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Benefizrallye nach Gambia: Für die gute Sache durch den Wüstensand

Bewegte und bewegende Wochen liegen hinter den sechs Männern vom Team Hachenburger Frischlinge, die gemeinsam die von Wüstenlandschaften geprägte Benefizrallye Hachenburg-Dakar-Banjul absolviert haben. Viele Eindrücke, Emotionen, Bilder, Begegnungen haben sich während des knapp dreiwöchigen Abenteuers in ihren Autos „Hui“, „Wäller“ und „Allemol“ in ihren Köpfen festgesetzt. Die WZ hat die Teammitglieder nach ihrer Rückkehr in den Westerwald nach ihren ganz persönlichen Erfahrungen befragt, denn jeder Mensch erlebt eine solch intensive Zeit anders.

Bruno Meder: Die Vielzahl der unterwegs gewonnenen Eindrücke versuchen wiederzugeben, ist schier unmöglich. Von überwältigender Begeisterung und Stolz, als wir in die leuchtenden Augen der Menschen starrten, denen wir dank unserer vielen Unterstützer helfen konnten, bis hin zu Fassungslosigkeit und tiefer Betroffenheit über die Zustände, unter denen Menschen leben müssen, und darüber, wie unser Planet in einigen Ländern, die wir durchquerten, mit Müll übersät ist, waren uns auf der Reise alle Gefühlsebenen ständiger und intensiver Begleiter.

Insbesondere die Tage und Nächte in der Sahara stellten ein besonderes Erlebnis und auch eine große Herausforderung für uns dar. Die Durchquerung war zum einen, da die Wüste ständigen Veränderungen durch Sandverwehungen und -bewegungen ausgesetzt ist, nur mit einheimischen Scouts möglich. Zum anderen wurden wir hierbei aber auch ständig von Gendarmerietrupps der mauretanischen Polizei begleitet, da es in der Vergangenheit schon Angriffe und Entführungen zum Nachteil kleinerer Gruppen, die die Sahara durchqueren wollten, gegeben hatte. Wir fühlten uns jedoch zu jeder Zeit sicher und gut aufgehoben in der Obhut unserer Begleiter. Selbst wir als Westerwälder, die eigentlich dachten, Wind gewohnt zu sein, mussten hier sehr schnell dazulernen. Der ständig vorhandene, starke Wind bis hin zum Sturm trieb den feinen Sand und Staub bis in die letzten Ecken unseres Equipments (Fahrzeuge, Kameras etc.), und teilweise mussten wir uns, wie die einheimische Bevölkerung, mit Tüchern fast gänzlich vermummen.

Der allabendliche Aufbau unseres Tarps über unseren zur Wagenburg aufgebauten Fahrzeugen entpuppte sich oft als große Herausforderung. Unendliche Weiten, wechselnde Farben im Sand, wunderschöne, hohe Dünen sowie für die Fahrer oftmals lange Passagen durch den Tiefsand der Sahara ließen es uns nie langweilig werden auf diesen sehr anstrengenden Etappen.

Temperaturen tagsüber mit mehr als 40 Grad Celsius machten es notwendig, dass jeder etwa sechs Liter Wasser am Tag zu sich nehmen musste. Setzte die Dämmerung ein, fielen die Temperaturen schlagartig innerhalb einer halben Stunde auf etwa 17 Grad Celsius ab. Gleichzeitig wurde dann der Wind auch noch stärker, und die von uns gefühlten Temperaturen lagen weit darunter. Aber auch das hielt uns Westerwälder nicht davon ab, als einziges Team (alle anderen Teams schliefen in ihren Fahrzeugen) auf unseren Feldbetten unter freiem Himmel in der Sahara zu übernachten. Dies schenkte uns allerdings auch ein ganz wunderbares Erlebnis: Die ständige Sicht auf den Sternenhimmel in der Sahara. Einen solchen Himmel hatte von uns noch niemand zuvor gesehen. Unendliche Klarheit und eine Menge und Vielfalt an Sternen, wie wir sie bisher nicht kannten ... wie aus „Tausend und einer Nacht“.

Bewegte und bewegende Wochen liegen hinter den sechs Männern vom Team Hachenburger Frischlinge, die gemeinsam die von Wüstenlandschaften geprägte Benefizrallye Hachenburg-Dakar-Banjul absolviert haben. Viele Eindrücke, Emotionen, Bilder, Begegnungen haben sich während des knapp dreiwöchigen Abenteuers in ihren Autos „Hui“, „Wäller“ und „Allemol“ in ihren Köpfen festgesetzt.
Bewegte und bewegende Wochen liegen hinter den sechs Männern vom Team Hachenburger Frischlinge, die gemeinsam die von Wüstenlandschaften geprägte Benefizrallye Hachenburg-Dakar-Banjul absolviert haben. Viele Eindrücke, Emotionen, Bilder, Begegnungen haben sich während des knapp dreiwöchigen Abenteuers in ihren Autos „Hui“, „Wäller“ und „Allemol“ in ihren Köpfen festgesetzt.
Foto: Hachenburger Frischlinge

Lars Hümmeler: Es gab sehr viele spannende und bewegende Momente unterwegs, viele interessante Gespräche, atemberaubende Landschaft und Fahrspaß vom Feinsten. Der wohl bewegendste Moment war für mich aber das eigentliche Ziel unserer Rallye: „unsere“ Schule. Als wir auf den Schulhof kamen, liefen direkt viele Kinder auf uns zu und nahmen uns an die Hand. Kinder in blauen Schulhemden – fröhlich lachend und singend. Djemba, der Schulleiter, kam ebenfalls direkt angelaufen: „I am so happy to see the Frischlinge – we are very, very grateful for your support!“ Eines der größeren Mädchen hielt eine bewegende Ansprache über die Notwendigkeit von Bildung.

