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    Bad Sobernheim

    Sobernheimer Runde erstmals im Kulturhaus Synagoge

    Sie brauchte eine kurze Anlaufphase, doch dann lief sie wie am Schnürchen: Die „Sobernheimer Runde" um Moderator Gerhard Engbarth und Gast Josef Peil.

    Die Sobernheimer Runde am Mittwochabend: Erstmals wurde ins Kulturhaus Synagoge eingeladen: Josef Peil (rechts) und Gerhard Engbarth kennen sich erst seit rund einem Jahr, schätzen einander aber schon.
    Die Sobernheimer Runde am Mittwochabend: Erstmals wurde ins Kulturhaus Synagoge eingeladen: Josef Peil (rechts) und Gerhard Engbarth kennen sich erst seit rund einem Jahr, schätzen einander aber schon.
    Foto: Martin Köhler

    Nach dem Abschied aus der Seniorenresidenz wurde erstmals ins Kulturhaus Synagoge, in der auch die städtische Bücherei zu finden ist, eingeladen.

    Peil, bis Sommeranfang von Beruf Schulrektor und weiterhin ein Mundartautor aus Mastershausen bei Kastellaun, musste die bei den Runden übliche zehnminütige Sanduhrzeit zu Beginn nicht ausnutzen. Rasch hatte er seine wichtigsten Lebensdaten vorgetragen.

    „Den Kleinen traut man halt weniger zu als den Großen", erzählte er, und bezeichnete sich als „Stehaufmännchen", musste als Kleinkind eine schwere Lungenentzündung überstehen. Er bekannte sich dazu, Erfahrungen als Mobbing-Opfer gemacht zu haben. Die Lehren daraus jedoch hätten ihm in seinem späteren Leben sehr geholfen.

    Dem heute 64 Jahre alten Pensionär wurde schon zu Schulzeiten bescheinigt, er sei „stets brav, begabt und fleißig". Letzteres Kompliment wies er mit dem ihm eigenen Humor strikt von sich: „Im Grunde meines Herzens bin ich ein fauler Hund." Seine Fähigkeit zum autodidaktischen Lernen sei aus reiner Faulheit entstanden. Einst wollte er Priester werden; stolz erzählt Peil, dass sein Sohn diesen geistlichen Beruf ergriff. Dann bekam auch Filmemacher Edgar Reitz („Heimat") sein Fett weg. „Man kann Heimat auch mit einer inneren Distanz sehen", so Josef Peil, der auf Reitz' Heimatort München anspielte. Doch so richtig munter wurde die „Sobernheimer Runde" erst, nachdem Gerhard Engbarth das Gespräch aufs Thema Mundart brachte – die Leidenschaft beider Männer und der Grund, warum sie vor einem Jahr Kontakt aufnahmen. Josef Peil hat im Laufe der vergangenen 40 Jahre eine große Zahl Geschichten geschrieben. Zunächst nur auf Hochdeutsch. Bald wechselte er aber ins Hunsrücker Platt.

    Das Schreiben begann er vor allem deshalb, „weil es mir wichtig war, Dinge festzuhalten, aus Heimweh heraus". Die erste Geschichte des Abends ist seine Liebeserklärung an seinen „äbschen Tannenbaum". Wenn er einen Text aus dem Dialekt ins Hochdeutsche übersetze, dann ist er Platt", scherzte der Hunsrücker wunderbar. Mundart sei viel kräftiger als es Hochdeutsch je vermochte. Peil bat Eltern, ihren Kindern unbedingt den Dialekt beizubringen, statt ihn zu vermeiden. Dialekt sei die erste Fremdsprache, die ein Kind lerne, und somit lehrreich für das spätere Sprachverständnis. „Raulisch, Geheischnis, zu simuläre" – die Runde wurde zunehmend bunter, amüsanter. Auch Erster Stadtbeigeordneter Alois Bruckmeier, gebürtiger Bayer, gab eine Kostprobe seines Dialekts.

    Auf die Frage, ob er in seinem Leben etwas anders machen würde, meinte der lebenskluge Peil: „Ich würde so manchen bösen Brief schreiben, aber nicht mehr abschicken." Sein größter Wunsch? „Dass mir immer noch ein unerfüllter Wunsch bleibt." Nach rund 70 Minuten schloss Gerhard Engbarth den offiziellen Teil der Runde.

    Die Premiere ist gelungen, doch kann man immer alles noch ein wenig verfeinern: So werden bei der nächsten Runde Lautsprecher im Kulturhaus aufgestellt. Martin Köhler

    Das ist neu: Ausgeweitetes Veranstaltungskonzept für die „Sobernheimer Runde"

    Bücherei: Künftig sind zehn jährliche Veranstaltungen der Sobernheimer Runde in Zusammenarbeit mit dem Team der öffentlichen Bücherei um Elke Zedlitz und Diana Weyland in der Synagoge geplant; auch andere Orte sind möglich.

    BollAnt's: Janine und Jan Bolland („BollAnt's im Park" in Bad Sobernheim) haben die Arbeit der Sobernheimer Runde bisher ebenso unterstützt wie Axel Stassen vom Kurhaus am Maasberg, indem sie Gäste der Sobernheimer Runde, die von weiter her anreisten, bei sich günstig übernachten ließen.

    Bürkle-Stiftung: Der Fortbestand der Sobernheimer Runde wird durch eine namhafte Spende der Kirner Dr.-Wolfgang-und-Anita-Bürkle-Stiftung gesichert. Das ist das Ergebnis der Gespräche des Vorsitzenden der Stiftung, Justizrat Dr. Hans-Gert Dhonau (Bad Sobernheim), und Gerhard Engbarth.

    Synagoge: Am Gesprächskreis „Sobernheimer Runde" nahmen bis heute bereits 45 Interviewgäste teil. 42-mal am Stück war man in der Seniorenresidenz. Die neue, im Vergleich zur Afrika Lounge der Residenz kleinere Heimat im Kulturhaus Synagoge, soll gut zehnmal pro Jahr als Gesprächsort dienen.

    Leinenborn: Sind große Besucherzahlen zu erwarten – etwa am Mittwoch, 2. Oktober, 19 Uhr, mit Dr. Rose Götte, oder am Mittwoch, 4. Dezember, 19 Uhr, mit Kurt Beck – wird sie im Paul-Schneider-Gästehaus von Uwe Engelmann, dem Vorsitzenden des Kulturforums, im Leinenborn sein. Die größeren Runden werden dann auch in Kooperation mit dem Kulturforum, das einen Shuttle-Service vom Marktplatz aus anbieten will, veranstaltet, Gerhard Engbarth an. Stefan Munzlinger

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