitikerin Julia Klöckner, die ebenfalls ein Pilgerkreuz ihr Eigen nennt.

    Foto: Stephanie Kühr

    Foto: Stephanie Kühr

    „Die Menschen vergaßen Gott ...“

    Zwischen Zollstöcken, Schleifpapier, Hobeln und Schnitzeisen wacht eine zierliche Muttergottes über die Arbeiten in der Werkstatt. Daneben hängt ein kleines Weihwasserbecken, darüber Jesus am Kreuz. Ein verblichener Artikel mit einem weltbekannten Zitat des im Jahr 2008 verstorbenen russischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn ziert die weiße Mauer: „Die Menschen haben Gott vergessen, daher kommt dies alles.“ Eine wichtige Erkenntnis auch für Helmut Jung. „Der Drang, die Kreuze zu schnitzen, kommt aus dem Inneren heraus. Es ist mir einfach ein tiefes Bedürfnis“, sucht Jung nach Worten, warum er seine Pilgerkreuze wie Missionare des christlichen Glaubens auf Reisen schickt.

    In der Werkstatt arbeit der 78-Jährige oft schon in aller Frühe, aber auch nachts. Dann schneidet Jung erst mit der Kreissäge die schweren Holzscheite zu und legt sie zum Trocknen an die Heizung. Gut vier Wochen später schneidet Jung das Holz in drei Zentimeter dicke Streifen, die nach einer weiteren Trocknungsphase fein säuberlich zu rechtwinkligen Kanthölzern gehobelt werden. Mit der Bandsäge schneidet der Dernbacher den oberen Querbalken der Pilgerkreuze bogenförmig zu und schleift sie glatt. Dann kommt die Feinarbeit: Mit dem Schnitzeisen bearbeitet Jung die Hölzer und verleimt Stamm, Bogen und Herz mit kleinen Dübeln. Die fertigen Kreuze hängen an der rückwärtigen Wand, fast 50 Stück in verschiedenen Größen und Maserungen.

    Foto: Stephanie Kühr

    Foto: Stephanie Kühr

    Sein Handwerk hat der 78-Jährige, der von 1969 bis 1984 auch Wehrführer der Dernbacher Feuerwehr war, von der Pike auf gelernt. Nach der Volksschule ging er Anfang der 1950er-Jahre in Ransbach zu einem Schreiner in die Lehre, ab 1956 arbeitete er dann zwölf Jahre lang als Schreiner beim „Ignaz“ in Dernbach. „Eine gute Zeit“, wie er sagt. Obwohl Jung seine Familie mit Ehefrau und vier Söhnen in Folgejahren mit seinem Job als Autobahntankwart und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1995 als Sicherheitsbeauftragter im NatoTanklager bei Ransbach-Baumbach ernährte – der Schreinerei ist er treu geblieben. Seit jener kalten Februarnacht 1998 haben seine Holzarbeiten einen tieferen religiösen Sinn. Helmut Jung nimmt ein Stück Birnbaumholz aus dem Stapel unter der Werkbank – das 1635. Pilgerkreuz ist in Arbeit ...

    Stephanie Kühr

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