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Roxheim

Grüne feuern Stefan Boxler an: Mit Glücksbrezel und Promis in die VG-Bürgermeister-Urwahl

Stefan Munzlinger

Kleiner Etat (6000 Euro für Wahlkampf und Co.), kleines Büfett, kleiner Saal. Hoch dagegen die Promidichte mit Ministerin und Funktionären beim Neujahrsempfang der Kreis-Grünen am Dienstag im Roxheimer Saal Hörning.

Hoch den Teller – mit dem Glücksbrezel in die VG-Bürgermeisterwahl am 18. Februar. Stefan Boxler (Mitte), Kandidat und Vorsitzender der 119 Kreis-Grünen, am Dienstag beim Neujahrsempfang in Roxheim. Hohe Promidichte im närrisch geschmückten Saal Hörning: Umweltministerin Ulrike Höfken (vorne, rechts), Bernhard Braun (4. von rechts, Fraktionschef im Landtag), MdL Daniel Köbler, Kreistagsmann Ludger Nuphaus, Zweite Kreisbeigeordnete Gerlinde Huppert-Pilarski (links), Kreissprecherin Elke Kiltz, Erwin Manz vom Umweltministerium (4. von links) und Rosemarie Sauermilch (Bad Kreuznach).  Foto: Stefan Munzlinger
Hoch den Teller – mit dem Glücksbrezel in die VG-Bürgermeisterwahl am 18. Februar. Stefan Boxler (Mitte), Kandidat und Vorsitzender der 119 Kreis-Grünen, am Dienstag beim Neujahrsempfang in Roxheim. Hohe Promidichte im närrisch geschmückten Saal Hörning: Umweltministerin Ulrike Höfken (vorne, rechts), Bernhard Braun (4. von rechts, Fraktionschef im Landtag), MdL Daniel Köbler, Kreistagsmann Ludger Nuphaus, Zweite Kreisbeigeordnete Gerlinde Huppert-Pilarski (links), Kreissprecherin Elke Kiltz, Erwin Manz vom Umweltministerium (4. von links) und Rosemarie Sauermilch (Bad Kreuznach).
Foto: Stefan Munzlinger

Was zeigt: Längst sind die am 13. Januar 1980 gegründeten Grünen in den deutschen Spitzen angekommen, gehören zum Establishment – in Ministerien, Ämtern und Parlamenten. Haben allerdings dasselbe Problem wie die Altparteien: Der Nachwuchs fehlt, auch wenn sie grade die grüne Jugend im Kreis wiederbelebt haben. Und so ist Stefan Boxler, Kreisvorsitzender und Bürgermeisterkandidat in der VG Rüdesheim, mit seinen 53 Lenzen der Youngster unter den rund 50 Empfangsgästen (gute Quote bei 119 Mitgliedern im Kreis). Jüngstes Parteimitglied laut Boxler: die Tochter Karl-Wilhelm Höfflers aus Langenlonsheim.

Sofort schaltet der Kandidat nach der Begrüßung durch Parteikreissprecherin Elke Kiltz (Nußbaum) auf Wahlkampfmodus und watscht die SPD für ihren fehlenden Bürgermeister-Kandidaten ab. Die mit Abstand zweitgrößte Partei im VG-Rat hätte einen Kandidaten stellen müssen: „Ist das schon Selbstaufgabe oder doch nur Machtpoker der SPD?“, fragte er, „Motto: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Und er vermutet einen Deal der Großen: Du, CDU, stellst weiter den Bürgermeister, und ich, SPD, behalte dafür den lukrativen hauptamtlichen VG-Beigeordneten. „Nichtangriffspakt oder Feigheit vorm politischen Gegner?“, fragt Boxler in die Runde und findet: „Wer nicht antritt, kann auch nicht verlieren. Oder doch?“ Ziele des Grünen-Kandidaten: Fraktionsstatus im VG-Rat (bislang ist er meist stiller Einzelkämpfer), eine absolute Mehrheit der CDU um den populären Markus Lüttger verhindern und schließlich die seit Jahren bestehende lokale „KoKo“, wie sie derzeit von der SPD für den Bund diskutiert wird, „beenden“. Außerdem: ausgebauter ÖPNV, erneuerbare Energien und kommunale Versorgung, mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort, Ganztagsangebote in den Kitas, bessere Radwege, dichteres Hausärztenetz, starke Schulstandorte und der Erhalt der Realschule plus in Wallhausen/Waldböckelheim mit einem ausgebauten und differenzierten Unterrichtsangebot.

