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    „Eichhörnchen" trug die Stahlträger auf die Burg

    Schwere Stahlträger und hochfeste Fangnetze wurden per Hubschrauber zur Fuine Steinkallenfels geflogen und damit die Felssicherungsarbeiten abgeschlossen.

    Jetzt können die „Unterlieger" der Burgrunine Steinkallenfels wieder ruhig schlafen. Gestern wurden nach gründlicher wochenlager Vorbereitung innerhalb von 45 Minuten per Hubschrauber Stahlträger und Fangnetze eingeflogen. Die Netze werden wie Gardinen auseinandergezogen, und dann ist der Steinschlag gebannt.

    Rund 100 000 Euro kostet die Sicherung, die die Würzburger Firma Königl nach Plänen des Geotechnibüros Wolfgang Fein (Mainz) realisierte - so wie schon vor Jahren einen Steinwurf entfernt an der mittleren Burgruine. Dort ist seit dem Netzbau kein Stein mehr heruntergerollt sagt Bauingenieur Markus Neubrech (Stadtverwaltung), der den Steinschlag am Steinkallenfels regelmäßig kontrolliert.

    45 Minuten Stress, dann Freiflug „45 Minuten Stress, dann ist die Welt wieder in Ordnung", kommentiert Polier Mike Bender (Königl), der die Arbeiten in der Steilwand koordinierte. Bei nahezu Windstille und Sonne in der Baustelle herrschten auch für Pilot Jörn Muth (Hahn-Helicopter Ochtendung) ideale Verhältnisse.

    Da konnte er das Haus der Verwandtschaft genau in Augenschein nehmen: Die Vorfahren waren mit Wilhelm Dreikosen verwandt, der hier ein Ausflugslokal betrieb und im zusammengerutschten Torturm grillte. Muths ganze Konzentration galt aber dem Team in der Burgwand und den Kommandos seines Einweisers Andreas Hill, der per Funk zentimetergenau ansagte, wohin Muth die eiserne Last am 20 Meter langen Seil ablassen soll.

    Diplom-Geologe Wolfgang Fein war zufrieden: „Das war super heute. Kein Wind, keine Schatten für den Piloten, eine erfahrene Mannschaft in der Wand." Und für Polier Mike Bender war in der Tat nach den zehn Lastenflügen die Welt in Ordnung: Er durfte nämlich einmal mitfliegen. Um Fotos zu schießen, die für Dokumentationen nötig sind. Zufrieden war auch Architektin Ute Wünsch (Bad Kreuznach), die im Auftrag der Stadtverwaltung den landespflegerischen Begleitplan erstellt hatte.

    Die Vorgabe: Die arbeiten müssen vor der Brutzeit der Vögel (unter andreem Steinkäuze) erfolgen und die Eidechsen sollten möglichst noch in ihren Winterquartieren schlafen. Gegen einen herkömmlichen Maschineneinsatz hätte auch die Denkmalpflege ihr Veto eingelegt. Deshalb war der Helikoptertransport jetzt genau richtig, der Eingriff in die Natur minimal.

    So viele Steinkäuze wie früher gibt es nicht mehr im Felsen, sagt Anwohnerin Nora Ploog. Die fühlten sich wohl durch die vielen Kletterer gestört. In der Nacht vor dem Heli-Einsatz rief ein Uhu im Garten. Ploog: „Das hörte sich erst so an, als würde jemand rufen. Der Uhu wird sich wundern, wenn er die Veränderungen sieht." Sie selbst ist natürlich froh, denn immer wieder kullerten dicke Brocken vom Steilhang. Früher sei sie als Kind auf dem Hosenboden den schmalen Burgpfad heruntergerutscht. Heute freut sie sich, dass sie im Schatten der Ruine wieder ruhig schlafen kann. Für die Stadtkasse ist nach dem Heliflug in Sachen Felssicherung hoffentlich auch erst einmal Ruhe.

    Rund 30000 der 100000 Euro muss die Stadt tragen. Die Dokumentation und die Befliegung der Ruine im vergangenen Jahr zahlte die Landesdenkmalpflege, die die Maßnahmen nach Auswertung der Luftbilder mit koordinierte. Die Dokumentation ermöglicht erst einen Überblick, wie gewaltig die Burganlage vor fast 1000 Jahren war. „Und da hatten sie keine Hubschrauber, um die Teile einzufliegen", wurde aus den Reihen der Zahlreichen Zuschauer am Kallenfelser Hof kommentiert. 

    Das Heli-Team aus Ochtendung (der Hahn ist als Standort zu teuer) berechnet für die Aktion An- und Abflugpauschalen und 35 Euro (inklusive Mehrwehrtsteuer) pro Minute. Schließlich säuft „Ecureuil" (übersetzt: das „Eichhörnchen"), wie der 750 PS starke AS350 auch heißt, pro Minute drei Liter Sprit. Die Maschine kostet 1,8 Millionen Euro, sagt Pilot Jörn Muth, der mit seinem Team Andreas Hill und Peter Eichhorn die Baustelle Steinkallenfels als unproblematisch einstufte: „Leichter Wind von vorn, ideal!" Muth schwebte mit der Maschine stets über der Burg, konnte sich drehen und wenden nach Belieben. Vorgestern hatte das Trio in Altenbamberg unterhalb der Burg die Teile eines 400-Meter-Zauns in 100 Durchgängen eingeflogen. Y Mehr Bilder unter www.rhein-zeitung.de/regionales

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