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Gefährlich: Ein gefundenes Fressen am Straßenrand

Extratonnen für Essensreste werden oft ignoriert – Straßenmeisterei beklagt Mülltourismus

Ein Fleischwurstbrötchen direkt neben der eigens für Essensreste aufgestellten und zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Fotos nicht vollen Mülltone an der B 41 bei Hochstetten. Die Brisanz scheint vielen Zeitgenossen aus dem In- und Ausland nicht klar zu sein. Wenn Brummifahrer aus Ländern, in denen die Schweinepest grassiert, ihre Wurstbrote im Naheland in die Gegend schmeißen, kann die Seuche hier auf Wildschweine und dann auf Schweinemastbetriebe übergreifen. Auch wer die Tonnen mit Hausmüll verstopft, trägt eine Mitschuld.
Ein Fleischwurstbrötchen direkt neben der eigens für Essensreste aufgestellten und zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Fotos nicht vollen Mülltone an der B 41 bei Hochstetten. Die Brisanz scheint vielen Zeitgenossen aus dem In- und Ausland nicht klar zu sein. Wenn Brummifahrer aus Ländern, in denen die Schweinepest grassiert, ihre Wurstbrote im Naheland in die Gegend schmeißen, kann die Seuche hier auf Wildschweine und dann auf Schweinemastbetriebe übergreifen. Auch wer die Tonnen mit Hausmüll verstopft, trägt eine Mitschuld.
Foto: Armin Seibert

Was soll an einem weggeworfenen Fleischwurst- oder Salamibrötchen gefährlich sein, bitteschön? Es könnte Schweinepesterreger in sich tragen und die gefürchtete afrikanische Schweinepest auch in der Naheregion verbreiten. Weil man diese Gefahr erkannt hat, gab es schon im Frühjahr einen Landeserlass, an hochfrequentierten Rastplätzen längs der Bundes- und Landesstraßen zusätzliche Mülleimer aufzustellen und dreimal die Woche zu leeren und zu säubern. Der Verkehr durch osteuropäische Brummifahrer auf der B 41, der B 421 (Kellenbachtal) und der L 160 (Fischbach–Kempfeld) nimmt drastisch zu,

Eigentlich müsste jedem, der etwas in die danebenstehende Tonne steckt, klar sein, worum es geht: Speisereste nicht wegwerfen wegen Schweinepestgefahr. Manche Rastplatznutzer scheinen das vorsätzlich zu ignorieren.
Eigentlich müsste jedem, der etwas in die danebenstehende Tonne steckt, klar sein, worum es geht: Speisereste nicht wegwerfen wegen Schweinepestgefahr. Manche Rastplatznutzer scheinen das vorsätzlich zu ignorieren.

Im Bereich der Straßenmeisterei Kirn gibt's ein Dutzend solcher Essensrestsammler. „Unsere Leute müssen sich oft mit sehr unappetitlichen Anblicken auseinandersetzen“, sagt Straßenwärtermeister Rainer Weber (Kirn) dazu. Denn es sind nicht nur Fleischwurstbrötchen, sondern es finden sich auch Tierkadaver von geschlachteten Hühnern oder Hasen, die in praller Sonne dazu gestopft werden. Die Eimer sind oft so voll, dass sie gar nicht leerbar sind und mühevoll ausgeräumt werden müssen. Wenn sie überquellen, wird das Zeug kurzerhand um sie herum verteilt.

Die Schilder in sechs Sprachen sind gut gemacht, scheinen aber Betroffenen wenig zu beeindrucken. „Morgens geleert, mittags wieder voll“, sagt Weber mit einem Anflug von Ratlosigkeit. Was soll man machen? Videokameras aufstellen, die Polizei einschalten? An den Verstand appellieren.

Das fruchtet ebenso wenig, denn Mülleimer sind jetzt noch zu Anlaufpunkten für die heimische Bevölkerung geworden. Dieser Tage wurde neben Hausmüll auch Bauschutt abgeladen. Fazit: Extra-Tonnen gegen die Schweinepest führen zu Mülltourismus. Oder hat es damit zu tun, dass Bürger aus dem Kirner Land nach Schließung des Hochstettener Wertstoffhofs einfach keine Lust haben, das Zeug nach Sobernheim zu fahren? Beim Veterinäramt des Kreises heißt es zu den Sondersammelstellen für Essensreste: Mit diesen Standardmaßnahmen solle eine Sensibilisierung erfolgen, Durchreisende dazu zu bringen, Essensreste nicht in der Natur zu entsorgen. Vor allem durch nicht völlig durcherhitzte Fleischerzeugnisse von befallenen Tieren (Salami, Rohesser) könnten Erreger eingeschleppt werden und auf Schweine übergehen, wenn diese infizierte Essensreste fressen. In Deutschland gab und gibt es keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest, die teils in Osteuropa grassiert. Wichtig: Die Schweinepest ist nicht auf Menschen übertragbar. Anders als Wildschweinepest-Kalamitäten in der Vergangenheit breitet sich dieser hochaggressive Erreger aber nicht langsam und allmählich aus, sondern ist durchaus „sprunghaft“, führt zum schnellen verenden von betroffenen Tieren und hat eine sehr kurze Inkubationszeit.

Armin Seibert

Kirn
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