40.000
Aus unserem Archiv
Bad Sobernheim

Parole: Stopp, das kommt nicht in die Tüte

Zugegeben: Sie sind bunt, praktisch und wetterfest. Das große Aber folgt. Sie sind eben auch ein Gräuel für die Natur: das Gros der Plastiktüten, die heute bei jedem Einkauf mit über den Ladentisch wandern.

Rechts der symbolische Plastiktütenberg, links die grüne Stofftasche mit 350 Euro Erlös: Nabu-Vorsitzender Rolf Model freut sich über die Spende von Alexandra Strobl-Hagen von der Kur-Apotheke.
Rechts der symbolische Plastiktütenberg, links die grüne Stofftasche mit 350 Euro Erlös: Nabu-Vorsitzender Rolf Model freut sich über die Spende von Alexandra Strobl-Hagen von der Kur-Apotheke.
Foto: Stefan Munzlinger

Und so freut sich Rolf Model (67), seit 14 Jahren Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) in der Region Bad Sobernheim, Kirn und Meisenheim, über eine Plastik-Tüten-Verzicht-Aktion der Bad Sobernheimer Kur-Apotheke, die, wenn nicht im Großen, so doch im Kleinen vor Ort rasch Schule machen könnte: „Stopp, Das kommt nicht in die Tüte". So steht es in dicken schwarzen Lettern auf vielfach verteilten Handzetteln.

Rolf Models Ansatz: „Kauf lokal" und mit Verstand. Denn solche Plastiktüten – weltweit werden rund eine Billion im Jahr produziert – seien schlicht unnütz, weil Papier- oder Stofftüten dasselbe zu leisten imstande sind. Ferner: Zwischen 100 und 500 Jahre dauere es, bis die Substanzen in Mikropartikel zerfallen sind; die Bestandteile sind dann jedoch immer noch existent. Von vollständigem Abbau könne keine Rede sein. Merke: einmal Tüte, immer Tüte.

Wiederverwertbar seien lediglich zehn Prozent, weil aus einem bestimmten Kunststoff hergestellt. Der Rest lande auf legalen und illegalen Deponien – etwa in den Weltmeeren, in Wüsten, Gebirgen, und Flüssen). Vom Winde verweht fänden sich die Tüten noch in den „entlegensten Winkeln der Erde". Und wer die federleichten Chemieprodukte verbrenne, erzeuge zudem giftige Dämpfe und Stoffe.

Das erstaunliche Zahlenspiel geht weiter: 65 der Chemietüten nutze ein Bundesbürger pro Jahr im Schnitt. Für jede wird 40 Gramm Erdöl aufgewendet. Alles zusammen: 5,3 Milliarden, also 10 000 Tüten pro Minute, wie das Bundesumweltamt schätzt. Nutzungszeit pro Exemplar: gerademal 30 Minuten, hat Nabu-Vorsitzender Rolf Model in Erfahrung gebracht.

Zur Verzichtaktion in Bad Sobernheim: Apothekerin Alexandra Strobl-Hagen (41) und ihre zehn Mitarbeiterinnen geben seit 1. Januar keine dieser Kunststofftragehüllen mehr heraus. Stattdessen tun es Papier oder Stofftüten – oder die ohnehin mitgeführten Kundentaschen, Rucksäcke ...

Wer ein Papier- oder Stoffbehältnis will, zahlt 10 Cent, die nun an den Naturschutzbund gespendet wurden: 171,57 Euro, die die Apotheke auf 350 Euro aufrundete. 14,2 Kilo in kleinen Münzen.

300 Kunden hat sie am Tag, 200 fragten bis zum 1. Januar 2014 regelmäßig nach großen oder kleinen Plastiktüten. 95 Prozent ihrer Kunden könnten den Tütenverzicht nachvollziehen, der Rest reagiere schon mal sauer – aus welchen Gründen auch immer. Tatsache: „Es bleibt dabei, wir geben keine Plastiktüten mehr aus", betont Alexandra Strobl-Hagen und wünscht sich, dass die Sobernheimer Geschäftsleute und Konsumenten mitziehen und, so wie sie, wiederverwendbare Stofftaschen anbeten.

3500 Stück hat sie geordert, will weg vom Weg der Wegwerfgesellschaft, weiß aber: „Am Ende ist das eine unendliche Geschichte."

Kirn
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Anzeige
Regionalwetter
Montag

5°C - 16°C
Dienstag

5°C - 16°C
Mittwoch

6°C - 19°C
Donnerstag

10°C - 22°C
epaper-startseite