„Diese Fröhlichkeit, diese Dankbarkeit, diese leuchtenden Kinderaugen – das ging ganz tief unter die Haut.“

Die Kinder sangen sehr lebhafte Lieder für uns. Diese Fröhlichkeit, diese Dankbarkeit, diese leuchtenden Kinderaugen – das ging ganz tief unter die Haut, und wir harten Jungs in Grün wurden „butterweich“ – und ja, es gab auch glasige Augen bei uns. Wir konnten auch einer Klasse unser „Hui! Wäller? Allemol!“ beibringen – ein so kräftiges und fröhliches „Allemol“ aus den Kinderkehlen, das gab Gänsehaut. Die Besichtigung der Schule und unsere Gespräche mit Djemba, den Lehrern, Heinz und den Kindern haben uns bestätigt, dass wir hier an der richtigen Stelle „investieren“ und unsere Hilfe ankommt. Mit dem Regierungswechsel Anfang 2017 in Gambia steht dem „Country of Happiness“ die Zukunft wieder offen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir hier mit der großartigen Hilfe unserer Unterstützer aus der Heimat eine gute Möglichkeit geschaffen haben, um eine Jugend zu erziehen, die Gambia positiv verändern wird.

Stefan Andres: Erst mal bin ich heilfroh, dass die Fahrzeuge ohne große Mängel angekommen sind. Die beiden Zigarettenanzünderdosen, die der 12-Volt-Kompressor beim Richtigstellen des Reifendrucks durchgebrannt hat, und der abgerissene Auspuff des etwas zu tief liegenden Hui waren die einzigen Ausfälle. Der Auspuff wurde in der Werkstattstraße in Dakhla auf zwei sehr abenteuerlichen, selbst geschweißten Auffahrrampen von einem jungen Mechaniker, liegend auf der Straße und nur von einer zerbrochenen Sonnenbrille und Pudelmütze mit Gesichtsloch geschützt, sehr fachmännisch mit Elektroden verschweißt und instand gesetzt. Da die befürchteten Reifenpannen ausblieben, waren wir mit vier Ersatzreifen je Fahrzeug extrem überversorgt. Aber solche Ersatzräder sind in Afrika Mangelware, und so kam es nach einigen Verhandlungen dazu, dass wir die Auspuffreparatur und zusätzlich noch zwei Tankunterbodenschutzbleche mit sechs Rädern „bezahlen“ konnten. Die Nachrüstungen hatten sich alle bewährt. Funkgeräte, Dusche und Zusatzscheinwerfer waren andauernd in Gebrauch. Sandbleche sind nicht wirklich nötig, waren dann aber beim fangfrischen Langustengrillen als Grillrost extrem wichtig. Das größte Unwohlsein brachte allerdings am Ziel nach mehr als 7000 pannenfreien Kilometern der Verlust des einzigen Zündschlüssels des „Wällers“. Da er nach dem Aufbrechen des Fahrzeuges auch nicht im Fahrzeuginneren zu finden war und eine Wegfahrsperre verbaut ist, war nach Rücksprache mit dem Subaru-Autohaus Kegler schnell klar, dass der „Wäller“ nicht mehr zur Versteigerung gefahren werden kann. Aber ein Schrauber ist auch ein guter Finder. Nach der Totaldurchsuchung des Zimmers der Markusse fand sich der Schlüssel nach zwei Tagen Aufregung und tatkräftiger Unterstützung aller Hotelmitarbeiter in der Jacke des „falschen“ Markus. So konnte auch der „Wäller“ ein gutes Versteigerungsergebnis erzielen.

Markus Windhagen: Zunächst einmal hat mich fasziniert, wie gut, verlässlich und herzlich auch wir Europäer miteinander umgehen können! Dies habe ich schon direkt in den ersten vier Tagen bis Algeciras erleben dürfen. Sechs „verrückte grüne Männer“, zwei neu im Team und doch, als wären sie schon immer dabei gewesen, funktionierten wie ein Uhrwerk, obwohl die erste Etappe bis zur „Straße von Gibraltar“ schon sehr hart und mit langen Tagesetappen zu bewältigen war.

Nachdem wir Europa verlassen hatten, war ich fasziniert von Land und Leuten, aber der krasse Unterschied zu „uns“ sollte sich doch erst viel später zeigen. Natürlich ist Marokko ein tolles Land mit vielen Facetten, aber bis Marrakesch habe ich immer das Gefühl gehabt, dass die Menschen sich dem Tourismus anpassen, natürlich auf ihre Art und den Nationalstolz im Herzen, aber kein Vergleich zu dem, was uns noch erwarten sollte.