Das Los des grünen VG-Ratseinzelkämpfers: Seinem Vorschlag, die Verbandsgemeinde Rüdesheim in „Soonwald-Nahe“ umzubenennen, folgte die Mehrheit nicht. Boxlers Begründung: Zu häufig würde man mit Rüdesheim am Rhein verwechselt, außerdem liege ein Viertel der VG-Fläche auf dem Gebiet des Naturparks Soonwald-Nahe. Passend zur Dachmarke SooNahe und zum Prinzip der regionalen Nahrungsmittelerzeugung böte sich eine solche Namensänderung an.

Seit 35 Jahren bei den Grünen aktiv, seit 1999 im Kreistag: Hans-Walter Spindler. Der 60-jährige Allgemeinmediziner mit Praxis in Langenlonsheim, der aus dem Raum Birkenfeld stammt, erinnerte sich an seine Politisierung zu Zeiten der RAF und der Antiatomkraftwerkdemos in Brokdorf und Kalkar. Heute, fast 40 Jahre später, würden die AKWs bis 2022 nach und nach abgeschaltet. Und trotzdem säße niemand im Dunkeln oder friere, so Spindler zu einem späten Triumph, aus dem nichts geworden wäre, „hätten wir nicht 1976 mit den Protesten angefangen“. Genauso gehe es mit der Kohle, gegen deren flächenfressenden Abbau und klimaschädliche Verbrennung die Grünen weiter vehement protestieren.

Schade, bedauerte die Runde in Roxheim, wenn Spindler den Grünen-Kreisverband eines Tages in Richtung Birkenfeld verlasse.

Umweltministerin: Hochwasserschutzkonzepte für Hochstätten und Stromberg greifen bald

Auch Umweltministerin Ulrike Höfken stellte sich beim Grünen-Neujahrempfang hinter Bürgermeisterkandidat Stefan Boxler. Und beschrieb die Berliner GroKo-Sondierungen, den „Spiegel“ zitierend, als „Koalition der Verlierer“. Sie wies der Europawahl 2019 eine wichtige Rolle gegen Fremdenfeindlichkeit und Rückfälle ins Mittelalter zu und ging auf grüne Kernthemen ein: „Unser Hauptantrieb ist der Klimaschutz.“ Die Niederschläge hätten um 30 Prozent zugenommen, 126 Staaten hätten sich den Klimaschutzzielen verschrieben – die USA nicht. Dabei
würden die Unwetterschäden grade dort allein für 2017 mit 300 Milliarden Euro beziffert. Höfken weiter: Gegen lokale Hochwasser habe man sich mit bald greifenden Schutzkonzepten etwa für Hochstätten und Stromberg gewappnet. Die Ministerin sprach auch die Kampagne „Rheinland-Pfalz isst besser“, die für Kitas und Schulen gedacht ist, an. Und sie lobte SooNahe als Paradebeispiel für lokale Netzwerke bei der Nahrungsmittelerzeugung. Bei 10 Prozent Ökolandwirtschaft sei man in RLP heute, Trend steigend. Zur Glyphosat-Diskussion sagte sie: „Wir erleben einen stummen Frühling.“ 80 Prozent der Insektenmasse seien verschwunden. Mit verheerenden Folgen für die Natur, Tiere und Menschen. mz

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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