Von hier über das Atlasgebirge ließ es uns nun wirklich eine „andere“ Welt erfahren. Hier begannen für mich wirklich prägende, neue Eindrücke von Menschen, die wir meinen, in Deutschland zu kennen. Aber hier waren Einheimische, die ihr Dorf noch nie verlassen haben.

Egal, ob der Rest durch Marokko, durch Mauretanien oder Senegal bis hin nach Gambia, jeder Tag hat mich mehr von den Menschen auf solch einem armen Kontinent fasziniert, überrascht und oft ins Grübeln gebracht – und dies ist nur ein kleiner Teil vom großen, schwarzen, armen Afrika, den wir durchreisen durften.

In Serrekunda haben wir durch unser Projekt natürlich noch wesentlich mehr persönlichen Kontakt mit der Bevölkerung gehabt, und ich muss sagen, es hat meine Erwartungen noch mehr als übertroffen. Die Offenheit, Warmherzigkeit, Dankbarkeit, aber auch Fröhlichkeit waren überwältigend! Die „Fachgespräche“ in der Schreinerlehrwerkstatt (kenn ich mich zufällig mit aus), die Schlosserei, die Krankenstation und nicht zuletzt unsere Challenge – der Schulkomplex mit dem Neubau unseres Projektes, so viele Kulleraugen, Hunderte von dankenden Händen: Hier bekamen die „harten grünen Jungs“ Gänsehaut und Tränen in die Augen, es ist unbeschreiblich! Das sollte wirklich jeder einmal erlebt haben!

Gab es Situationen, die mir auf dem Weg vom Westerwald bis Gambia nicht ganz geheuer waren? Hier muss ich eindeutig und mit einem klaren „Nein“ antworten. Wir hatten einen eigenen, sehr starken Teamgeist, wir haben supertolle Teamkollegen kennengelernt und uns immer gegenseitig geholfen. Wir haben viele arme, aber liebend nette Menschen erlebt, wir hatten viel Abenteuer – und für eventuell mögliche Gefahren durch Extremisten oder gefährliche Beduinen wurden wir von unseren „top Orgateams DBO und NBO“ , für uns unmerklich, 24 Stunden organisiert, von der Nationale Police begleitet und abgeschirmt. Würden wir alle uns weniger Gedanken um uns selbst, sondern um das Miteinander machen, würden wir alle auch eine glücklichere Welt erleben.

Bernd Hilz: Die Teilnahme an der Rallye nach Afrika ermöglichte es mir, neue Erfahrungen und Einsichten zu gewinnen sowie meine eigenen Grenzen auszuloten. Das Austreten aus meiner persönlichen „Komfortzone“ gab mir zudem viel Selbstvertrauen. Besonders viel Spaß hat mir die Teamarbeit im Kreise der Frischlinge gemacht. Die Erfahrung, unterwegs mit unvorhergesehenen Situationen fertig zu werden, stärkte unser Team und unseren Zusammenhalt ungemein.

„Wenn viele Leute gemeinsam gute Dinge tun wollen, dann können sie die Welt ein wenig besser machen.“

Am meisten beeindruckten mich die Menschen in Afrika, die trotz ihrer Armut glücklich zu sein schienen. Bis auf wenige Ausnahmen bin ich nur lächelnden, gut gelaunten und freundlichen Menschen begegnet. Auf der Suche nach dem Ursprung dieser Kraftquelle wurde mir häufig entgegnet: „If you are poor and you cry, you will die!“ Die Menschen lieben einfach das Leben.

Ich habe das Gefühl, dass wir manchmal gar nicht mehr bemerken, wie gut es uns daheim geht, da wir viele Dinge oft für selbstverständlich ansehen. Meine Familie und mein Zuhause schätze ich nach meiner Rückkehr umso mehr. Die vielen Begegnungen mit den kleinen und großen Unterstützern der Hachenburger Frischlinge haben mir gezeigt: Wenn viele Leute gemeinsam gute Dinge tun wollen, dann können sie die Welt ein wenig besser machen. Die gemachten Erfahrungen sind Erinnerungen, die ich für immer behalten werde. Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Mark Twain: „Reisen ist tödlich – für Vorurteile!“

Markus Grodtmann: Unser Motto war „Hilfe erfahren“. Das haben wir geschafft – und zwar in Bezug auf die Hilfe, die wir leisten konnten, und der Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Unterstützer und Fans werden wir nachträglich noch mit einer Film-Bild-Präsentation auf diese Reise mitnehmen, um Eindrücke, Emotionen und Erlebnisse zu teilen! Diese hier alle zu beschreiben, ist unmöglich. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich noch mal bei unseren Familien bedanken, die in den vergangenen zwei Jahren sehr oft auf uns verzichten mussten. An meine Frischlinge: Danke für diese schönen Erlebnisse und Erfahrungen – und denkt ab Frühjahr 2020 an die Vorbereitung für die nächste große Reise, oder?

Nadja Hoffmann-Heidrich

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